Zu Beginn ihrer ersten Saison bei Michigan verfügen Head Coach Kyle Whittingham und Offensive Coordinator Jason Beck über viel Talent in der Offense – doch wie wird sich das Zusammenspiel gestalten? Die Antwort auf diese Frage könnte darüber entscheiden, welches Leistungspotenzial die Wolverines im Jahr 2026 ausschöpfen können. In der vergangenen Saison erzielte Michigan unter dem vorherigen Trainerstab durchschnittlich 27,5 Punkte pro Spiel, was landesweit den 69. Platz bedeutete. Quarterback Bryce Underwood, der als "True Freshman" antrat, erlebte im Passspiel Höhen und Tiefen, doch das Laufspiel war herausragend. Michigan erzielte im Schnitt 210,2 Yards pro Spiel durch Läufe – der zweitbeste Wert in der Big Ten.
Nun geht Underwood in seine zweite Saison; ebenso kehren der führende Running Back Jordan Marshall und der Top-Receiver Andrew Marsh zurück. Zwei wichtige Neuzugänge, die das Offensivarsenal um Underwood verstärken – der Fünf Sterne Running Back Savion Hiter und der von Utah gewechselte JJ Buchanan – dürften den Fans von Michigan Hoffnung machen, dass die Offense vor einem großen Entwicklungsschritt steht. Ob sich diese Hoffnungen erfüllen, hängt davon ab, wie stark sich Underwood in seiner ersten Saison unter Beck weiterentwickelt. Nach dem Frühjahrstraining fielen die Einschätzungen dazu gemischt aus. Das Passspiel der Wolverines gilt als verbesserungsfähig und das Team bereit sei, sich im Herbst verstärkt auf das Laufspiel zu verlassen. Das muss kein Nachteil sein, könnte aber die Erfolgschancen von Michigan in Whittinghams erstem Amtsjahr begrenzen.
Wie erwartet hatte Underwood in der vergangenen Saison mit typischen "Rookie-Problemen" zu kämpfen. Als Nummer 1 des Recruiting-Jahrgangs 2025 brachte Underwood lediglich 60,3 Prozent seiner Pässe an den Mann; er erzielte dabei 2428 Yards, elf Touchdowns und warf neun Interceptions. Im Laufe der Saison schien Underwood – zumindest im Passspiel – einen kleinen Rückschritt zu machen. In den letzten sechs Saisonspielen brachte er 57,8 Prozent seiner Würfe an den Mann und kam im Schnitt auf 164,7 Yards pro Spiel. Zudem standen in diesem Zeitraum vier Touchdowns sieben Interceptions gegenüber. Unter der Führung eines neuen Trainerstabs versucht Underwood nun, sich in verschiedenen Bereichen anzupassen. Underwood erlernt ein neues Spielsystem und arbeitet gleichzeitig an seinen technischen Grundlagen. Er muss ein neues System verinnerlichen, und man arbeitet mit ihm an seinen grundlegenden Fertigkeiten, die zuvor Schwachstellen aufwiesen. Unter Druck ließen bisher seine technischen Abläufe nach. Lässt sich das stabilisieren? Die gute Nachricht für Underwood ist, dass ihm einige zuverlässige Anspielstationen zur Verfügung stehen dürften. Andrew Marsh war im vergangenen Jahr als "True Freshman" Michigans bester Receiver und das Team erwartet für die Zukunft Großes von ihm.
Gegnerische Defensiven werden sich nicht allein auf Marsh konzentrieren können, da Whittingham und Beck den Ausnahmeathleten JJ Buchanan aus Utah mitgebracht haben. Buchanan wurde bei den Utes als Tight End geführt, wird aber in der Offense der Wolverines variabel eingesetzt werden. Mit einer Größe von 1,90 Metern und einem Gewicht von gut 100 Kilogramm verfügt Buchanan über einen großen Fangradius und ist in der Lage, Bälle auch bei enger Bewachung zu fangen. Die physische Präsenz, die er auf der Wide Receiver Position einbringt, ist neu für Michigan. Ein Problem, mit dem sie bisher zu kämpfen hatten, war das Fehlen eines Spielers, der sich im Kampf Receiver gegen Passverteidiger behaupten kann. Nach dem Motto: Ich bin einfach größer, springe höher und bin stärker als du. JJ Buchanan beherrscht genau das.
Während Underwood im vergangenen Herbst gegen Saisonende im Passspiel etwas schwächelte, war er im Laufspiel im weiteren Saisonverlauf erfolgreicher. Zu Beginn der Saison schien der Trainerstab von Michigan noch zu zögern, Underwood – einen begnadeten Athleten – laufen zu lassen. Diese konservative Herangehensweise wurde in der zweiten Saisonhälfte jedoch aufgegeben. In fünf der letzten sieben Spiele von Michigan verzeichnete er mindestens sieben Läufe, und bei der Niederlage der Wolverines im Citrus Bowl gegen Texas kam er auf 14 Versuche. Schon während des Frühjahrstrainings zeichnete sich ab, dass Michigan Underwoods Fähigkeiten als "Dual-Threat"-Spieler im Jahr 2026 verstärkt nutzbar sind. Wenn man mit jemandem spricht, der beim Training zugesehen hat, kommen immer zwei Dinge zur Sprache. Das eine ist Savion Hiter. Das andere ist: ‚Wow, sie lassen den Quarterback laufen. Die setzen ihren Quarterback oft als Läufer ein. Es steht außer Frage, dass sie das häufiger tun werden als im letzten Jahr. Wie viel Spielraum Beck Underwood dabei genau eingeräumt wird, bleibt abzuwarten; es hat jedoch den Anschein, als würde er nicht davor zurückschrecken, seinen RunningBack den Ball tragen zu lassen. Das passt durchaus zu Becks bisheriger Laufbahn, da er schon früh – etwa während seiner Zeit mit Brennan Armstrong in Virginia – viel Erfahrung mit mobilen Quarterbacks gesammelt hat.
Mit Underwood und Marshall verfügten die Wolverines in der vergangenen Saison über zwei echte Gefahrenherde für große Spielzüge im Laufspiel. Dieses Duo hat sich 2026 zu einem gewaltigen Trio entwickelt, dank der Ankunft von Running Back Savion Hiter. Hiter, der als zweitbester Running Back und Nummer 21 der gesamten Rekrutierungsklasse von 2026 gilt, hat in Ann Arbor schnell für Aufsehen gesorgt. Hiter ist schwer zu Boden zu bringen, seine Physis war eines der Highlights im Frühjahrstraining.
Er wirkt wie ein Spieler, der in der ersten Runde des Drafts ausgewählt wird. Hiter ist gut 1,83 Meter groß und wiegt rund 95 Kilogramm, verfügt aber dennoch über die nötige Explosivität für lange Läufe. Webb hob zudem Hiters "Geduld" hervor, die dem Freshman Vergleiche mit Le'Veon Bell einbrachte. In seinem letzten High School Jahr (2025) an der Louisa County High School verpasste Hiter zwar drei Spiele verletzungsbedingt, erlief dennoch 1440 Yards und erzielte 24 Touchdowns. Zudem wurde er in Virginia als "Gatorade Player of the Year" und "MaxPreps Player of the Year" ausgezeichnet. In einem Scouting-Bericht wird Hiter mit Omarion Hampton, dem Running Back der Los Angeles Chargers verglichen. Wenn Hiter die hohen Erwartungen aus dem Frühjahrstraining bestätigt, dürfte das Underwood und dem Passspiel die nötige Zeit verschaffen, sich einzuspielen, während das Laufspiel die Gegner regelrecht zermürbt.
Schlüter - 14.06.2026

#19 QB Bryce Underwood (Michigan Wolverines) muss sich als Sophomore noch verbessern. (© Getty Images)
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