Rasantes Derby in Stuttgart

Die Stuttgart Scorpions konnten Reutlingen nicht oft genug stoppen.Strahlender Sonnenschein und eine stimmungsvolle Kulisse empfingen zwei bis dahin dieses Jahr noch ungeschlagene Teams auf dem tus-Platz in Stuttgart. Und Stuttgart Scorpions und Reutlingen Eagles schenkten sich im Derby nichts. Am Ende setzten sich die Reutlinger Gäste in einem dramatischen Schlagabtausch mit 47:36 durch. Einen holprigen Start konnten die Gastgeber am Ende nicht mehr wettmachen.

Überragend war das Laufspiel der Gäste. Individuelle Fehler auf Stuttgarter Seite kamen hinzu und waren nicht zu kompensieren. Der Mann des Spiels war Reutlingens Running Back Pascal Lauber. Der 35-jährige Routinier eröffnete das Punkte-Festival mit einem kurzen Touchdown-Lauf in die Endzone der Scorpions im ersten Viertel. Auch im zweiten Abschnitt kontrollierten die Eagles zunächst das Geschehen: Lauber erhöhte per Sechs-Yard-Touchdown-Lauf, ergänzt durch einen erfolgreichen 32-Yard-Field-Goal-Versuch von Marvin Zweig sowie einen Safety.

Kurz vor der Pause schlugen jedoch die Gastgeber zweimal zurück, sodass Reutlingen nur mit einer knappen 19:14-Führung in die Halbzeit ging. Die Scorpions bewiesen dabei doppelt Moral: Quarterback Da Ronte Smith bediente Nils Laauser perfekt zum 7:17-Anschluss. Kurz vor der Halbzeit kam es jedoch zu dramatischen Szenen: Nach einem weiten Pass verletzte sich Wide Receiver Cedric Zwaller bei einem Tackle kurz vor der Endzone schwer. Das Spiel musste für 20 Minuten unterbrochen werden, während Spieler beider Teams einen Kreis als Sichtschutz bildeten. Zwaller wurde vorsorglich mit einer Gehirnerschütterung ins Krankenhaus gebracht. Trotz des Schocks blieb Stuttgart konzentriert, und Ronte Smith verkürzte per Lauf zum 14:19-Halbzeitstand.

Die zweite Hälfte begann spektakulär: Ein Field-Goal-Versuch der Scorpions wurde geblockt, der Ball rollte in die Endzone und wurde dort von Smith gesichert. Doch ein Stuttgarter Touchdown war dies nicht, weil die Referees den Block hinter der Line of Scrimmage verorteten und die Offense in solchen Fällen nur punkten kann, wenn ein Verteidiger den Ball berührt. Reutlingen antwortete abgeklärt: Erneut war es Pascal Lauber mit einem starken 41-Yard-Lauf, ehe Lukas Rometsch per 9-Yard-Lauf nachlegte. Doch auch die Stuttgarter betrieben Werbung für den Offensiv-Football. Angeführt vom überragenden Nils Laauser, der einen Touchdown nach dem nächsten markierte, kämpften sich die Scorpions immer wieder heran. Besonders stark: Bei einer 2-Point-Conversion wurde der Quarterback der Scorpions von der gesamten Einheit zum 22:33 über die Linie gedrückt.

In einem wilden vierten Viertel setzte Reutlingens Lauber mit seinem vierten Touchdown endgültig ein Ausrufezeichen. Trotz zweier weiterer Touchdowns für Stuttgart durch Laauser und einer erfolgreichen Two-Point-Conversion kurz vor Schluss reichte es für die Scorpions nicht mehr für die Wende. Denn dazwischen hatte Eagles-Quarterback Jackson Burkhalter Mike Wortmann mit einem 17-Yard-Pass in der Endzone bedient. Das Spiel endete mit einem hohen Resultat von 36:47.

Ein besonderes Highlight am Spielfeldrand war in Stuttgart der Besuch von rund 75 Mitgliedern des OFC (Fanclub des ehemaligen ELF-Teams Stuttgart Surge). Die Fans empfingen die Gäste standesgemäß mit einem "Tailgating" und sorgten über die gesamte Spieldauer für eine besondere Atmosphäre. Dass sich viele dieser Fans entschieden haben, die Scorpions in dieser Saison lautstark zu unterstützen, unterstreicht den Zusammenhalt in der Stuttgarter Football-Community.

Die Stuttgarter können auf ihrer Leistung aufbauen. Zwar blieben die Punkte bei den Gästen, doch die 36 erzielten Punkte und die unbändige Moral lassen die Fans optimistisch in die nächsten Wochen blicken. Die Scorpions haben gezeigt, dass sie auch die großen Teams in der Regionalliga vor massive Probleme stellen können. Daher gehen die Stuttgarter mit viel zuversicht in das nächste Heimspiel am 9. Mai gegen Holzgerlingen Twister.

Noch optimistischer blicken naturgemäß nun die Reutlinger nach vorn. "Wir sind natürlich überglücklich über unseren dritten Sieg in Folge. Das Spiel hat gezeigt, dass die Liga insgesamt enger zusammengerückt ist und man in jedem Spiel alles in die Waagschale werfen muss, um am Ende erfolgreich zu sein", sagte Eagles-Head-Coach Michael Häring. "Es war ein extrem körperliches Spiel, beide Mannschaften haben sich nichts geschenkt. Wir haben ein paar Fehler zu viel gemacht, das müssen wir abstellen. Jetzt nutzen wir die Woche zur Regeneration und bereiten uns auf das nächste schwere Spiel vor", bilanzierte Häring, der wahrscheinlich auf Janis Hackenberg in der nächste Zeit verzichten muss, aufgrund einer Verletzung. Am 16. Mai empfangen die Eagles im heimischen Kreuzeichestadion die bisher auch noch ungeschlagenen Leonberg Alligators - ein echtes Spitzenspiel um die Tabellenführung.

Daniel Weber - 04.05.2026

Die Stuttgart Scorpions konnten Reutlingen nicht oft genug stoppen.

Die Stuttgart Scorpions konnten Reutlingen nicht oft genug stoppen. (© Meller / Stuttgart Scorpions)

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