Die Straubing Spiders sind nach dem 14:41 im Derby bei den Munich Cowboys das letzte verbliebene Team ohne Sieg in der GFL Saison 2026. Das ist die nüchterne Schlagzeile nach einem Spiel, das weniger wegen des Ergebnisses allein, sondern vor allem wegen seiner Aussagekraft Gewicht bekommt. Denn auch in München zeigte Straubing wieder Ansätze, die Hoffnung machen könnten, gleichzeitig aber auch genau die Muster, die diese Mannschaft bislang unten festhalten.
Wer nur auf das Resultat blickt, sieht eine klare Niederlage. Wer genauer hinschaut, erkennt ein Team, das sich nicht völlig chancenlos präsentierte, dem aber in den entscheidenden Momenten erneut Stabilität, Konsequenz und Fehlerfreiheit fehlten. Die Spiders hielten das Spiel zwischenzeitlich offen, kamen durch einen Punt Return Touchdown von Edward Jonathan Mangum zum Ausgleich und lagen zur Pause nach dem Anschluss durch Jordan Pouncey noch in Schlagdistanz. Trotzdem hatte man nie wirklich das Gefühl, dass Straubing die Partie dauerhaft unter Kontrolle bringen könnte. Dafür war München zu gefestigt, zu effizient und am Ende auch zu abgezockt.
Im Mittelpunkt stand aus Straubinger Sicht erneut Raleigh Benjamin Yeldell, der nach seinem Debüt in Kempten nun sein zweites Spiel für die Niederbayern absolvierte und nach der Verletzung von David Perkins die schwierige Aufgabe übernommen hat, eine verunsicherte Offense in einer kritischen Saisonphase zu stabilisieren. Auch in München war zu sehen, warum die Spiders auf dieser Position noch einmal reagieren mussten. Yeldell bringt Mobilität mit, kann Plays verlängern und verleiht dem Angriff phasenweise eine andere Dynamik. Gleichzeitig war aber ebenfalls sichtbar, dass er das Team aktuell noch nicht in ruhigeres Fahrwasser führen kann. Schon früh fing München einen Pass des neuen Quarterbacks ab, später verlor Straubing mit ihm erneut den Ball. Bereits in seinem ersten Einsatz gegen die Comets hatte es Licht und Schatten gegeben, nun setzte sich dieser Eindruck fort. Yeldell ist kein Problem, aber bislang eben auch noch nicht die Lösung, die aus einer wackligen Offense plötzlich eine funktionierende Einheit macht.
Genau darin liegt derzeit das Hauptproblem der Spiders. Es fehlt nicht zwingend an einzelnen guten Aktionen. Es fehlt an der Fähigkeit, über vier Viertel hinweg sauberen Football zu spielen. Ballverluste, Rhythmusbrüche, kleine Fehler mit großer Wirkung und das Auslassen von Momenten, in denen ein Spiel kippen könnte, ziehen sich durch die Saison. Auch gegen München war das wieder sichtbar. Die Cowboys mussten gar kein perfektes Spiel abliefern, weil Straubing ihnen zu viele Gelegenheiten gab, die Kontrolle zu behalten. Dass die Münchner diese Einladungen mit ihrer Qualität annehmen würden, war absehbar.
Gerade deshalb ist diese Niederlage mehr als nur ein weiterer Rückschlag in der Tabelle. Sie ist eine Bestandsaufnahme. Die Spiders können phasenweise mithalten, aber sie sind im Moment nicht stabil genug, um Spiele auf diesem Niveau für sich zu entscheiden. Der Record von 0:5 ist deshalb hart, aber nicht zufällig. Und weil Braunschweig am vergangenen Wochenende gegen die Düsseldorf Panther gewann, steht Straubing nun als einziges siegloses Team aller 15 GFL Mannschaften da. Das erhöht vor dem nächsten Spiel den Druck noch einmal spürbar.
Dass nun ausgerechnet der Rekordchampion Braunschweig Lions wartet, macht die Lage nicht einfacher. Zwar stecken auch die Lions selbst in keiner einfachen Saison, doch der Sieg gegen Düsseldorf hat ihnen zuletzt Luft verschafft. Straubing dagegen geht mit dem Gefühl in die nächste Woche, dass selbst ordentliche Phasen längst nicht mehr reichen. Die Spiders brauchen nicht nur Entwicklung, sie brauchen Resultate. Sonst wird aus einer schwierigen Saison sehr schnell eine, in der sich alles nur noch um das Überleben in der Liga dreht.
Foot Bowl - 21.06.2026

Spiders QB Raleigh-Benjamin Yeldell (© Foot Bowl/Björn Kecker)
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