Texas Tech bringt sich in Stellung, während die Big 12 Sanktionen gegen die Hochschule erwägt, sollte diese sich entscheiden, Quarterback Brendan Sorsby in diesem Herbst einzusetzen.
Das Büro des Generalstaatsanwalts von Texas setzte die Conference am Donnerstag förmlich in Kenntnis: In einem offiziellen Schreiben im Namen von Texas Tech wurde gewarnt, dass jeder Versuch, die Hochschule zu sanktionieren, einen direkten Verstoß gegen das Kartellrecht darstellen und die Conference einer Haftung von mehr als 200 Millionen Dollar aussetzen würde. Das Schreiben war eine direkte Reaktion auf interne Beratungen der Conference über eine Bestrafung von Tech. Zuvor hatte ein Richter am Montag eine einstweilige Verfügung gegen die NCAA erlassen, die es der Organisation untersagte, Sorsby von der Teilnahme an der kommenden Saison auszuschließen; der Spieler hatte zuvor Sportwetten eingeräumt, unter anderem auf Spiele der Indiana University während seiner Zeit als Ersatzspieler im Jahr 2022.
Das Schreiben geht konkret auf eine Satzungsbestimmung ein, die von den Verantwortlichen der Big 12 als mögliche Sanktionsgrundlage geprüft wird. Diese erlaubt es der Conference, eine Hochschule zu bestrafen, wenn eine qualifizierte Mehrheit (12 von 15 Hochschulen) feststellt, dass Texas Tech ein Verhalten an den Tag gelegt hat, das den Interessen der Conference erheblich schadet. Unterzeichnet wurde das Schreiben von den Leitern der Kartellrechtsabteilung, sowie der Abteilung für allgemeine Rechtsstreitigkeiten des Bundesstaates Texas. Die Big 12 erhielt das Schreiben kurz vor einer Sitzung ihres Exekutivkomitees, dem auch vier Universitätspräsidenten angehören. Nach der Sitzung erklärte Big-12-Commissioner Brett Yormark, dass über mögliche Maßnahmen noch beraten werde und "alle Optionen auf dem Tisch" lägen.
Im Einklang mit dem Schreiben des Generalstaatsanwalts sandte auch der renommierte Anwalt Jeffrey Kessler im Namen von Sorsby ein ähnliches Schreiben an die Big 12. Darin warnte er vor möglichen Klagen, sollte die Hochschule oder Sorsby von der Big 12 sanktioniert werden. "Was sagt es über die Big 12 aus, wenn sie beschließt, rechtswidrig gegen eine gerichtliche Anordnung zu verstoßen?", schrieb Kessler. "Welches Signal sendet sie an ihre Studierenden, wenn ihre Reaktion auf eine rechtmäßige gerichtliche Anordnung darin besteht, deren Vorgaben zu missachten? Man würde von der Conference und ihren Mitgliedshochschulen ein ehrenhafteres Verhalten erwarten." Im Hinblick auf eine mögliche Klage forderte Kessler zudem die Big 12 und ihre Mitgliedsuniversitäten auf, Dokumente im Zusammenhang mit Sorsby und der gerichtlichen Anordnung aufzubewahren. Kessler, der Anwalt, der im vergangenen Jahr erfolgreich die Einigung im milliardenschweren Fall "House gegen NCAA" ausgehandelt hatte, vertrat Sorsby bereits Anfang des Monats bei dessen erfolgreichem Antrag auf eine einstweilige Verfügung gegen die NCAA.
"Die Stimmung im Exekutivkomitee unterschied sich nicht von dem, was wir Anfang der Woche von den Sportdirektoren gehört haben", erklärte Yormark am Donnerstagnachmittag. "Unsere Beratung mit dem Gesamtgremium wird über unser weiteres Vorgehen entscheiden; alle Optionen bleiben offen."
