Es ist eine Entscheidung, die für einen kleinen Teil der zukünftigen NFL-Spieler nur einmal im Leben ansteht: Soll ich das seit Kindheit erwartete Vorlesen des eigenen Namens beim NFL-Draft zu Hause herbeisehnen oder die große NFL-Bühne in der dann jeweiligen Austragungsstadt betreten?
Beides hat Vor- und Nachteile: Zuhause ist man von Familie und Freunden umgeben, wobei gerade der letzte Begriff eher lose zu definieren ist und leicht dreistellige Zahlen erreichen kann, was sich am Ende auf die Rechnung des Abends niederschlägt. Dafür ist man unter sich, muss erheblich weniger "blöde" Fragen beantworten und kann anschließend sofort weiterfeiern.
Die erlesene Anzahl von möglichen Draftees, die von der NFL auf die große Bühne eingeladen wird, darf dagegen im Scheinwerferlicht im modischen Anzug und mit brandneuer Teammütze zum künftigen allmächtigen Boss Roger Goodell auf die Bühne, den wahlweise umarmen, hochheben oder einfach nur die Hand schütteln.
In diesem Jahr sind es insgesamt 16 Draftees, die der Einladung der NFL nach Pittsburgh folgen werden. Am wenigsten waren es vor zwei Jahren, als nur 13 angehende NFL-Spieler in die Autostadt Detroit wollten.
Die Erfahrung des Scheinwerferlichts auf der Bühne und der weltweiten Aufmerksamkeit hat man so wohl nur einmal im Leben. Und vermutlich träumten die jüngeren Versionen der Spieler genau von diesem Moment ihres Drafts und nicht von einer Feier zu Hause, wenn es irgendwann tatsächlich so weit ist und der Traum erfüllt ist.
Allerdings ist auch das Programm, das die 16 Spieler vor Ort zu absolvieren haben, alles andere als anspruchslos. Ab Mittwochmorgen (üblicherweise wohltätiges Event mit Roger Goodell, Paralympics-Athleten und einer Vielzahl Medienvertreter) wird alles genau durchgetaktet sein, für Individuelles ist nahezu keine Zeit.
Wenn man die Bühne nach dem Treffen mit dem Commish dann verlassen hat, geht es im Stakkato zu einzelnen Interviews und Schalten sowie einer Pressekonferenz ins naheliegende Medienzentrum, bevor der Jet in Richtung Facilities des künftigen Arbeitgebers wartet.
In diesem Jahr werden folgende Spieler live auf der Bühne erwartet – und die meisten davon wohl in der ersten Runde am Donnerstagabend in knapp zwei Wochen:
1) David Bailey LB Texas Tech
2) Rueben Bain Jr. DE Miami (Fla.)
3) Mansoor Delane DB LSU
4) Caleb Downs DB Ohio State
5) Keldric Faulk DE Auburn
6) Colton Hood DB Tennessee
7) Makai Lemon WR USC
8) Jeremiyah Love RB Notre Dame
9) Francis Mauigoa OL Miami (Fla.)
10) Kayden McDonald DT Ohio State
11) Kadyn Proctor T Alabama
12) Arvell Reese LB Ohio State
13) Ty Simpson QB Alabama
14) Sonny Styles LB Ohio State
15) Carnell Tate WR Ohio State
16) Jordyn Tyson WR Arizona State
Der vermutete #1 Pick Fernando Mendoza, der bei den Indiana Hoosiers geglänzt hatte, wird dagegen nicht nach Pittsburgh anreisen, sondern zieht die Heimat vor, wenn er – via Commish Goodell - von den Las Vegas Raiders aufgerufen werden wird.
Der Draft wird in der Nacht von Donnerstag auf Freitag deutscher Zeit um 02 Uhr starten; in diesem Jahr bleiben den Teams in der ersten Runde "nur" acht statt der bislang üblichen zehn Minuten. Dies sollte insgesamt für eine deutlich kürzere Gesamtdauer sorgen; im Vorjahr standen knapp 3:30 Stunden alleine für diese Runde "auf der Uhr", was selbst für Hardcore-Fans am Ende sehr kräftezehrend ist und gelegentliche Zuschauer eher abschreckt.
Die zweite und dritte Runde beginnen einen Tag später um 01 Uhr in der Nacht auf Samstag, die Runden vier bis sieben dann am Samstag um 18 Uhr deutscher Zeit. Der 257. und letzte Pick, seit Jahren als "Mr Irrelevant" bekannt, soll dann gegen 19 Uhr Ortszeit / 01 Uhr deutscher Zeit verkündet werden.
Carsten Keller - 10.04.2026

16 reisen zum NFL Draft nach Pittsburgh (© Carsten Keller)
Leser-Bewertung dieses Beitrags: