Die Zukunft des US-Hochschulsports ist äußerst ungewiss und der US-Kongress versucht, mit einem Bundesgesetz einzugreifen. Senator Ted Cruz (Republikaner, Texas) und Senatorin Maria Cantwell (Demokratin, Washington) brachten letzte Woche den "Protect College Sports Act" ein. Einige prominente Persönlichkeiten aus dem Hochschulsport erschienen am Mittwoch in einer Anhörung des Handelsausschusses des US-Senats, um ihre Unterstützung für den Gesetzentwurf zu bekunden.
Das parteiübergreifende Gesetz sieht verschiedene Maßnahmen vor, um die chaotischen Zustände im Hochschulsport – insbesondere im Football und Basketball – zu verbessern und gleichzeitig den olympischen Sport und den Frauensport zu erhalten. Eine der wichtigsten Maßnahmen wäre die Gewährung eines begrenzten Kartellrechtsschutzes für die NCAA, damit diese eigene, durchsetzbare Regeln und Vorschriften zu Themen wie Spielberechtigung und Transferbestimmungen erlassen kann.
Der "Protect College Sports Act" umfasst im Wesentlichen folgende Themen:
Ein einheitliches nationales Gesetz zu Namens-, Bild- und Ähnlichkeitsrechten (NIL-Gesetz), das die Regelungen der einzelnen Bundesstaaten außer Kraft setzt.
Ausweitung des Kartellrechtsschutzes für die NCAA und die Konferenzen.
Einführung bundesweiter Aufsichts- und Offenlegungspflichten für NIL-Verträge.
Verschärfte Regulierung von Sponsoren, Verbänden und Spielerberatern.
Überprüfung von NIL-Verträgen auf ihren "Marktwert" durch Aufsichtsbehörden.
Mehr Befugnisse für die zuständigen Gremien in Bezug auf Transferregeln und unerlaubte Kontaktaufnahme.
Verpflichtung der Hochschulen zu bestimmten Gesundheits-, Sicherheits- und akademischen Schutzmaßnahmen für Athleten.
Beschränkung bestimmter Trainerwechsel und -einstellungen während der Saison.
Verankerung der nach dem Vergleich House vs. NCAA getroffenen Vereinbarung im Bundesrecht.
Stärkung der Durchsetzungsbefugnisse der NCAA hinsichtlich Vergütungs- und Zulassungsregeln.
Am Mittwoch erschienen der ehemalige Alabama Head Coach Nick Saban, der Sportdirektor von Notre Dame, Pete Bevacqua, der ehemalige Präsident von Ohio State und West Virginia, Gordon Gee, Pac-12 Commissioner Teresa Gould und der Footballspieler von Utah, Lance Holtzclaw vor dem Senat. Der Handelsausschuss hatte sie als Zeugen eingeladen. Im Laufe von drei Stunden sprachen die fünf Zeugen über die aktuellen Probleme im College Sport und gaben ihre Einschätzung zu deren Lösung ab. Zu den wichtigsten Themen gehörten die Eindämmung des Bieterwettbewerbs zwischen NIL-Kollektiven, die Regulierung von Spielerberatern, die Bündelung von Medienrechten und der Erhalt des olympischen und des Frauensports.
Saban war 33 Jahre lang College Football Trainer und ging nach der Saison 2023 in den Ruhestand, als die Kaderbudgets gerade begann zu explodierten. Er erläuterte, wie die Kosten für Alabamas Kader gestiegen sind, seit die Bezahlung von Spielern erlaubt ist.
"In meinem ersten Jahr hatten wir in Alabama ein Kollektiv, das 2,7 Millionen Dollar kostete", sagte Saban. "Nächstes Jahr 7 Millionen Dollar. Nächstes Jahr 10 Millionen US-Dollar. Dann bin ich in Rente gegangen. Mittlerweile gibt es Universitäten mit Kaderkosten von fast 40 Millionen Dollar." Saban bezeichnete den Wettstreit zwischen den Sportabteilungen als "Wettlauf nach unten" und argumentierte: "Wer nicht investiert, um zu gewinnen, verliert seine Fans, seine Einnahmen und die Konkurrenz in anderen Sportarten." Saban und Bevacqua sprachen sich beide dafür aus, den Einfluss einzelner Sponsoren zu begrenzen, die mit hohen Summen Kader finanzieren, um die Umsatzbeteiligungsobergrenze zu umgehen.
Bevacqua erklärte, die im Vergleich festgelegte Umsatzbeteiligungsobergrenze sei "zu niedrig". Er forderte eine höhere Obergrenze, da dies den Universitäten ermöglichen würde, ihre Kader selbst zu finanzieren und weniger auf externe Spielerverträge angewiesen zu sein. "Wir brauchen eine realistischere Obergrenze", sagte Bevacqua. "Es herrscht der Irrglaube, es gäbe eine Obergrenze. Eine solche gibt es nicht. Es gibt zwar eine durch den Vergleich festgelegte Obergrenze, aber zusätzlich bestehen Möglichkeiten für die Nutzung der Namens-, Bild- und Ähnlichkeitsrechte (NIL) durch Dritte. Ich sehe es als eine Gleichung, bei der ‚X‘ die Obergrenze und ‚Y‘ der NIL-Bereich ist, was den Gesamtausgaben für Vergütungen entspricht. Je mehr Geld in die Obergrenze fließt und von den Universitäten auf absolut transparente Weise direkt gezahlt wird, desto besser wird das System funktionieren."
Bemerkenswert ist, dass der "Protect College Sports Act" einen Plan zur Regulierung von Spielerverträgen vorsieht, die von Spielergewerkschaften ausgehandelt werden, und die Überprüfung aller NIL-Verträge auf ihren "fairen Marktwert" ermöglicht. Er befasst sich jedoch nicht mit den explodierenden Trainergehältern und Abfindungen. Das Duo Bevacqua und Saban sprach sich außerdem vehement für strengere Regulierungen für Spielerberater im College Bereich aus – mit dem Ziel, die Standards an die der Profiligen anzugleichen.
Saban sprach sich zwar für eine Obergrenze für Agentenprovisionen aus, führte aber Fälle an, in denen Agenten von College Football Spielern das Vier- bis Sechsfache ihrer Kollegen in der NFL kassierten. Bevacqua, der sich für eine registrierte Datenbank für Agenten aussprach, bekräftigte diese Ansicht und sagte, dass Teenager, die noch nie mit einem Agenten verhandelt hat, keine Ahnung haben können, wie ein fairer Vertrag aussieht. "Junge Männer und Frauen – 17 und 18 Jahre alt – sind es nicht gewohnt, mit Agenten zu verhandeln oder eine angemessene Provision zu zahlen. Sie werden landesweit ausgenutzt", sagte Bevacqua. "Wir brauchen eine Datenbank oder ein Register für diese Agenten und eine Obergrenze für ihre Provisionen, um sicherzustellen, dass diese studentischen Athleten nicht ausgenutzt werden."
Gee, der als Präsident oder Kanzler an fünf verschiedenen Universitäten tätig war, äußerte sich sehr deutlich darüber, wie es zur aktuellen Situation im College Sport gekommen ist. Er gab den Conferences einen Großteil der Schuld, da sie den College Sport seiner Meinung nach als gewinnorientiertes Produkt betrachten. "Ich denke, wir haben den Commissioners zu viel Macht gegeben", sagte Gee. "Sie haben eine sehr eingeschränkte Vorstellung davon, worum es ihnen eigentlich gehen sollte. Das Wort ‚Student‘ kommt in ihrem Wortschatz nicht vor. Das Wort ‚Sportler‘ hingegen schon – und das Wort ‚Geld‘. Dieses Problem müssen wir angehen. ... Was ich damit sagen will: Ich denke, die Universitätspräsidenten müssen sich dieses Themas annehmen." Angesichts der explodierenden Kosten für den Betrieb einer Sportabteilung sorgt sich Gee um die finanzielle Zukunft von Colleges und Universitäten im Allgemeinen. In seiner schriftlichen Aussage wies Gee darauf hin, dass der Hochschulsport insgesamt im Jahr 2026 voraussichtlich 5 Milliarden US-Dollar Verlust machen wird. In der Hoffnung, einen Teil dieses Geldes zurückzugewinnen, sagte Gee, dass die kartellrechtlichen Bestimmungen des "Protect College Sports Act" es den Conferences ermöglichen könnten, ihre Medienrechte – ähnlich wie die großen Profiligen – zu bündeln, um so den "Kuchen" zu vergrößern, aus dem alle Universitäten Einnahmen generieren können. "Die eigentliche Voraussetzung für eine Ausnahme vom Kartellrecht ist, dass wir unsere (Medien-)Rechte gemeinsam nutzen können", sagte Gee. "Wie ich bereits sagte, geht es im Kern darum, den Markt zu vergrößern. Damit meine ich, ganz offen gesagt, das zu tun, was in der NBA, der NFL und anderen Ligen geschehen ist. Das ist die wichtigste Ausnahme im Kartellrecht."
