Seit Jahren bewegt sich das Rose Bowl Stadium in Pasadena auf dem schmalen Grat zwischen Tradition und Technologie. Es strebt danach, mit modernen Veranstaltungsorten Schritt zu halten und bewahrt gleichzeitig jene nostalgischen Elemente, die es zu einem nationalen Wahrzeichen machen. Das Stadion unterzieht seinen südlichen Bereich – jenen, der den San Gabriel Mountains zugewandt ist – einer umfassenden Umgestaltung. Dabei werden 5.000 bislang nur unzureichend genutzte Sitzbänke in einen Club-Bereich auf Spielfeldniveau verwandelt, der etwas mehr als 1.000 VIP-Plätze bieten wird. Die Umbauarbeiten sollen voraussichtlich pünktlich zum ersten Heimspiel des UCLA-Footballteams gegen San Diego State am 12. September fertiggestellt sein.
"Wir ehren die Vergangenheit, werden uns aber weiterhin in Richtung Zukunft bewegen", sagte Jens Weiden, der Geschäftsführer des Rose Bowl. "Wir haben zu keinem Zeitpunkt in Erwägung gezogen, dieses Projekt zu stoppen – ganz gleich, welche Hindernisse auch auftauchten." Im vergangenen Oktober reichten die Rose Bowl Operating Co. und die Stadt Pasadena – als Reaktion auf die Drohungen von UCLA, ihren Vertrag mit dem Stadion zu kündigen – eine Klage ein. Ihr Ziel war es, die Bruins dazu zu zwingen, die verbleibenden zwei Jahrzehnte ihrer Vereinbarung einzuhalten und ihre Heimspiele im American Football bis zum Jahr 2044 weiterhin in der historischen Spielstätte auszutragen.
Für das kommende Jahr ist der Rose Bowl bereits als Austragungsort für ein Viertelfinale der College Football Playoffs (CFP) bestätigt; die weiteren CFP-Pläne für die Zeit danach sind jedoch noch weniger klar umrissen. Es wächst der Druck, die Spiele der frühen Runden künftig in den stadioneigenen Arenen der Universitäten auszutragen – sogenannten On-Campus-Stadien –, da deren Organisation einfacher und kostengünstiger ist. Dieses stellt eine Bedrohung für die traditionellen "Bowl Games" dar. Allerdings sprechen die Einschaltquoten im Fernsehen eindeutig für den Rose Bowl. Das Spiel am 1. Januar zwischen Indiana und Alabama erzielte gigantische Zuschauerzahlen – selbst angesichts der Tatsache, dass die Hoosiers einen erdrutschartigen Sieg einfuhren. Dennoch ist es angesichts der enormen Dynamik, die den College Football in den letzten Jahren geprägt hat, schwer vorherzusagen, wie die sportliche Landschaft in zwei oder drei Jahren aussehen wird.
Trotz dieser Ungewissheit setzt der Rose Bowl weiterhin gezielt auf seine Stärken: Er pflegt die Nostalgie, geht aber gleichzeitig mit der Zeit. "Viele Menschen betrachten den Rose Bowl als ein Kunstwerk", sagte Weiden. "Ich sehe ihn eher als ein Museum, in dem die Kunst ausgestellt ist. Man muss das Museum zugänglich gestalten – andernfalls kommt niemand, um sich die Kunst anzusehen." Der neue Bereich des Stadions, der "South Field Club", wird rund 30 Millionen Dollar kosten und ist Teil der "Rose Bowl Lasting Legacy Campaign". Die Mittel wurden durch Sponsoringpartner und private Spender aufgebracht und nicht, wie beim Bau des Terry-Donahue-Pavillons in den Jahren 2011 bis 2013, durch Steuergelder.
UCLA hat wiederum keine Kosten übernommen und kann seine Spendenkampagnen somit voll auf die Deckung von NIL-Kosten sowie der Ausgaben für die Spieler konzentrieren. Das Stadion wird im Rahmen einer Vereinbarung zur Einnahmenteilung betrieben, bei der die Rose Bowl Gesellschaft einen prozentualen Anteil an den Ticketverkäufen, den Einnahmen aus dem Gastronomiebereich und den Parkgebühren erhält. Sämtliche Erlöse, die durch den neuen Club erwirtschaftet werden, verbleiben hingegen vollständig bei UCLA.
Derzeit besteht der Club größtenteils noch aus frisch gegossenem Beton und Stahl; es bedarf also einiger Fantasie, um sich auszumalen, wie er nach seiner Fertigstellung aussehen wird. Den Plänen zufolge sollen die Besucher durch einen Spielertunnel hinabsteigen, am Büro des Platzwarts links abbiegen und anschließend direkt auf den Rasen des Spielfelds treten. Dort erwartet sie ein unterirdischer Empfangsbereich – dessen Wände mit Fotos geschmückt sind, die die Geschichte des Stadions erzählen – und dient als Eingang zu einem weitläufigen Innenraum, in dessen Zentrum sich eine 360-Grad-Bar befindet, die die ovale Form des Rose Bowl selbst widerspiegelt. Umgeben ist dieser Bereich von einem Gastraum, der eine Mischung aus Sitzbänken, runden Tischen, Stehtischen und Loungemöbeln bietet. Wohin man auch blickt, findet sich eine Hommage an den "Craftsman"-Stil, der ein so fester Bestandteil der Geschichte Pasadenas ist. Obwohl ein fließender Übergang zwischen dem Innen- und dem Außenbereich des Clubs besteht, lassen sich die Zonen auch durch eine nahtlose Glaswand voneinander abtrennen; diese lässt sich vollständig zur Seite hin in Wandnischen einfalten. An heißen Tagen sorgt diese Wand dafür, dass der Innenraum klimatisiert bleibt.
Am Empfangsbereich gegenüberliegenden Ende des Clubs lässt sich ein riesiges Garagentor aus Glas nach oben rollen; so können die Clubgäste beobachten und hören, wie die Bruins ihre Umkleidekabine verlassen und das Spielfeld betreten. Eine Videowand und eine theatralische Beleuchtung werden dieses Erlebnis zusätzlich intensivieren. Nach dem Spiel bleibt der Club noch eine Stunde lang geöffnet, um die Abreisewelle der Zuschauer abzuwarten; währenddessen können die Gäste durch Glasscheiben die Pressekonferenz des Trainers nach Spielende verfolgen. Als Trennungselement zwischen dem "Field Club" und den bereits vorhandenen Sitzplätzen in der Endzone dienen etwa 60 Zentimeter breite Pflanzkübel, die sich entlang der gesamten Rundung des südlichen Stadionendes erstrecken. In diesen Kübeln werden echte Rosen gedeihen, die vom Stadionpersonal gepflegt werden. Die Tradition ist hier stets zum Greifen nah.
Schlüter - 12.05.2026

Das Rose Bowl Stadium wird modernisiert. (© National Football Foundation)
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