Die NCAA und die gesamte College Football Welt waren in den letzten Wochen empört über die einstweilige Verfügung eines texanischen Gerichts, die Quarterback Brendan Sorsby die Spielberechtigung vorläufig zurückgab. Sorsby hatte offen zugegeben, auf Siege des eigenen Teams gewettet zu haben. Unterdessen richtete der Generalstaatsanwalt von Texas präventiv Warnungen an die Big 12 Conference, falls diese auch nur im Ansatz erwägen sollte, die Universität für den Einsatz ihres Star-Quarterbacks zu bestrafen. Am Ende des Tages sagte die NFL auch noch ihr "Supplement Draft" ab, so dass Sorsby nun weder in dieser Profiliga, noch im College Football spielen kann. Während sich die Anwälte beider Seiten stritten und profilierten, ist die eigentlich wichtigere Geschichte in diesem ganzen Geschehen unter dem Druck von Rechtsstreitigkeiten und bürokratischen Drohungen untergegangen.
Die einstweilige Verfügung geht vor allem nicht auf die Wurzel seines Problems ein: Online-Wetten und die zunehmende Spielsucht bei jungen Männern, die in den USA zu einer Krise der öffentlichen Gesundheit führt. 2018 hatte der Oberste Gerichtshof das bundesweite Verbot von Sportwetten aufgehoben. Zeitdem erlauben mindestens 38 Bundesstaaten irgendeine Form davon; Amerikaner setzen dabei jährlich insgesamt mehr als 150 Milliarden US-Dollar um. Im Laufe der Geschichte – und verstärkt in den letzten Jahren – haben wir erlebt, wie Glücksspiel den Sport korrumpiert hat: von Skandalen um Pitcher der Cleveland Guardians, die angeblich manipulierte Würfe ablieferten, bis hin zu NBA-Spielern, die im Rahmen von Wettmanipulationen Bestechungsgelder angenommen haben sollen. Doch nur selten ist ein Sportler an die Öffentlichkeit gegangen und hat seine eigene Sucht in diesem Zusammenhang eingestanden. Der 22-jährige Sorsby gab zu, fast 90.000 Dollar auf College- und Profisportarten verwettet zu haben – darunter mindestens 40 Wetten auf die "Hoosiers", während er selbst als Quarterback für das Team spielte. Dieses Geständnis ist erschütternd, aber vielleicht sollte es gar nicht so überraschend sein.
Eine Umfrage von Harris Poll aus diesem Jahr ergab, dass fast zwei Drittel der Erwachsenen angaben, bereits vor ihrem 21. Lebensjahr – dem gesetzlichen Mindestalter für Sportwetten in den USA – an irgendeiner Form von Glücksspiel teilgenommen zu haben. Die Bandbreite reichte von Rubbellosen bis hin zu Fantasy-Sport-Wetten um Geld. Fast acht von zehn Amerikanern halten Spielsucht für ebenso schwerwiegend oder sogar noch schlimmer als Alkohol- oder Drogensucht.
Neuere Untersuchungen zeigen, dass Jugendliche und junge Erwachsene im College Alter impulsiver sind und ein höheres Risiko für die Entwicklung von Glücksspielstörungen aufweisen. Etwa 6 Prozent der College Studenten leiden unter einem ernsten Glücksspielproblem, das zu psychischen Problemen, schlechten Noten und hoher Verschuldung führen kann.
Der bekannte Finanzberater Dave Ramsey bezeichnete Online-Sportwetten als "die am schnellsten wachsende Sucht, die junge Männer in ihren Zwanzigern zerstört". Jährliche Studien und Umfragen belegen sowohl steigende Umsätze der Glücksspielanbieter als auch eine Verschlechterung der psychischen Gesundheit ihrer Kunden; viele von ihnen sind junge Männer Anfang zwanzig aus einkommensschwächeren Gegenden, die kaum über Einkommen verfügen.
Neben ausgeprägten Fällen von Spielsucht wie bei Sorsby gibt es eine ebenso gefährliche Gruppe, deren Verhalten ebenfalls verheerende Folgen haben kann. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft dies als "riskantes Glücksspiel" ein. Auch wenn die Betroffenen möglicherweise nicht die Kriterien für eine Suchtdiagnose erfüllen, leiden sie unter ähnlichen Folgen: Angstzuständen und Depressionen, einer schlechteren Bonität, häufigeren Insolvenzen, der Notwendigkeit von Umschuldungskrediten sowie Zahlungsausfällen bei laufenden Verpflichtungen wie Autokrediten oder Kreditkartenabrechnungen.
Mit Spielsucht ist eine höhere Suizidrate verbunden als mit jeder anderen bekannten Suchterkrankung: Laut der Ohio Casino Control Commission ziehen 80 Prozent der Menschen, die mit Spielsucht kämpfen, einen Suizid in Betracht, und 20 Prozent unternehmen tatsächlich einen Suizidversuch.
Sorsby ist der jüngste Fall in einer Problematik, die sich nur schwer erkennen lässt und für die es keine einfache Lösung gibt. Generationen von Jugendlichen und Erwachsenen sind süchtig nach ihren Mobiltelefonen und den damit verbundenen ständigen Dopamin-Schüben. Kombiniert man dies mit dem Adrenalinkick, den der einfache Zugang zu Glücksspielen per Handy mit sich bringt, ergibt sich eine explosive Mischung aus Dopamin und Gefahr.
Sorsby mag der erste College-Athlet sein, der eine solche Spielsucht öffentlich eingesteht und vielleicht auch wieder nach seinem erfolgreichen Entzug, auf gesundem Boden stehen kann. Er wird aber nicht der letzte Sportler sein, der über seine Wettsucht gefallen ist und hat auch nicht mit krimineller Energie gearbeitet. Darauf kann man wetten.
Schlüter - 24.06.2026

Texas Tech will Brendan Sorsby helfen, von seiner Spielsucht wegzukommen. (© Getty Images)
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