Gould, dessen Pac-12 Conference vor dem Neustart in diesem Sommer fast vollständig zusammengebrochen war, sagte, der finanzielle Druck habe die Entscheidungsträger dazu gebracht, das Wohl der studentischen Athleten zu vernachlässigen. "Ich habe unter anderem gelernt, was passieren kann, wenn man das Wohl der studentischen Athleten nicht im Mittelpunkt seiner Entscheidungen stellt", sagte Gould. "Was sich nicht nur in der Pac-12, sondern auch bei vielen anderen Konferenzumstrukturierungen und -änderungen in unserem System gezeigt hat, ist, dass das Wohl der studentischen Athleten aufgrund des wirtschaftlichen Drucks, mit dem wir zu kämpfen haben, nicht mehr im Mittelpunkt steht."
Eines der Themen, die Cantwell und mehrere Zeugen ansprachen, war der Niedergang des olympischen und Frauensports. Da Universitäten immer mehr Geld für gewinnbringende Sportarten ausgeben, werden kleinere, nicht gewinnbringende Programme gestrichen.
In ihrer schriftlichen Aussage erklärte Gould, dass diese Programme vor besonderen Herausforderungen stünden, da sie mit immer kleineren Budgets auskommen müssten. Zudem hätten große Universitäten in den Power-Conferences einen klaren Vorteil bei der Finanzierung und dem Erhalt dieser nicht gewinnbringenden Sportarten. "Der finanzielle Druck wächst stetig, da die Schulden der Sportabteilungen steigen, während der olympische und der Frauensport unverhältnismäßigen Risiken ausgesetzt sind, da die Hochschulen nach Wegen suchen, die steigenden Kosten zu bewältigen. Die zunehmenden strukturellen und finanziellen Vorteile autonomer Conferences benachteiligen zudem Hochschulen, die weiterhin stark in breit angelegte Sportprogramme investieren und auf hohem Niveau konkurrieren wollen."
Bevacqua teilte Goulds Bedenken und schlug eine mögliche Lösung vor. Sollte die NCAA eine höhere Obergrenze für die Einnahmenbeteiligung einführen, könnte eine Bestimmung die Universitäten verpflichten, in olympische und Frauensportarten zu investieren. "Wenn Universitäten die Obergrenze überschreiten, könnte man eine Art Subvention in Höhe eines bestimmten Prozentsatzes – vielleicht 20 oder 25 Cent pro Dollar – einführen, der in olympische und Frauensportarten reinvestiert werden muss", sagte Bevacqua.
Während zahlreiche Persönlichkeiten innerhalb und außerhalb des Hochschulsports den "Protect College Sports Act" unterstützen, weigern sich zwei der einflussreichsten Akteure, sich ihm – zumindest vorerst – anzuschließen. Weniger als 24 Stunden vor der Anhörung des Handelsausschusses des Senats veröffentlichten die SEC und die Big Ten eine gemeinsame Erklärung gegen den Gesetzentwurf. Die Conferences argumentierten, der Gesetzentwurf würde die Flexibilität einschränken, indem er dem US-Kongress mehr Entscheidungsmacht einräumt, die Anzahl von Rechtsstreitigkeiten erhöhen und das bestehende Modell der Einnahmenbeteiligung schädigen.
Schlüter - 04.06.2026

Pete Bevacqua sagte vor dem US-Handelsausschuß des US-Senats aus. (© Getty Images)
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