Die Offseason im College Football war noch nie ruhig und 2026 bildet da keine Ausnahme – auch wenn die Gründe dafür für manche vielleicht nicht sonderlich aufregend sind. Trotz der vielen Diskussionen über die Erweiterung der College Football Playoffs und staatliche Eingriffe in die Zukunft des Sports mangelt es nicht an Gesprächsstoff rund um die Teams selbst.
Die nachfolgend genannten Teams sind solche, an denen man in diesem Sommer einfach nicht vorbeikommt. Es handelt sich nicht nur um eine Aufzählung der Favoriten auf die nationale Meisterschaft, sondern auch um einige Außenseiter und Überraschungskandidaten. Natürlich können viel Aufsehen und hohe Erwartungen ebenso sehr eine Last wie ein Vorteil sein. Der Schwung aus der Offseason führt nicht zwangsläufig zu Erfolgen im Herbst. Es geht es vor allem um das "gute Gefühl" – die Stimmung im Team. Und genau hier haben diese Mannschaften Anfang Juni die Nase vorn.
LSU
Der "Lane Train" ist ein beherrschendes Thema im College Football, seitdem Lane Kiffin Oxford in Richtung Baton Rouge verlassen hat und LSU hat die damit einhergehende Aufmerksamkeit voll und ganz angenommen. Doch so sehr Kiffin es auch genießt, im Mittelpunkt zu stehen: Er hat den Hype mit dem wohl beeindruckendsten Kaderumbau der Offseason untermauert. LSU stellte die landesweit beste Transfer-Portal-Klasse zusammen; zu den Top-Neuzugängen zählen der ehemalige Quarterback von Arizona State, Sam Leavitt, der ehemalige Offensive Tackle von Colorado, Jordan Seaton, und der ehemalige Edge Rusher von Ole Miss, Princewill Umanmielen. Die Tigers verstärkten sich auf praktisch allen Positionen und verwandelten ein eigentlich als Übergangsjahr geplantes Jahr in eine Saison, in der berechtigte Hoffnungen auf die College Football Playoffs bestehen.
Texas
Die Longhorns verfügen über einen hochkarätig besetzten Kader, der Arch Manning in seiner voraussichtlich letzten Saison vor der NFL-Draft unterstützen soll. Nachdem man 2025 hinter den Erwartungen zurückgeblieben war, ging Texas die Offseason mit der Entschlossenheit eines Programms an, das glaubt, sein Meisterschaftsfenster stehe weit offen. Manning kehrt zurück, nachdem er in der Schlussphase der letzten Saison deutliche Fortschritte gezeigt hat. Um ihn herum versammelt sich einer der tiefsten Kader im College Football, ergänzt durch wirkungsvolle Neuzugänge über das Transfer-Portal und erstklassige Talente auf beiden Seiten des Balls. Das Selbstvertrauen innerhalb des Programms ist unübersehbar. Steve Sarkisian hat sich weder gescheut, zu den wichtigsten Themen des College Footballs Stellung zu beziehen, noch hat er Gelegenheiten ausgelassen, gegen die Rivalen aus West-Texas zu sticheln. Vor allem aber klingt er wie ein Trainer, der aufrichtig daran glaubt, dass dies sein bisher komplettestes Team sein könnte.
Notre Dame
Notre Dame fühlte sich ungerecht behandelt, nachdem man im letzten Jahr nicht für die College Football Playoffs berücksichtigt worden war – trotz einer Bilanz, die viele für ausreichend hielten. Diese gefühlte Zurücksetzung hat in South Bend eine Mentalität der Revanche geschürt und dazu beigetragen, dass die Fighting Irish zu einem der großen Themen der Offseason wurden. Der Hype beginnt bei Quarterback CJ Carr, der als ein Favorit auf die Auszeichnung als Notre Dames erster Heisman Trophy Gewinner seit Tim Brown (1987) in die Saison 2026 startet. Der Optimismus stützt sich auch auf Erfahrungswerte. Notre Dame führt die FBS bei den zurückkehrenden Spielanteilen ("Snaps", 66 Prozent) an und belegt landesweit den geteilten zweiten Platz bei der Anzahl der zurückkehrenden Stammspieler (14). Kombiniert man diese Kontinuität mit einem Spielplan, der unter den Top-Anwärtern als einer der machbarsten gilt, ist leicht zu verstehen, warum so viel über einen möglichen tiefen Playoff-Lauf gesprochen wird.
USC
USC zieht so viel Aufmerksamkeit auf sich wie kaum ein anderes Programm westlich der Rocky Mountains – angetrieben von der Erwartung, dass die Recruiting-Klasse auf Platz 1 sofort einsatzbereit sein wird. Zwar gibt es reichlich bewährte Leistungsträger – darunter mehr zurückkehrende Stammspieler (15) als bei jedem anderen FBS-Team, doch setzen die Trojans auch auf eine Welle von Talenten aus dem ersten Jahrgang, um wichtige Lücken zu schließen und das Gesamtpotenzial des Kaders zu steigern. Auch Quarterback Jayden Maiava ist zu einer zentralen Figur der Diskussion geworden, wenngleich er bei der Vergabe der Heisman Trophy bei Weitem nicht die Aufmerksamkeit erhält, die er eigentlich verdient. Dennoch dreht sich der Großteil des Gesprächsstoffs rund um USC letztlich um Lincoln Riley; dabei geht es vor allem um die Frage, ob er das Programm zum ersten Mal in die College Football Playoffs führen kann.
Indiana
Diese Liste wäre unvollständig ohne den amtierenden nationalen Meister. Obwohl die Hoosiers im April in keiner der Prognosen auftauchten, sorgen sie landesweit für reichlich Gesprächsstoff. Irgendwann muss man aufhören, an Curt Cignetti und dem zu zweifeln, was er in so kurzer Zeit in Bloomington aufgebaut hat. Fernando Mendoza hat sich verabschiedet, nachdem er als Nummer-1-Pick zu den Las Vegas Raiders gewechselt war. An seine Stelle tritt der von der TCU gekommene Josh Hoover. Wenn er sich schnell einfindet und die Ballverlust-Probleme in den Griff bekommt, die zeitweise in Fort Worth auftraten, hat er die Chance, den Leistungsabfall auf der Quarterback-Position in Grenzen zu halten.
Miami
Den Hurricanes fehlte nur ein einziger Spielzug zur ersten nationalen Meisterschaft seit zwei Jahrzehnten – ein knappes Scheitern, das die Erwartungen für 2026 nur noch weiter in die Höhe geschraubt hat. Mario Cristobal lässt nicht zu, dass Miami in der Versenkung verschwindet; das Programm darf sich auch in diesem Herbst berechtigte Hoffnungen auf den Titel machen. Eine Zeit lang sah es so aus, als hätte Miami ein großes Problem auf der Quarterback-Position, bis man sich Darian Mensah von Duke sicherte. Die Offensive Line ist zwar talentiert, aber noch relativ unerfahren und zwei wichtige Stützen einer der besten Pass Rush Einheiten des Landes sind weg – das schafft echte Schwachstellen auf beiden Seiten des Balls. Dennoch gehen die Hurricanes als klarer Favorit der ACC in die Saison und streben ihre erste Conference-Meisterschaft seit dem Beitritt zur ACC im Jahr 2004 an.
Florida
Bleiben wir im "Sunshine State", wo im "Swamp" Aufbruchstimmung unter dem neuen Trainer herrscht. Jon Sumrall kommt mit einer beeindruckenden Erfolgsbilanz nach Gainesville; er kann eine Karrierebilanz von 43 Siegen bei 12 Niederlagen vorweisen, einschließlich der Teilnahme an den College Football Playoffs in der vergangenen Saison. Florida konnte einige Talente aus den Rekrutierungsjahrgängen des vorherigen Trainerstabs halten, doch nun liegt es an Sumrall, mehr aus einem Kader herauszuholen, der gemessen an seinem Talentpotenzial bisher unter den Erwartungen geblieben ist. Der Kampf um die Quarterback Position ist noch offen: Aaron Philo (von Georgia Tech) und Redshirt-Freshman Tramell Jones Jr. konkurrieren vor Saisonbeginn um den Startplatz. Florida braucht jemanden, der sich früh im Herbst-Trainingslager durchsetzt. Dennoch herrscht im Umfeld des Programms echter Optimismus, nachdem Florida den Sprung in die Top 25 der "CBS Sports 138"-Rangliste geschafft hat – ein Sprung um 36 Plätze im Vergleich zum Saisonende des Vorjahres.
