Der lang ersehnte erste Heimspieltag in der höchste deutschen Spielklasse endete für die Pforzheim Wilddogs mit einer bitteren Pille. Vor heimischer Kulisse in der Kramski-Arena unterlagen die Gastgeber den Berlin Rebels knapp mit 17:23. In einer von der Defense geprägten und von Fehlern durchzogenen Partie machten sich die Goldstädter das Leben letztlich selbst schwer. Trotz einer frühen Führung schafften es die Wilddogs nicht, den Sack zuzumachen, und bescherten den Gästen aus der Hauptstadt den ersten Saisonsieg.
Das Spiel begann vielversprechend für die Gastgeber. Nach gewonnenem Münzwurf der Berliner durfte die Wilddogs-Offensive zuerst auf das Feld. Das Laufspiel über Quarterback Dre Harris funktionierte von Beginn an prächtig und überwand schnell Raummeter. Doch schon im ersten Drive deutete sich das spätere Dilemma an: Ein Field-Goal-Versuch segelte links am Gestänge vorbei.
Die Pforzheimer Verteidigung stand jedoch wie eine Wand und schickte Berlin postwendend wieder vom Feld. Zwar stockte das Passspiel der Wilddogs im darauffolgenden Drive noch sichtlich, dennoch zündete der erste Geniestreich: Ein präziser Touchdown-Pass auf Luca Faschian brachte die verdiente 7:0-Führung. Als Berlin direkt beim anschließenden Return den Ball fumbelte und die Wilddogs das Leder tief in der gegnerischen Hälfte sicherten, kochte die Arena.
Zwar bissen sich die Wilddogs an der bärenstarken Red-Zone-Defense der Rebels die Zähne aus, bauten die Führung durch ein erfolgreiches Field Goal jedoch auf 10:0 aus. Was im zweiten Spielviertel folgte, stellte den bisherigen Spielverlauf auf den Kopf. Berlin fand zwar weiter offensiv kaum Mittel und musste nach nur einem First Down erneut punten. Doch die Pforzheimer Special Teams erlebten kurz darauf einen Albtraum: Ein völlig überzogener, zu hoher Snap beim eigenen Punt-Versuch mutierte zum Chaos-Play – Berlin sicherte den freien Ball direkt in der Pforzheimer Endzone zum Anschluss.
Der Schock saß tief. Nur zwei Spielzüge später leistete sich die Wilddogs-Offensive eine folgenschwere Interception. Berlin fackelte nicht lange und drückte den Ball von der 9-Yard-Linie zur 14:10-Gästeführung über die Linie. Die Wilddogs agierten fortan glücklos. Zu allem Überfluss hielten Fouls der Defense der Hausherren den letzten Berliner Drive vor der Pause am Leben. Mit dem Pausenpfiff verwandelten die Rebels ein Field Goal zum 17:10.
In der zweiten Hälfte entwickelte sich die Partie erst recht zu einer defensivlastigen Angelegenheit. Pforzheim hielt auf Augenhöhe mit, doch zum Sieg hätte es ein wenig mehr sein müssen. Keines der beiden Teams schaffte es, dem Spiel dauerhaft seinen Stempel aufzudrücken. Berlin rollte zwar phasenweise methodisch über das Feld, doch die Wilddogs-Defense stemmte sich mit aller Kraft dagegen. Auf der Gegenseite fand die Pforzheimer Angriffsformation jedoch keinen Rhythmus. Ein weiterer Touchdown der Berliner zum 23:10 - wieder begünstigt durch folgenschwere gelbe Flaggen gegen die Wilddogs – schien im dritten Viertel die Vorentscheidung zu sein.
Im Schlussviertel keimte aber noch einmal Hoffnung für Pforzheim auf. Sieben Minuten vor dem Ende klickte die Wilddogs-Offensive wieder. Doch der Drive verhungerte an der gegnerischen 4-Yard-Linie im vierten Versuch. Zwar stoppte die Wilddogs-Defense die Rebels im Anschluss sofort, doch beim anschließenden Punt unterlief den Pforzheimern ein folgenschwerer Fumble beim Return.
Damit hatten die Berliner die Spielzeit unter Kontrolle. Erst 20 Sekunden vor dem Ende fand Dre Harris später Receiver AJ Coons in der Endzone zum 17:23-Anschluss. Der anschließende Onside Kick misslang, Berlin nahm den Sieg mit nach Hause. Pforzheims Head Coach Michael Lang resümierte: "Nicht Berlin hat gewonnen, wir haben verloren. Wir standen uns heute ab dem zweiten Viertel komplett selbst im Weg. Viele individuelle Fehler haben uns am Ende das Spiel gekostet. Wir kamen einfach nicht mehr in Tritt, obwohl es sehr gut angefangen hat. Berlin auf der anderen Seite hat es verstanden, jeden unserer Fehler direkt zu bestrafen."
Wilddogs-Vorstand Kai Höpfinger stellte lieber den Rahmen der Partie in den Vordergrund: "Das war ein super erster Spieltag, auch wenn das Ergebnis leider nicht ganz so glücklich stimmt. Aber die Stimmung mit knapp 800 Fans im Stadion war grandios, trotz des schlechten Wetters. Der erste Spieltag ist immer spannend und zugleich auch die größte Herausforderung. Umso glücklicher bin ich, dass neben und hinter den Kulissen alles glatt lief."
Lange Zeit zum Wundenlecken bleibt den Pforzheimern nicht. Bereits am kommenden Samstag geht es für das GFL-Team auswärts bei den Straubing Spiders weiter. Das nächste Heimspiel in der Kramski-Arena steigt am 30. Mai gegen die ifm Ravensburg Razorbacks. Berlin ist zu Pfingsten das einzige spielfreie Team der GFL und absolviert am 30. Mai sein zweites Interconference-Spiel des Jahres. Zu Gast im Berliner Mommsenstadion werden dann die offensivstarken Schwäbisch Hall Unicorns sein. Die Rebels-Defense scheint für höhere Aufgaben aber ja gerüstet.
Daniel Weber - 18.05.2026

Die Berlin Rebels setzten sich in Pforzheim durch. (© Siebert / Pforzheim Wilddogs)
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