Die Präsidenten und Kanzler der Big 12-Universitäten kommen am Montag zusammen, um die Situation um Sorsby zu erörtern. Eine endgültige Entscheidung wird für Montag nicht erwartet; das Treffen dürfte jedoch Aufschluss darüber geben, welche Optionen der Big 12 in naher Zukunft offen stehen.
Hintergrund der juristischen Eskalation vom Donnerstag ist eine Entwicklung, die sich seit Montag rasant zugespitzt hat: Ein Richter hatte Sorsby per vierseitiger Anordnung eine Spielberechtigung zugesprochen – unter anderem, damit er eine fundierte Entscheidung über seine NFL-Zukunft treffen kann. Sorsby hatte eingeräumt, über einen Zeitraum von vier Jahren Tausende von Wetten platziert zu haben, darunter auch mehrere auf das eigene Team während seiner Zeit als "Redshirt"-Spieler bei Indiana. Gemäß der Anordnung wird er die ersten beiden Spiele gegen Abilene Christian und Oregon State aussetzen, bevor er zum Big 12 Auftaktspiel am 18. September gegen Houston zurückkehrt.
Kirby Hocutt, der Sportdirektor von Texas Tech, verteidigte am Mittwoch den Standpunkt des Programms und wies Kritik zurück, die die Integrität der Universität infrage stellte. "Texas Tech ist keine Partei in Brendans Klage", erklärte Hocutt. "Wir haben sie weder eingereicht noch finanziert. Ein junger Mann, der sich wegen einer klinisch diagnostizierten Sucht in Behandlung befand, nahm sein Recht wahr, gerichtlich gegen seine Situation vorzugehen, und ein Richter gab ihm recht. Unsere Aufgabe bestand darin, seine Genesung zu unterstützen, nicht seine Spielberechtigung zu erzwingen." Hocutt fügte hinzu: "In den letzten 48 Stunden ist oft vom Begriff ‚Integrität‘ die Rede gewesen. Meiner Meinung nach ist Integrität jedoch in mehrfacher Hinsicht gefragt. Die Integrität des Sports ist wichtig. Ebenso wichtig ist jedoch die Integrität im Umgang mit einem 22-Jährigen, der sich Hilfe gesucht und in stationäre Behandlung begeben hat und täglich an seiner Genesung arbeitet." Die Reaktion darauf ließ nicht lange auf sich warten und fiel heftig aus. Die Sportabteilungen von Georgia und Nebraska erklärten, Texas Tech künftig nicht mehr in den Spielplan aufzunehmen.
Im Mittelpunkt steht ferner Cody Campbell, der Vorsitzende des Verwaltungsrats (Board of Regents) von Texas Tech. Als milliardenschwerer Geldgeber hat er sowohl in den Kader der "Red Raiders" investiert als auch in den "Protect College Sports Act" – ein Gesetzesvorhaben, das im US-Kongress bereits auf Widerstand der Big Ten und der SEC stößt. Die Causa Sorsby hat dieses politische Kalkül weiter verkompliziert und könnte dazu führen, dass Texas Tech und Campbell zu Gegnern genau jener Conferences werden, auf deren Unterstützung der Gesetzentwurf für sein Überleben angewiesen ist.
Die Big 12 steckt nun in einer Zwickmühle: Entweder sie verhängt Sanktionen gegen Texas Tech und setzt sich damit den rechtlichen Risiken aus, auf die die Generalstaatsanwaltschaft am Donnerstag schriftlich hingewiesen hat, oder sie verzichtet darauf, zieht sich den Zorn aller anderen Sportdirektoren der Conference zu und riskiert weitreichende Folgen für eine Sportart, die sich ohnehin schon fragt, ob grundlegende Regeln überhaupt noch eine Bedeutung haben.
Schlüter - 12.06.2026

Ken Paxton Generalstaatsanwalt des US-Bundesstaates Texas (© Büro des Generalstaatsanwaltes von Texas)
Leser-Bewertung dieses Beitrags: