Das Recruiting-Duell in Los Angeles nimmt in diesem Zyklus eine neue Wendung. Nach dem ersten Platz im Jahrgang 2026 belegt USC aktuell den dritten Platz für den Jahrgang 2027. Direkt dahinter folgt UCLA auf Platz 4, nachdem der neue Head Coach Bob Chesney und sein neu formiertes Trainerteam im Frühjahr einen Neustart hingelegt haben.
Die Rangliste wird sich noch ändern, und bis zum Signing Day kann sich noch viel tun, doch die erste Momentaufnahme ist bereits bemerkenswert. Zum ersten Mal seit Jahren steigen USC und UCLA gemeinsam in einem Markt auf, in dem zwei erfolgreiche Programme die Reichweite und den Wert der Big Ten weiter steigern würden. Als die beiden rivalisierenden Universitäten 2024 in die Big Ten wechselten, erwartete man, dass Los Angeles sich zu einer der prägenden Hochburgen der Conference entwickeln würde. Ein Markt dieser Größe mit zwei traditionsreichen Marken und einem großen Pool an lokalen Talenten sollte das Kräfteverhältnis im Laufe der Zeit verändern. Stattdessen kommt der Maßstab für die ersten Spiele aus dem Nordwesten.
Oregon hat sich bereits als der kompletteste Football-Neuzugang etabliert und sein nationales Recruiting-Profil mit einem Big Ten Titel und zwei Teilnahmen an den College Football Playoffs untermauert. Washington brachte noch frische Erfahrung aus dem Meisterschaftsspiel mit, nachdem es in der Saison vor dem Beitritt das Finale erreicht hatte. USC und UCLA hingegen arbeiten noch daran, das Potenzial ihrer Kader auszuschöpfen und in ihrer neuen Conference, Woche für Woche konstant gute Leistungen zu bringen. Das macht diesen Zyklus so bemerkenswert, weit mehr als nur eine Momentaufnahme der Rangliste. Wenn beide Programme auf diesem Niveau weiter wachsen, könnte die Big Ten ihrem Ziel im Westen sichtbarer zu sein, näherkommen.
Die Rekrutierungsklasse von USC für 2027 weist erneut eine bekannte Struktur auf: Elite-Talente aus Südkalifornien bilden das Rückgrat, unterstützt durch nationale Bewertungen, die den Kreis erweitern. Zehn der Zusagen zählen bereits zu den Top-100-Talenten landesweit, und die Gruppe umfasst mehrere herausragende Spieler aus dem Bundesstaat, was die zentrale Bedeutung von USC für das lokale Talentökosystem unterstreicht. Die Trojans haben bereits Zusagen von sechs der 20 besten Nachwuchsspieler aus Kalifornien erhalten, darunter vier der Top 10 und konnten zudem vielversprechende Talente für verschiedene Positionen gewinnen.
Dieser frühe Rekrutierungszyklus ist beabsichtigt. USC hat die Strategie, frühzeitig viele Spieler zu verpflichten, wirklich perfektioniert. Man hat den Eindruck, dass sie sich frühzeitig die besten Spieler sichern, was die Rankings etwas verzerren kann, aber sie haben auch Durchhaltevermögen. Die Trojans haben gerade die Nummer 1 der Recruiting-Klasse für 2026 verpflichtet und dies mit einem Großteil der frühen Zusagen erreicht.
UCLA hingegen hat einen anderen Weg eingeschlagen und eine ähnliche frühe nationale Positionierung erreicht. Die Bruins haben bereits fünf Zusagen und insgesamt sechs Spieler seit Anfang Mai verpflichtet, wodurch sie in die Top 5 vorgestoßen sind und einen der aktivsten frühen Recruiting-Aufschwünge im ganzen Land hingelegt haben. Was den Aufstieg von UCLA auszeichnet, ist nicht nur die Anzahl der Zusagen, sondern auch die Herangehensweise. Das Recruiting-Team hat seinen Aktionsradius deutlich erweitert, ist über traditionelle regionale Grenzen hinausgegangen und hat nationale Rankings aggressiver als in früheren Zyklen anvisiert. Die Bruins sind in jeder Hinsicht deutlich aggressiver geworden. Mehr Besuche, mehr Angebote, umfassendere Bewertungsverfahren und ein stärkeres Engagement im Bereich der Umsatzbeteiligung bei der Talentakquise. Diese Umstrukturierung hat bereits in mehreren Regionen Früchte getragen. UCLA konnte Defensive Backs, die Georgia und Notre Dame zugesagt hatten, für sich gewinnen, Top-Talente aus Colorado ausstechen und wichtige Spieler aus dem eigenen Bundesstaat wie den Vier Sterne Athleten JuJu Johnson nach langen Recruiting-Kämpfen verpflichten. Der neue General Manager Darrick Yray geht von Anfang an volles Risiko, und im und um das Programm herrscht eine Dringlichkeit, die die Fans seit den Anfängen der Jim Mora Ära nicht mehr erlebt haben, als die Bruins um die Pac-12 Meisterschaft kämpften. Chesney hat den gesamten Betrieb schnell umstrukturiert. Sieben der 16 Zusagen für UCLA kommen von außerhalb Kaliforniens. Zwar konnten die Bruins lokal Fortschritte erzielen, doch aktuell haben sie nur zwei Zusagen von Top-20 Talenten aus dem eigenen Bundesstaat und keine von den Top 10.
Zum ersten Mal seit etwa einem Jahrzehnt rekrutieren USC und UCLA im selben Zyklus auf hohem Niveau, auch wenn sie noch nicht konstant um dieselben Talente kämpfen. Warum der Rekrutierungserfolg in Los Angeles für die Big Ten so wichtig ist: USC hat unter Lincoln Riley weiterhin erstklassige Rekrutierung betrieben, doch dies hat sich noch nicht in den erwarteten sportlichen Erfolgen niedergeschlagen. Vier Jahre nach seinem Amtsantritt – und nun zwei vollen Saisons in der Big Ten – hat USC dies immer noch nicht geschafft. Die University of California, Los Angeles, hat es trotz erweiterter Zugangsmöglichkeiten in die College Football Playoffs geschafft. Das Recruiting-Profil ist nicht das Problem. Es geht darum, aus Top 25 Jahrgängen ein Team zu formen, das regelmäßig bis in den Januar hinein spielt. Bei UCLA verfolgt man eine andere Strategie, doch die Dringlichkeit ist genauso groß. Seit Chesney von James Madison kam, hat das Programm seine Recruiting-Aktivitäten rasch umstrukturiert, seine Reichweite vergrößert und die Evaluierungen beschleunigt. Das Ergebnis ist nicht nur ein sprunghafter Anstieg der Aktivitäten, sondern auch ein starker Start in den Recruiting-Zyklus, der die UCLA in den Rankings näher an USC herangebracht hat als in den letzten Jahren.
Jahrelang war der Football in Los Angeles kein wirklich gemeinsamer Wettbewerbsraum. USC setzte lokal die Maßstäbe, während die UCLA größtenteils dahinter oder daneben agierte. Diese Kluft beginnt sich zu verringern, auch wenn Chesney in seiner frühen Amtszeit in Westwood noch kein Spiel gecoacht hat. Und diese Verringerung ist aus Gründen wichtig, die über Los Angeles hinausgehen. Die Big Ten expandierte nicht einfach nur nach Westen, um mehr Spiele in einer anderen Zeitzone zu haben. Sie nahm Los Angeles ins Visier. Los Angeles soll sich zu einem wettbewerbsfähigen Zentrum entwickeln, das Programme hervorbringt, die landesweit rekrutieren, konstant um den Titel mitspielen und der Liga neben ihrem Kern aus dem Mittleren Westen ein zweites echtes Power-Center bieten.
Schlüter - 06.05.2026

Die UCLA Bruins holen im Recruiting auf. (© Getty Images)
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