Cowboys vor dem nächsten Schritt - Head Coach Lambropoulos im Interview

LambropoulosDie Munich Cowboys haben 2025 ein Ausrufezeichen gesetzt. Platz zwei in der GFL Süd, dazu der Einzug ins Halbfinale, wo erst gegen den späteren Champion aus Potsdam Schluss war. Für einen Traditionsklub, der 1979 gegründet wurde und 1993 seinen bislang einzigen deutschen Meistertitel gewann, war das eine Saison, die in München noch lange positiv nachwirken dürfte. Trotzdem ist schnell klar geworden, dass sich bei den Cowboys niemand zu lange auf dem Erreichten ausruht. Head Coach Christos Lambropoulos blickt zwar mit Stolz auf das Halbfinale zurück, richtet den Fokus aber sehr bewusst auf die Frage, wie sich dieser Erfolg wiederholen lässt.

"Das war natürlich eine tolle Erfahrung. Ich habe mich wirklich für das Team und die Leute in der Organisation gefreut. Natürlich haben die Spieler das geschafft und es freut mich, aber auch alle anderen bei den Cowboys haben das verwirklicht. Es war natürlich schon eine Weile her, irgendjemand hat mir nach dem Playoff Sieg gesagt, dass es 24 Jahre her war oder so. Das war natürlich eine tolle Leistung, aber für uns geht es mehr darum, wie haben wir das geschafft. Andererseits reden wir nicht viel darüber. Es geht eher um die Sachen, die es braucht um das wieder zu erreichen", sagte Lambropoulos im Gespräch über die vergangene Saison.

Genau dieser Blick auf Prozesse statt auf Schlagzeilen scheint in München aktuell die zentrale Linie vorzugeben. Das Halbfinale hat gezeigt, welches Potenzial in diesem Team steckt. Gleichzeitig will man sich offenkundig nicht von einer guten Saison blenden lassen. Die Cowboys wollen nicht nur von 2025 erzählen, sie wollen die Voraussetzungen dafür schaffen, wieder in diese Regionen vorzustoßen. Dass mit den Schwäbisch Hall Unicorns am 9. Mai direkt ein echter Gradmesser zum Auftakt wartet, erhöht die Spannung auf die neue Spielzeit zusätzlich. Noch aber, das macht der Head Coach deutlich, liegt der Schwerpunkt ganz woanders.

"Ich freue mich immer, wenn es wieder raus geht aufs Feld. Derzeit investieren wir unsere Hauptarbeit auf die Saisonvorbereitung. Und damit haben wir, ehrlich gesagt, jede Menge zu tun. Man denkt natürlich an die Sachen, die da auf uns in der Saison zukommen, aber so wirklich hatten wir dazu noch keine Zeit. Es hat alles mit der Vorbereitung zu tun. Ich freue mich auf die Saison, aber der Fokus zur Zeit ist bereit sein", erklärte Lambropoulos gegenüber Football aktuell.

Diese Aussage passt zu einem Trainer, der offenbar sehr klar zwischen Vorfreude und Arbeitsalltag trennt. Natürlich ist die neue Saison längst im Blick. Natürlich weiß man in München, dass die Erwartungen nach 2025 nicht kleiner geworden sind. Aber Lambropoulos betont bewusst, dass der Weg in eine erfolgreiche Saison nicht mit großen Worten beginnt, sondern mit täglicher Vorbereitung. Gerade Teams, die im Jahr zuvor einen deutlichen Schritt nach vorne gemacht haben, stehen häufig vor der Herausforderung, den Erfolg richtig einzuordnen. In München lautet die Antwort offenbar: nicht zu früh nach vorne träumen, sondern erst die Basis dafür schaffen.

Hilfreich ist dabei, dass die Cowboys im Kader auf viel Kontinuität setzen können. Große Umbrüche bleiben aus, was gerade in der GFL ein nicht zu unterschätzender Vorteil ist. Viele Mannschaften verlieren Jahr für Jahr wichtige Säulen oder müssen sich personell neu erfinden. Bei den Cowboys ist die Ausgangslage deutlich stabiler.

