Die Verhandlungen zwischen der NFL und ihren Schiedsrichtern, der NFL Referees Association (NFLRA), sind doch zu einem erfolgreichen Ende gekommen: Wie so oft war es eine nahender Fristablauf, der für Bewegung gesorgt hatte. Heute erfolgte die Bekanntgabe einer neuen, sieben Jahre dauernden Vereinbarung.
Offiziell hätte die Frist am 31. Mai geendet, die für viele Diskussionen gesorgt hat. Die NFL hatte, vermutlich um den Ernst der Lage zu verdeutlichen, bereits Ersatzschiedsrichter angeworben und fortgebildet, um für den Fall des Scheiterns der Verhandlungen gewappnet zu sein.
Geeinigt hat man sich – natürlich neben finanziellen Forderungen der Schiedsrichtergesellschaft – laut Pressemeldung auf eine ganze Reihe Themen, die Leistung, Verantwortungsübernahme und vieles mehr beinhalten.
Die Gespräche zogen sich bereits über rund zwei Jahre hin, ohne dass ein Durchbruch erreicht worden wäre; das letzte CBA (Abkürzung für Collective Bargaining Agreement) lief wie erwähnt nur bis einschließlich Mai, was eine harte Deadline erzeugte. Allerdings braucht es derartige Fristen in der NFL oft auch, um am Ende zu einer Einigung zu gelangen, wie auch dieser Fall wieder zeigt.
Kern-Diskussionspunkte waren die Leistung und Rechenschaftspflicht: Die Liga forderte mehr Messbarkeit der Schiedsrichterleistung, zusätzliche Trainingszugänge und Mechanismen, um wiederkehrende Fehler zu adressieren. Die NFL betonte, man wolle "pay for performance" und bessere Trainingsmöglichkeiten.
Ein wiederkehrendes Thema war auch der Teilzeitstatus vieler Offiziellen und wie dies mit erweiterten Trainings- und Evaluationspflichten vereinbar ist. Der Grund liegt auf der Hand für die Referees: Die Liga drängt auf stärkere Professionalisierung; was höhere Anforderungen an Zeitaufwand und Verfügbarkeit bedeuten könnte — für viele Offizielle ein finanzielles und logistisches Problem, da sie nur im Nebenjob Schiedsrichter sind. Der Job ist zwar mit bislang ca. 350.000 Dollar Jahresgehalt (inklusive Boni; laut ESPN) üppig dotiert, bietet aber wenig Sicherheit, wenn man aus Verletzungs- oder Leistungsgründen ausscheiden muss. Das Profischiedsrichtertum wurde daher wieder erfolgreich von Seiten der Refs abgelehnt.
Auf allen Seiten gibt es jetzt kollektives Aufatmen, dass man nicht auf Backup Refs zurückgreifen muss. Unvergessen die Szenen aus dem Jahr 2012, als eine Fehlentscheidung eines Ersatzschiedsrichters in einem viel gesehenen Monday Night Game zum Sieg der Seahawks gegen die Packers in letzter Sekunde führte. Der öffentliche Aufschrei war groß genug, dass umgehend eine Einigung erzielt wurde.
Bereits zuvor gab es damals mehrere strittige Entscheidungen und öffentlichkeitswirksame Probleme: So war ein Ersatzschiedsrichter für eine Partie eingeteilt worden, der in der Vergangenheit immer wieder mit Merchandise einer der beiden Mannschaften fotografiert worden war und dies bei facebook (die Älteren werden sich erinnern) eingestellt hatte.
Ersatzpersonal hätte wieder zu mehr Fehlentscheidungen führen können, was Zuschauervertrauen und Einschaltquoten gefährden kann. Medien- und PR-Schlachten zwischen Liga und NFLRA heizten die öffentliche Wahrnehmung an.
Realistisch handelte es sich aber von vornherein vorwiegend um Säbelrasseln, um die jeweils eigene Verhandlungsposition zu stärken. Dass die Liga freiwillig noch einmal Zustände wie 2012 heraufbeschwört, war sowieso kaum vorstellbar. Zu groß war die berechtigte Kritik damals.
So zeigten sich jetzt beide Seiten zufrieden mit dem erreichten Kompromiss. Und für die Fans ist es sicherlich auch besser, wenn man nicht noch eine weitere Flut an Fehlentscheidungen diskutieren muss.
Carsten Keller - 10.05.2026

Die Einigung mit den Refs sorgt für Aufatmen (© Carsten Keller)
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