Ole Miss
Wir haben Lane Kiffins Abschied von Ole Miss bereits zu Beginn dieser Liste erwähnt; und auch wenn diese Trennung für viel Aufsehen sorgte, haben die Rebels in der Offseason selbst für Schlagzeilen gesorgt. Trinidad Chambliss gewann seinen Rechtsstreit gegen die NCAA um ein zusätzliches Jahr Spielberechtigung, womit einer der aufregendsten Spielmacher des Landes zurückkehrt. Während mehr als ein halbes Dutzend Assistenztrainer Kiffin zu LSU folgten, wechselten letztlich nur vier Spieler dorthin – was den Aderlass im Kader geringer hielt, als viele erwartet hatten. Die Ära Pete Golding beginnt offiziell nach einer starken Vorstellung in den College Football Playoffs, in denen man mit zwei Siegen bis in das Halbfinale vorstieß. Nun gilt es, diesen Schwung beizubehalten.
Oregon
Dies muss doch das Jahr sein, in dem Oregon endlich den Durchbruch schafft und die erste nationale Meisterschaft gewinnt ... oder? Die Ducks scheiterten in den letzten beiden Spielzeiten jeweils in den Playoffs am späteren nationalen Meister, und es herrscht das Gefühl, dass sich 2026 etwas ändern muss. Der Schwung für einen erneuten Titelanlauf setzte früh ein, als Dante Moore auf eine Teilnahme an der NFL-Draft 2026 verzichtete, um für ein weiteres Jahr nach Eugene zurückzukehren. Zudem kehren dreizehn weitere Stammspieler zurück, darunter acht aus einer Defensive, die landesweit den sechsten Platz bei den zugelassenen Yards pro Spielzug (4,4) und den zwölften Platz bei den zugelassenen Punkten pro Spiel (17,9) belegte. Die größte Frage ist jedoch struktureller Natur, da Oregon beide Koordinatoren ersetzen musste, nachdem diese für Head Coach Posten an andere Orte gewechselt waren.
Virginia Tech
Man könnte argumentieren, dass kein Trainerwechsel die Entwicklung eines Programms stärker verändert hat als die Ankunft von James Franklin bei Virginia Tech. Die Auswirkungen waren fast unmittelbar spürbar: Es gab einen deutlichen Aufschwung bei der Spielerrekrutierung und mehrere spektakuläre Wechselentscheidungen, darunter einige Spieler, die sich zuvor bereits für Penn State entschieden hatten, ihm dann aber nach Blacksburg folgten. Die Hokies schlossen den Rekrutierungszyklus 2026 mit einer Klasse ab, die landesweit zu den Top 30 der High School Talente zählte und rangieren für 2027 bereits unter den Top 10. Dieser Aufschwung bei der Spielerverpflichtung geht mit einer massiven Investitionsoffensive einher – allen voran eine in der vergangenen Woche bekanntgegebene Rekordspende in Höhe von 75 Millionen Dollar, die größtenteils dem Sportprogramm zugutekommt. Franklin bringt zudem eine der konstantesten Erfolgsbilanzen des Sports mit: Unter den 26 aktuellen Head Coaches der "Power Four"-Conferences, die mindestens zehn Jahre Erfahrung in der FBS vorweisen können, belegt er mit einer Siegquote von 68,1 Prozent den vierten Platz. Der Wechsel in die ACC bringt im Vergleich zur Big Ten eine andere Art der wöchentlichen Belastung mit sich; in Blacksburg ist man jedoch überzeugt, dass Franklin Virginia Tech als "schlafenden Riesen" positionieren kann, der nun endlich den Durchbruch schaffen wird.
Schlüter - 10.06.2026

Head Coach Pete Golding (Ole Miss Rebels) will noch mehr Pokale für Ole Miss gewinnen. (© Getty Images)
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