Es war ein emotionales Auswärtsspiel an der dänischen Grenze. Die Bulls verabschieden sich von ihrem Head Coach Holger Völling und zeigen auf dem Feld unbändigen Charakter. Am Ende müssen sie sich den Flensburg Sealords jedoch knapp mit 7:14 geschlagen geben.
Es war eine Hiobsbotschaft, die den gesamten Verein und die norddeutsche Football-Community tief ins Mark traf. In der vergangenen Woche verstarb Holger Völling, der Head Coach der Union Bremen Bulls. Zwar hatte Coach Holly bereits seit längerer Zeit mit einer schweren Krankheit zu kämpfen, doch der plötzliche Zeitpunkt seines Todes in der Woche vor dem ersten Saisonspiel kam für die Mannschaft und das Umfeld überraschend und hinterließ eine große Lücke.
Mit Völling verliert der deutsche American Football eine echte Koryphäe, dessen Vita Bände spricht. Ende der 80er Jahre begann er seine Football-Karriere als Defensive Lineman beim damaligen Bundesligisten Bremen Buccaneers. Über eine Station bei den Jadebay Packers in Wilhelmshaven fand er schnell seine wahre Berufung an der Seitenlinie. Er betreute die Offensive Line der Niedersachsenauswahl und feierte als Coach der A-Jugendnationalmannschaft 1998 und 2000 den Gewinn der Europameisterschaft. Nach prägenden und erfolgreichen Jahren bei den Ritterhude Badgers und als langjähriger Cheftrainer und Manager der Oldenburg Knights in der GFL 2 Nord übernahm er erst 2025 das Ruder bei den Union Bremen Bulls. Er glaubte fest an das Potenzial in Bremen und wollte hier für die Saison 2026 "etwas Größeres" aufbauen.
Trotz der lähmenden Trauer und des schweren Schocks entschied sich das Team bewusst dazu, das erste Saison-Auswärtsspiel der Verbandsliga Nord am vergangenen Samstag, den 25. April 2026, an der dänischen Grenze bei den Flensburg Sealords anzutreten. Das stürmische Wetter an der Flensburger Förde wirkte wie eine atmosphärische Spiegelung der kollektiven Gefühlslage. Dunkle Wolken und peitschender Wind bildeten die Kulisse, als sich beide Teams vor dem Kickoff zu einer emotionalen Schweigeminute für Holger Völling aufstellten.
Nachdem die Flensburger den anschließenden Coin Toss gewannen, entschieden sie sich dazu, zuerst die Defense auf den Rasen zu schicken. Gleich beim ersten Play setzte Jan Scheidat für die Bulls mit einem starken Kickoff Return ein deutliches Ausrufezeichen und brachte sein Team in eine gute Feldposition. Was folgte, war ein Bilderbuch-Drive: Die Offensive Line dominierte die Line of Scrimmage, und Running Back Mattis Altvater zermürbte die Flensburger Defense mit mehreren physischen Läufen durch die Mitte. Den krönenden Abschluss dieses furiosen Starts bildete Quarterback Tim Dodenhoff, der mit einem präzisen Pass seinen Receiver Liam Shugar in der Endzone fand. Mit dem anschließenden Extrapunkt gingen die Bulls früh mit 7:0 in Führung.
Beflügelt von der frühen Führung betrat nun die Defense der Bremer das nasse Gras und knüpfte nahtlos an die Energie der Offense an. Nach nur drei erfolglosen Versuchen der Sealords zwang die Bremer Verteidigung die Gastgeber direkt zum Punt – ein starkes "Three-and-Out", das das Momentum fest in Bremer Hand hielt. Im weiteren Verlauf des ersten Quarters entwickelte sich eine von beiden Abwehrreihen dominierte Partie. Während die Bremer Defense der Flensburger Offense kaum Raum zur Entfaltung ließ, stellte sich jedoch auch die Defensive der Hausherren allmählich besser auf das Bremer Angriffsspiel ein und bekam die Bulls-Offense zunehmend unter Kontrolle.
Im zweiten Quarter bekam auch die Bremer Defense spürbar mehr Probleme, dem physischen Angriffsspiel der Flensburger standzuhalten, und die Gastgeber arbeiteten sich immer wieder gefährlich nah an die Endzone heran. Doch in den entscheidenden Momenten hielt die Verteidigung der Bulls aber stand. Das Highlight dieser Phase lieferte der Bremer Phillip Stobbe: Im entscheidenden vierten Versuch der Flensburger las er den Spielzug perfekt und verhinderte mit einem spektakulären Pass-Breakup ein immens wichtiges First Down. Die Sealords drängten kurz vor der Pause weiterhin vehement auf den Ausgleich und bauten einen weiteren starken Drive auf. Doch erneut war es die Bremer Defense, die das letzte Wort hatte. Alex Maron stieg im exakt richtigen Moment hoch und beendete die Hoffnungen der Flensburger mit einer artistischen Interception. So ging es mit der knappen, aber verdienten 7:0-Führung in die Pause.
Offensive Line - Coach Lars Lupprian fand nach dem Spiel klare Worte zu den zwei Gesichtern der Offense an diesem Tag und nahm die kommende Niederlage vorweg: "Wir haben im ersten Drive genau gezeigt, wozu diese Offense in der Lage ist. Die Line hat die Lücken aufgerissen, und das Laufspiel über Mattis war physisch extrem stark. In der zweiten Hälfte hat Flensburg taktisch hervorragend justiert, und bei diesem stürmischen Wetter wurde es in den Trenches zu einer reinen Willensschlacht. Uns hat am Ende einfach das letzte Quäntchen Konstanz gefehlt, um den Ball kontinuierlich zu bewegen und das Spiel durch weitere Punkte frühzeitig zuzumachen. Trotzdem bin ich stolz auf den großen Einsatz in dieser schwierigen Situation, den die Jungs heute an den Tag gelegt haben."
Nach dem Seitenwechsel setzte sich das Bild der ersten Halbzeit fort: Das dritte Quarter glich einem klassischen Abnutzungskampf, in dem beide Defenses die gegnerische Offense fest im Griff hatten. Jeder Yard musste auf dem rutschigen Rasen hart erarbeitet werden. Die Offense der Bulls blitzte zwar vereinzelt gefährlich auf und konnte einige sehenswerte Bigplays erzielen – allen voran ein langer Pass von Dodenhoff auf Oleksandr Palchak –, schaffte es aber letztlich nicht in die Endzone, den Vorsprung auf dem Scoreboard auszubauen.
Auf der Gegenseite griffen die Flensburger derweil zu einem Trickspielzug. Bei einem Fake-Punt versuchten sie ein überraschendes First Down zu erlaufen. Doch sie machten die Rechnung ohne Antonio Krahl. Der Bremer Spielertrainer und Defensive Coordinator durchschaute den Versuch sofort und stoppte den Ballträger mit einem krachenden, perfekt getimten Tackle vor der Markierung.
Im vierten Quarter forderte das hohe Tempo schließlich seinen Tribut. Die Bremer Defense verlor zunehmend die Kontrolle über die unermüdlich anrennenden Flensburger. Zwar stemmten sich die Bulls mit allem, was sie hatten, dagegen – was in einem Forced-Fumble durch Mika Schmale mündete, der von Jan-Hendrik Meier recovert wurde –, doch die Flensburger ließen sich nicht mehr abschütteln. Trotz dieses wichtigen Ballgewinns für Bremen schafften es die Hausherren kurz darauf, den Ball zum ersten Touchdown in die Endzone zu wuchten. Da der anschließende Extrapunkt jedoch nicht gut war, blieben die Bulls hauchdünn mit 7:6 in Führung.
Das Spiel stand nun auf Messers Schneide. Kurz vor Schluss des Spiels riss die Flensburger Offense das Ruder jedoch endgültig an sich, die Bremer mussten kräftemäßig der langen Anreise Tribut zollen. Mit einem weiteren kraftvollen Drive durchbrachen sie die tapfer kämpfende Bremer Verteidigung ein zweites Mal, erzielten den Touchdown zur Führung und besiegelten damit den 12:7-Endstand.
Die Enttäuschung über die knappe Niederlage war den Bremern nach dem Abpfiff deutlich anzumerken, doch viel präsenter war der Zusammenhalt an diesem unendlich schweren Tag. Spieler-Trainer und Defensive Coordinator Antonio Krahl fasste die sportliche und menschliche Achterbahnfahrt treffend zusammen: "Die Defense hat über drei Viertel hinweg einen hervorragenden Job abgeliefert. Im vierten Quarter waren wir schlichtweg zu lange auf dem Feld, die Beine wurden schwer, und Flensburg hat diesen Umstand am Ende einfach gut ausgespielt und bestraft." Abschließend fand Krahl bewegende Worte, die den Fokus auf das lenkten, worum es an diesem Sonntag eigentlich ging: "Wir haben heute nicht einfach nur ein Footballspiel bestritten, wir standen heute für Holly auf dem Platz. Er war für uns nicht nur ein Coach, sondern ein echter Mentor und Freund. Wir haben auf dem Feld genau die Intensität und Leidenschaft gezeigt, die er immer gefordert hat. Dass es auf der Anzeigetafel heute nicht gereicht hat, tut weh. Aber unser Fokus liegt jetzt darauf, eng zusammenzustehen und den Rest dieser Saison für ihn zu spielen." Das nächste Spiel findet wiederum auswärts statt. Gegner sind am 10. Mai dann die Emden Tigers in Ostfriesland.
Schlüter - 26.04.2026

Head Coach Holger Völling hinterläßt nicht nur in Bremen eine große Lücke. (© Union Bremen Bulls)
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