"Es gibt keinen massiven Umbruch. Es ist eigentlich bei allen Teams, bei denen ich schon war, immer das gleiche. Es ist also nicht weltbewegend überraschendes passiert. Wir haben nicht ne Tonne Spieler verloren, wenn ich mich richtig erinnere. Einige sind dazugekommen. Aber es ist immer das selbe, einige hören mit dem Sport auf, andere ziehen weiter, es gibt also aus den verschiedensten Gründen immer etwas Bewegung. Grundsätzlich wird es also das gleiche Team sein, vielleicht zu 90 Prozent oder so", sagte der Head Coach.

Dass Lambropoulos diese personelle Stabilität eher nüchtern einordnet, macht die Aussage fast noch interessanter. Es geht ihm nicht darum, die Konstanz im Kader künstlich groß zu reden. Vielmehr beschreibt er sie als normale, gesunde Ausgangslage. Genau das könnte für die Cowboys 2026 ein Trumpf sein. Wer viele Abläufe aus dem Vorjahr mitnimmt, spart in der Vorbereitung wertvolle Zeit. Die Automatismen sitzen schneller, Rollen sind klarer verteilt und das Fundament ist bereits vorhanden. Nach einem Halbfinaleinzug ist das eine Situation, auf der sich aufbauen lässt.

Eine der wichtigsten Veränderungen betrifft allerdings die zentrale Position in jeder Offense. Die Cowboys gehen mit einem neuen Quarterback in die Saison 2026. Nick Semptimphelter kommt aus Nashville, Tennessee, und bringt beeindruckende College Zahlen mit. Für Lambropoulos war offenbar früh klar, dass dieser Spieler fachlich und menschlich zu seiner Vorstellung von Offense Football passt.

"Als wir Nick gefunden haben und nachdem wir mit ihm gesprochen hatten, waren wir sicher, das passt zu 100 Prozent. Wenn man auf die Quarterbacks schaut, mit denen ich schon gearbeitet habe und wenn die Offenses gut funktionieren, da geht es immer darum, was wir erwartet haben. Ob jetzt mit Josh Golden oder Zack Whitehead. Und das sehe ich bei Nick genauso. Er ist super effizient, wie du gesagt hast, seine Completion Percentage war richtig hoch. Unglaublich hoch sogar. Mein Ansatz ist aber immer, ich will das noch verbessern. Keine Ahnung wie ich das anstellen soll, denn 79 Prozent ist verrückt", meinte Lambropoulos.

Gerade in dieser Passage wird deutlich, wonach die Cowboys auf der Quarterback Position gesucht haben. Es geht nicht nur um Armstärke oder große Highlights, sondern um Effizienz, Verlässlichkeit und Passgenauigkeit. Wenn ein Head Coach mit einem fast ungläubigen Unterton von 79 Prozent Completion Percentage spricht und im gleichen Atemzug sagt, er wolle diesen Wert am liebsten noch steigern, dann zeigt das auch etwas über den eigenen Anspruch. Die Cowboys haben sich offenkundig nicht einfach irgendeinen Spielmacher geholt, sondern einen Quarterback, der in das System passen und die Offense präzise steuern soll.

Im Umfeld der Cowboys wurde nach der Saison 2025 immer wieder darüber diskutiert, ob die Offensive Line in entscheidenden Momenten vielleicht der limitierende Faktor gewesen sei. Solche Debatten gehören im Football fast schon zum Standard, gerade wenn Teams tief in die Playoffs kommen und am Ende doch der letzte Schritt fehlt. Lambropoulos kann mit dieser vereinfachten Sichtweise allerdings wenig anfangen.

"Ich glaube ich war noch nie in einem Team, wo nicht jeder diesen Satz gesagt hat: Was ist mit der O Line, was wäre wenn wir eine bessere O Line hätten. Auch als ich bei Teams war wo wir nicht verloren haben, da wir mit dieser Positionsgruppe dominiert haben, haben die Leute genau die gleichen Sachen gesagt. Ich bin für mich persönlich zu der Meinung gekommen, ganz ehrlich es ist eine Position wie jede andere. Man stellt die Jungs da draußen hin, arbeitet an der Technik und der Umsetzung der Spielzüge und es geht um die Umsetzung. Da wo wir jetzt stehen, damit bin ich zufrieden, aber natürlich versuchen wir da noch besser zu werden. Wir versuchen immer diese Gruppe in allen Belangen zu verbessern", sagte der Cowboys Head Coach.

Damit setzt Lambropoulos einen klaren Kontrapunkt zu einer Diskussion, die im Football oft sehr schnell sehr pauschal geführt wird. Seine Antwort klingt fast wie ein Plädoyer für mehr Sachlichkeit. Ja, die Offensive Line ist wichtig. Ja, sie kann Spiele prägen. Aber sie ist aus seiner Sicht eben nicht die eine magische Stellschraube, mit der sich alle Probleme erklären oder alle Möglichkeiten herbeireden lassen. Vielmehr ordnet er sie als Teil eines größeren Ganzen ein. Technik, Ausführung, Abstimmung, Entwicklung, all das gehört für ihn zusammen. Und genau darin liegt wohl auch die interne Sicht der Cowboys: Es gibt keine Panik auf dieser Position, sondern den Anspruch, sich kontinuierlich zu verbessern.

Spannend ist auch, wie Lambropoulos über Ziele spricht. Viele Coaches formulieren vor einer Saison klare Platzierungen oder konkrete Zielmarken. Bei den Cowboys klingt das anders. Nicht, weil Ambition fehlen würde, sondern weil der Head Coach ganz offensichtlich nicht viel davon hält, sich an zu starren Zielbildern festzuklammern, wenn der Kader und seine Möglichkeiten erst die Richtung vorgeben müssen.

"Ganz ehrlich, früher war ich so, da habe ich bestimmte Ziele aufgeschrieben oder Punkte, die wir erreichen sollten. Aber ich denke, das ist manchmal zu speziell. Denn was da schnell passiert ist, man schreibt diese Sachen auf oder das wollen wir attackieren, aber dann stellst du dein Team zusammen. Und wären wir jetzt in der NFL Situation, da draftest du gewisse Spieler für gewisse Positionen oder in der NCAA, da recruitest du bestimmte Spieler. Hier hast du bestimmte Spieler und du musst dich anpassen und schauen, was kann ich mit diesem Kader umsetzen", erklärte Lambropoulos gegenüber Football aktuell.

Diese Sicht ist bemerkenswert ehrlich und passt sehr gut zu den Bedingungen im europäischen Football. Anders als in der NFL oder im College lassen sich Kader hier nicht bis ins letzte Detail nach Wunsch zusammensetzen. Vieles hängt von Verfügbarkeiten, Lebenssituationen, beruflichen Rahmenbedingungen und dem Gesamtgefüge des Teams ab. Lambropoulos beschreibt deshalb keinen Mangel an Zielstrebigkeit, sondern eine Form von Realismus. Er will nicht künstlich etwas versprechen, das am Ende nur gut klingt. Er will aus dem vorhandenen Kader das Maximum herausholen. Nach der Saison 2025 ist das ohnehin eine spannende Ausgangsbasis.

Denn die Cowboys gehen mit Selbstvertrauen in das neue Jahr, ohne dabei laut werden zu müssen. Sie haben bewiesen, dass sie in der Lage sind, in der GFL Süd weit vorne mitzuspielen und auch in den Playoffs Akzente zu setzen. Sie verfügen über ein eingespieltes Grundgerüst, müssen keinen radikalen Umbruch moderieren und haben mit Nick Semptimphelter eine neue, vielversprechende Lösung auf der Quarterback Position gefunden. Gleichzeitig zeigt der Tenor der Aussagen von Lambropoulos, dass man sich in München intern nicht in Schlagworten wie Titel, Pflicht oder Durchmarsch verliert. Der Weg ist wichtiger als die Parole.

Das macht die Cowboys vor 2026 so interessant. Wer nur auf nackte Ergebnisse schaut, sieht einen Halbfinalisten mit Potenzial. Wer auf die Aussagen des Head Coaches hört, erkennt ein Team, das sehr genau verstanden hat, warum 2025 funktioniert hat und wie schwierig es ist, Erfolg zu wiederholen. Gerade daraus könnte in München eine besondere Stärke entstehen. Die Cowboys wirken nicht satt, nicht überdreht, nicht hektisch. Sie wirken vorbereitet, reflektiert und klar in ihrer Ausrichtung. Oder, um es mit dem Grundgedanken ihres Head Coaches zu sagen: Nicht das Erreichte zählt jetzt am meisten, sondern alles, was nötig ist, um es noch einmal zu schaffen.

Foot Bowl - 08.04.2026

Lambropoulos

Lambropoulos (© Dirk Pohl)

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