Für die Straubing Spiders steht am Samstag im Dantestadion das nächste richtungsweisende Spiel an, und im Derby bei den Munich Cowboys richtet sich der Blick vor allem auf einen Mann: Trey Yeldell. Der neue Quarterback, der erst vergangene Woche beim Auswärtsspiel gegen die Allgäu Comets erstmals für die Niederbayern auflief, soll die Offense nun auch in München anführen und im Abstiegskampf für neuen Schwung sorgen. Die Aufgabe ist dabei klar umrissen. Straubing steht mit null Siegen und vier Niederlagen am Tabellenende der GFL Süd, hat bislang 66 Punkte erzielt und 138 kassiert. Vor Woche sieben steckt das Team damit bereits mitten im Tabellenkeller fest, auch weil die besonders wichtigen Duelle gegen Saarland und Allgäu verloren gingen. Gerade deshalb bekommt das Derby bei den Cowboys zusätzliche Bedeutung, obwohl München auf dem Papier eher zu den Teams mit deutlich höheren Ambitionen zählt.
Yeldell ist dabei einer der spannendsten Faktoren dieses Spiels. Sein Debüt gegen die Comets zeigte sofort, warum Straubing auf dieser Position noch einmal reagiert hat. Der US Amerikaner brachte Ruhe, Erfahrung und Mobilität ins Spiel, bewegte die Offense deutlich variabler und half mit, dass die Spiders das Spiel zwischenzeitlich sogar drehen konnten. 20 von 29 Pässen für 227 Yards, ein Touchdown und dazu 43 Yards am Boden waren für ein erstes Spiel ohne lange Eingewöhnung durchaus ein Ausrufezeichen. Gleichzeitig war aber auch zu sehen, dass Yeldell eben nicht als fertige Sofortlösung aus dem Nichts aufs Feld kommen konnte. Drei Interceptions standen am Ende ebenfalls in der Statistik, dazu der bittere Fumble in einer ganz kritischen Phase. Gerade weil Straubing in Kempten nah dran war, wogen diese Fehler umso schwerer. So blieb ein Debüt, das durchaus Hoffnung machte, aber eben auch zeigte, wie schmal der Grat aktuell für die Spiders ist. Yeldell hat dem Angriff sichtbar neue Impulse gegeben, doch er war eben auch Teil einer Partie, die Straubing trotz guter Chancen noch aus der Hand gab.
Genau deshalb wird sein zweiter Auftritt nun besonders interessant. Mit einer weiteren Trainingswoche im Team, mehr Timing mit den Receivern und einem ersten Spiel unter Wettkampfbedingungen im Rücken soll er nun der Mann sein, der die Offense stabilisiert und im Derby den nächsten Schritt möglich macht. Das ist eine anspruchsvolle Aufgabe, denn die Cowboys haben in den vergangenen Wochen mehrfach unterstrichen, wie gefährlich sie vor allem im Passspiel sein können. Quarterback Nicholas Semptimphelter spielt effizient, verteilt den Ball sauber und hat mit Gabriel Boccella einen Receiver, der derzeit kaum zu stoppen scheint. Boccella produzierte in den vergangenen Spielen starke Zahlen und ist genau der Typ Zielspieler, der ein Spiel mit wenigen Aktionen entscheiden kann. Für die Straubinger Defense wird es deshalb eine der zentralen Aufgaben sein, Münchens Passspiel nicht früh ins Rollen kommen zu lassen. Wenn die Cowboys erst einmal ihren Rhythmus finden, wird es im Dantestadion schwer, die Kontrolle über das Spiel zurückzugewinnen.
Für Straubing geht es aber nicht nur darum, München zu bremsen, sondern auch darum, die eigenen Chancen konsequenter zu nutzen. In den vergangenen Wochen war das Team mehrfach besser, als es die Bilanz vermuten lässt. Gegen Saarland hielt man das Spiel lange offen, gegen Allgäu war man sogar nah am Sieg. Das Problem war weniger die grundsätzliche Konkurrenzfähigkeit, sondern vielmehr die fehlende Sauberkeit in den entscheidenden Momenten. Genau dort müssen die Spiders nun zulegen. Denn wenn man den Klassenverbleib schaffen will, reicht es nicht, nur auf direkte Konkurrenten zu schauen. Irgendwann müssen auch Spiele gegen Favoriten gewonnen werden. Das Derby bei den Cowboys ist damit nicht nur eine schwierige Auswärtsaufgabe, sondern auch eine Gelegenheit, ein Zeichen zu setzen.
Im Fokus steht dabei zwangsläufig Trey Yeldell. Er kam spät, musste sofort liefern und brachte in seinem ersten Auftritt schon einiges von dem mit, was Straubing gefehlt hatte. Nun wird sich zeigen, ob er aus einem ordentlichen, aber fehlerbehafteten Debüt direkt den nächsten Schritt machen kann. Die Spiders brauchen im Derby in München keinen perfekten Quarterback, aber sie brauchen einen, der das Spiel kontrolliert, Fehler minimiert und die Offense in den entscheidenden Szenen auf dem Feld hält. Genau das soll jetzt Yeldell richten.
Foot Bowl - 17.06.2026

Trey Yeldell (© Foot Bowl/Susanne Hägele)
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