Am kommenden Wochenende wird ganz Deutschland den Höhepunkt der anhaltenden Hitzewelle über sich ergehen lassen müssen. An vielen Orten wurden aufgrund von zu erwartenden Hitzerekorden von bis zu 40 Grad Celcius bereits öffentliche Veranstaltungen abgesagt, darunter eine Reihe von hochkarätigen Sport-Events.
Vorbildlich hat sich der American Football und Cheerleading Verband Nordrhein-Westfalen (AFCV NRW) verhalten und hat aufgrund der aktuellen Hitzewarnungen entschieden, sämtliche Jugendspiele im Flag Football und Tackle Football der NRW-Ligen für das kommende Wochenende abzusagen. "Der Schutz unserer Kinder und Jugendlichen hat für uns oberste Priorität. Vor dem Hintergrund der angekündigten extremen Temperaturen ist diese vorsorgliche Entscheidung leider unausweichlich", betont Verbandspräsident Peter Springwald." Für den Herrenbereich spricht der Verband die dringende Empfehlung aus, die angesetzten Begegnungen auf ihre Durchführbarkeit zu überprüfen. Dabei sollten zunächst Möglichkeiten geprüft werden, Spiele in die kühleren Abendstunden zu verlegen oder im gegenseitigen Einvernehmen einen neuen Spieltermin zu finden. Ist eine Verlegung nicht möglich, gelten die vom AFCV NRW veröffentlichten Hitzeregelungen, die von den Verantwortlichen konsequent umgesetzt werden sollen. Die aktuellen Richtlinien zum Umgang mit hohen Temperaturen im Spielbetrieb wurden gemeinsam vom Verbandsspielausschuss, Verbandsarzt Ulrich Grünwald und dem Jugendausschuss erarbeitet. Sie enthalten verbindliche Vorgaben für den Umgang mit Hitze am Spieltag und stehen auf der Website des AFCV NRW zum Download zur Verfügung. "Der AFCV NRW bittet alle Vereine, Trainerinnen und Trainer, Schiedsrichter sowie Eltern um Verständnis für diese Entscheidung und bedankt sich für die Unterstützung beim Schutz der Gesundheit aller Beteiligten."
Auch der Spielverbund Nord hat an seine Vereine entsprechende Mitteilungen kommuniziert und den Vereinen empfohlen Vorsicht zu walten und ihnen freigestellt Partien abzusagen.
Die Lizenz-Spielklassen, die über den Bundesverband AFVD und dem Ligaverbund durchgeführt werden, sind von dieser Entscheidung nicht betroffen. Auf Nachfrage beim Ligaverbund der GFL und GFL 2 wurde darauf hingewiesen, dass die Lizenzvereine ebenfalls über die kommende, beziehungsweise vorherrschende Wetterlage informiert wurden und dass ebenfalls Guidelines auf Basis medizinischer Empfehlungen an die Vereine verschickt wurden. "Vorsorglich wurde die Kickoff Uhrzeit auf 17 Uhr verlegt". Letztlich obliegt die finale Verantwortung dem Gastgeberverein, ob eine Partie angepfiffen werden soll, oder nicht und natürlich auch jedem Spieler, ob er sich fit genug fühlt und ausreichend gegen die Hitzewellen vorbereitet ist.
Grundsätzlich gilt nach Meinunung von Fachleuten: "Gefährlich wird es, wenn der Körper mehr Wärme aufnimmt, als er wieder abgeben kann. Denn dann gerät die Körpertemperatur außer Kontrolle und steigt rasch an. Diese Grenze ist sehr individuell und hängt mit Lebensalter, Gesundheitszustand, Aktivität und Gewöhnung zusammen. Bei über 30 Grad hat der Körper vieler Mitteleuropäer deutlich mehr Stress, sich selbst wieder herunterzukühlen, als bei niedrigeren Temperaturen. Eine Gewöhnung an hohe Temperaturen dauert meist mehrere Tage. Hitze bedeutet für den menschlichen Körper Schwerstarbeit. Denn der Organismus ist bemüht, seine Temperatur konstant um die 37 Grad zu halten. Die meisten Zellen, Enzyme, Proteine und das Immunsystem arbeiten dann optimal. Bei extremen Schwankungen sind diese Prozesse gestört. Steigt die menschliche Körpertemperatur auf über 42 Grad oder sinkt sie unter 32 Grad, kann das tödlich sein. Um Organschäden entgegenzuwirken, fährt der Körper seine Kühlung bei Hitze hoch und setzt Flüssigkeit und Salze frei – den Schweiß. Das kühlt die Haut durch Verdampfen ab. Hohe Luftfeuchtigkeit verlangsamt diesen Prozess. Deshalb ist Schwitzen bei schwülem Wetter weniger effizient. Wenn der Körper wärmer als die Umgebung ist, kann er Hitze auch abstrahlen – wie eine Glühbirne ihre Umgebung erwärmt. Bei großer Hitze erweitern sich die Blutgefäße, wodurch der Blutdruck sinkt. Das Herz erhöht seine Pumpleistung, auch die Atmung kann sich beschleunigen. Die Gehirnleistung kann wegen verminderter Sauerstoffzufuhr abnehmen. Für den Deutschen Wetterdienst (DWD) ist eine Hitzewelle ein Extremereignis, das die menschliche Gesundheit, die Ökosysteme und die Infrastruktur schädigen kann. International gebe es keine einheitliche Definition des Begriffs. Der Wetterdienst definiert eine Hitzewelle als eine mehrtägige Periode mit ungewöhnlich hoher thermischer Belastung. Zu den Parametern gehören nicht allein die Lufttemperatur, sondern auch Luftfeuchte (Schwüle), die Strahlung von Sonne, Erde und Atmosphäre sowie Wind. In unseren Breiten treten Hitzewellen häufig im Zusammenhang mit andauernden sommerlichen Hochdruckgebieten auf."
Schlüter - 26.06.2026

"Gatorade Dusche" sorgen auch kurzfristig für Abkühlung. (© Gerasimov)
Leser-Bewertung dieses Beitrags: