Ende einer ungewöhnlichen Karriere

Taylor Heinickes Rückkehr nach Washington begeisterteQuarterback Taylor Heinicke ist NFL-Geschichte. Der 33-jährige hängt nach einer mehr als ungewöhnlichen Karriere die Schuhe an den sprichwörtlichen Nagel, wie er am Freitagmorgen bekannt gab.

Er hatte am College bei der (footballtechnisch gesehen) bestenfalls zweitklassigen Old Dominion University gespielt; neben seinen guten Auftritten als Quarterback wurde er dort auch als Punter eingesetzt – eine mehr als ungewöhnliche Kombination. Anschließend wurde er 2015 jedoch nicht gedraftet und unterschrieb bei den Minnesota Vikings.

Weder dort noch bei den Patriots im Anschluss gab es Spielzeit für ihn, aber im Dezember 2017 durfte er für die Houston Texans erstmals aufs Feld. Das dauerte gegen die Steelers genau einen Snap, bevor er damals eine Gehirnerschütterung erlitt.

Nach einer Verletzung als Mitglied der Carolina Panthers war 2018 der NFL-Traum aber erst einmal nach sieben Partien, darunter ein einziger Start, zu Ende.

Im Frühjahr 2020 stand er im Roster der St. Louis Battlehawks der XFL, sah dort jedoch nicht einmal das Feld, bevor die komplette Liga ihren Betrieb nach Ausbruch der Corona-Pandemie im April einstellen musste.

Heinicke belegte stattdessen ein paar Onlinekurse an seiner Alma Mater Old Dominion, bevor sich Scott Turner, damals Offensive Coordinator Washingtons, an ihn erinnerte. Sowohl zu Karrierebeginn in Minnesota als auch später bei den Panthers hatte man zusammengearbeitet. Durch die damalige Entlassung von Starter Dwayne Haskins und die Verletzung von Alex Smith erfolgte ein fast kometenhafter Aufstieg für ihn in der US-Hauptstadt: In Woche 16 der Saison 2020 kam er als Backup aufs Feld und brachte 12 seiner 19 Passversuche mit einem Touchdown und ohne Interception an.

Dann erfuhr er ungefähr 24 Stunden vor Kickoff der Wild Card-Runde von Head Coach Ron Rivera, dass sein zweiter Start in der NFL noch dazu gegen den übermächtigen Tom Brady erfolgen würde. Der hatte schon mehr Touchdowns in Playoffspielen erworfen als Heinicke Passversuche in der NFL vorweisen konnte. Bei seinem kurzen Aufenthalt in New England 2017 hatten sich die Wege beider einmal für zwei Wochen gekreuzt.

Nach der 31:23 Niederlage Washingtons gegen den späteren Titelgewinner sprach jedoch jeder über Heinicke: Der hatte erst als fünfter ungedrafteter Quarterback der NFL-Geschichte in seinem ersten Playoffspiel mindestens 300 Yards (306) geschafft. Zudem war der mobile Heinicke mit 46 Rush Yards, darunter ein Hecht zum Touchdown, der Runner mit den meisten Yards seines Teams. Dabei renkte er sich die linke Schulter aus... und spielte nach kurzer Behandlung trotzdem weiter. Sein Team riss er damit noch einmal mit, auch wenn es am Ende knapp nicht gereicht hatte. Wide Receiver Terry McLaurin sprach sich quasi noch am Feld für eine Weiterverpflichtung von Heinicke aus.

Dort blieb er dann bis einschließlich der Saison 2022, wobei er in drei Jahren bei den Commanders letztendlich auf 24 Starts in 26 Partien kam bei 12 Siegen, 11 Niederlagen und einem Unentschieden. 33 Touchdowns standen 21 Interceptions gegenüber.

Genug, dass ihn die Falcons im März 2023 für ihre Bank verpflichteten. Nachdem der vorher als Starter der Zukunft erhoffte Desmond Ridder nicht wie gewünscht überzeugen konnte, schlug erneut die Chance von Heinicke.

Die nutzte er nur zum Teil; zunächst stimmte er einer Gehaltsreduzierung für das zweite Jahr zu, wurde dann aber Ende August 2024 gegen einen Siebtrundenpick zu den Los Angeles Chargers transferiert, wo er insgesamt zwei Spielzeiten blieb.

In der vergangenen Saison fand er kein Team mehr, so dass sein Rücktritt jetzt nicht völlig überraschend kommt. Bei Instagram erklärte er: "Viele Höhen und Tiefen im Laufe der Jahre, aber die Höhen überwiegen die Tiefen um ein Vielfaches. Nie in meinen kühnsten Träumen hätte ich gedacht, dass ich dieses Leben führen könnte... Ich freue mich auf dieses nächste Kapitel meines Lebens."

So findet eine ungewöhnliche Karriere ein Ende.

Carsten Keller - 08.05.2026

Taylor Heinickes Rückkehr nach Washington begeisterte

Taylor Heinickes Rückkehr nach Washington begeisterte (© Getty Images)

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