Rhein Fire ist mit einem deutlichen 43:6 Heimsieg gegen die London Warriors in die erste Saison der American Football League Europe gestartet. Vor 4.886 Zuschauern in der Duisburger Schauinsland Reisen Arena ließ das Team von Head Coach Mark Ridgley am Ende keine Zweifel an seiner Favoritenrolle aufkommen. Sportlich war der Auftakt ein klares Statement, zuschauertechnisch dürfte sich Rhein Fire den Start in die neue Liga allerdings anders vorgestellt haben. Die Kulisse bedeutete nach bisherigen Maßstäben einen massiven Rückgang und lag deutlich unter den Zahlen, die man aus den vergangenen Jahren gewohnt war. Auf dem Feld dagegen war der Sieg nie ernsthaft gefährdet. London hielt nur zu Beginn defensiv dagegen, danach übernahm Fire komplett die Kontrolle.
Im ersten Viertel brauchte Rhein Fire zunächst etwas Zeit, um offensiv in die Partie zu finden. London verteidigte die ersten Drives durchaus ordentlich und hielt die Gastgeber zunächst aus der Endzone. Sebastian Van Santen brachte Fire mit einem Field Goal aus 30 Yards mit 3:0 in Führung, wenig später stoppte die Londoner Defense einen weiteren Drive direkt an der Goal Line per Turnover on Downs. Für einen kurzen Moment sah es so aus, als könnten die Warriors das Spiel defensiv unangenehm gestalten. Doch direkt im Anschluss kippte die Partie vollständig. Aus der eigenen Endzone heraus verlor London Raum, Uriah Higgins wurde von Marius Kensy in der Endzone gestoppt, Safety für Rhein Fire und 5:0. Nur wenige Sekunden später folgte der erste große offensive Schlag. Kenji Bahar fand Kaylon Geiger über 50 Yards zum Touchdown, Van Santen verwandelte sicher und Fire führte nach dem ersten Viertel bereits mit 12:0.
Im zweiten Viertel wurde aus der kontrollierten Führung eine Machtdemonstration. Die London Warriors verloren zunehmend die Struktur, leisteten sich Fehler und konnten den Druck der Fire Defense kaum noch aufnehmen. Marius Kensy setzte seine starke Partie fort und fing einen Pass von Karé Lyles ab, nachdem der Londoner Quarterback den Linebacker offenbar völlig übersah. Rhein Fire nutzte die kurze Feldposition konsequent. Bahar bediente erneut Geiger, diesmal über acht Yards, zum nächsten Touchdown. Wenig später sorgte ein weiterer Fehler im Special Team der Warriors für die nächste kurze Feldposition. Jonathan Scott brachte den Ball bis kurz vor die Endzone, ehe Bahar selbst per Sneak zum 26:0 erhöhte. Kurz vor der Halbzeit setzte Fire noch einen drauf. Bahar fand Harlan Kwofie aus kurzer Distanz in der Endzone, nachdem Kwofie zuvor bereits mit einem spektakulären Catch für ein Highlight gesorgt hatte. Zur Pause stand es 33:0 und die Partie war faktisch entschieden.
Im dritten Viertel änderte sich am Bild wenig. Rhein Fire kontrollierte das Spiel weiter über die Line of Scrimmage, das Laufspiel und eine Defense, die London kaum Luft zum Atmen ließ. Van Santen traf zusätzlich ein starkes Field Goal aus 55 Yards zum 36:0 und unterstrich damit, dass bei Fire auch die Special Teams funktionierten. Danach übernahm Jonathan Scott weiter das Spiel am Boden. Der Running Back war über die gesamte Partie hinweg einer der auffälligsten Spieler, sammelte 135 Rushing Yards bei 21 Läufen und krönte seine Leistung mit einem Touchdown über zwei Yards zum 43:0. Zu diesem Zeitpunkt konnte Rhein Fire bereits beginnen, Kräfte zu schonen. Ende des dritten Viertels und zu Beginn des Schlussabschnitts kamen immer mehr Backups auf das Feld, darunter auch Tom Wolf auf der Quarterback Position. Für die AFLE war das sportlich einerseits ein Beleg für die Tiefe und Klasse von Rhein Fire, andererseits aber auch ein früher Hinweis darauf, dass einige Partien der neuen Liga bereits vor dem letzten Viertel entschieden sein könnten.
Das Schlussviertel wurde dann deutlich wilder, ohne dass Rhein Fire noch ernsthaft in Gefahr geriet. Bahar hatte bereits Feierabend, mehrere Starter wurden geschont und Wolf übernahm die Offense. Er war vor allem dafür da, den Ball an die Running Backs zu übergeben, leistete sich bei einem seiner wenigen Passversuche allerdings eine Interception, die Emmanuelle Falola bis tief in die Fire Hälfte zurücktrug. London nutzte diese Chance schließlich zum einzigen Touchdown des Spiels. Karé Lyles fand Joe Hamilton über neun Yards in der Endzone, die anschließende Two Point Conversion misslang. Damit stellten die Warriors den Endstand von 43:6 her. Zuvor hatte London offensiv über weite Strecken kaum Zugriff auf das Spiel gefunden. Lyles brachte 12 seiner 23 Pässe für 102 Yards, einen Touchdown und zwei Interceptions an. Die Warriors kamen insgesamt nur auf 169 Total Yards und leisteten sich vier Turnover.
Bei Rhein Fire überzeugten vor allem die bekannten Leistungsträger. Kenji Bahar spielte effizient, brachte 15 seiner 21 Pässe für 222 Yards und drei Touchdowns an und blieb ohne Interception. Kaylon Geiger war mit fünf Catches für 88 Yards und zwei Touchdowns der gefährlichste Receiver, Harlan Kwofie steuerte drei Receptions für 51 Yards und einen Touchdown bei. Jonathan Scott dominierte am Boden und gab der Offense früh die nötige Balance. Defensiv ragte Marius Kensy heraus. Der deutsche Linebacker sammelte neun Tackles, eine Interception, eine Passverteidigung, einen Tackle for Loss und war zudem entscheidend am Safety beteiligt. Auch Till Janssen trug sich mit einer Interception in die Statistik ein.
Für London war es nach der Niederlage gegen Wroclaw bereits der zweite schwierige Auftritt zum Start in die Saison. Die Warriors zeigten zu Beginn zwar defensive Gegenwehr, konnten das Niveau aber nicht über vier Viertel halten. Zu viele Turnover, Strafen und Abstimmungsfehler machten es unmöglich, Rhein Fire ernsthaft unter Druck zu setzen. Fire dagegen bestätigte direkt zum Auftakt seinen Anspruch, in der ersten AFLE Saison zu den großen Favoriten zu gehören. Der Sieg war deutlich, souverän und spätestens zur Halbzeit entschieden. Gleichzeitig bleibt der Blick auf die Kulisse bemerkenswert. 4.886 Zuschauer sorgten zwar weiterhin für Stimmung, bedeuteten für Rhein Fire aber einen ernüchternden Start in die neue Liga. Sportlich war es ein Kantersieg, organisatorisch und zuschauertechnisch dürfte man sich in der AFLE dennoch mehr erhofft haben. Die nächste Aufgabe wird deutlich anspruchsvoller: Am kommenden Wochenende reist Rhein Fire zu den Vienna Vikings, die ebenfalls als einer der großen Titelkandidaten gelten.
Foot Bowl - 31.05.2026

Jonathan Scott (Running Back) – Rhein Fire (© Foot Bowl/Christopher Mettken)
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