Das Führungsgremium der NCAA Division I hat einen Beschluss gefällt, der verhindern soll, dass Sportprogramme Spieler verpflichten, die das Transferportal umgehen. Die Trainer, General Manager und Anwälte, die sich am besten mit dem Thema auskennen, sind sich jedoch uneins, ob die Regeln Bestand haben werden. Wie bei den meisten Fragen zur Spielberechtigung und zum Spielerwechsel im College Sport könnten im kommenden Herbst auch hier gerichtliche Auseinandersetzungen folgen.
Der am letzten Mittwoch verabschiedete Beschluss sieht harte Strafen für Programme vor, die Spieler aufnehmen, die ohne Eintragung in das Transfer Portal wechseln: eine halbjährige Sperre für den Cheftrainer, die ihn von allen Trainer-, Rekrutierungs- und Verwaltungsaufgaben ausschließt, sowie eine Geldstrafe in Höhe von 20 Prozent des Football-Budgets der Universität.
"Ich bin dankbar, dass das Kabinett der Division I der Empfehlung des FBS-Aufsichtsausschusses zugestimmt hat, Cheftrainer und Programme, die die Transferregeln umgehen, mit empfindlichen Strafen zu belegen und sie sofort zur Rechenschaft zu ziehen", sagte Vanderbilt Head Coach Clark in einer von der NCAA veröffentlichten Erklärung. "Dies ist ein notwendiger Schritt, um ein kritisches Problem der Kaderplanung in unserem Sport anzugehen und die Integrität des Transferfensters im Football zu schützen."
Die Idee hinter dieser Weisung entstand durch die Abschaffung des zweiten Transferfensters im April und die wachsende Befürchtung, dass Spieler die Regeln ignorieren, sich von ihren Universitäten abmelden und nach den Frühjahrstrainings woanders hingehen würden.
"Das wird für juristisches Chaos sorgen", sagte ein Cheftrainer der AAC gegenüber CBS Sports, "aber es wird die Kader größtenteils zusammenhalten – bis ein Spieler einen Prozess gewinnt." Diese Befürchtung ist begründet. Die US-Gerichte waren in den letzten Jahren nicht gerade gnädig mit der NCAA. Athleten haben eine Welle von Klagen gegen nahezu alle Bereiche der Autorität der Organisation eingereicht. Seit der 2,8 Milliarden Dollar schweren Entscheidung im Fall "House gegen NCAA" haben einzelne Spieler einstweilige Verfügungen erwirkt, die die NCAA zur Gewährung zusätzlicher Spielberechtigungen zwang. Die NCAA hat einige dieser Fälle gewonnen, aber allein die Unsicherheit birgt enorme Konsequenzen für die Frage, ob die Anweisung vom Mittwoch einer gerichtlichen Überprüfung standhält. Dennoch glauben andere, dass die Schwere der Strafen ausreicht, um das Verhalten zu ändern.
"Wenn sie es tatsächlich bei jemandem anwenden, der dagegen verstößt, dann wird es definitiv funktionieren", sagte ein Cheftrainer der ACC.
Andere Trainer bezweifeln jedoch, dass die Regel wirksam sein wird. Nachdem Regelbrecher jahrelang ungestraft blieben und Klagen die NCAA in bestimmten Bereichen handlungsunfähig gemacht haben, sind Zynismus und Skepsis gegenüber dem System durchaus normal.
"Das ist doch völliger Unsinn", sagte ein Cheftrainer der SEC gegenüber CBS Sports. "Wenn ein Spieler aus einem Team fliegt, kann er dann nicht in ein anderes wechseln?" Tatsächlich gab es solche Fälle bereits im College Football, und man geht davon aus, dass diese Beispiele das FBS-Aufsichtskomitee dazu veranlassten, neue Regeln einzuführen, um die Einflussnahme von Trainern innerhalb des Systems einzudämmen und Spieler daran zu hindern, das Transferportal zu umgehen.
Zwei Aufsehen erregende Transfers außerhalb des Transferfensters im letzten Jahr legten die strukturelle Lücke der NCAA offen und halfen damit zwei Playoff-Kandidaten. Defensive Back Xavier Lucas von Wisconsin wurde der Zugang zum Transferportal verweigert, woraufhin er sich von der Universität abmeldete und sich für Miami entschied. Die Badgers verklagten die Hurricanes wegen unerlaubter Kontaktaufnahme, da Lucas unter Vertrag stand. Miami setzte ihn trotzdem ein, und die Hurricanes zogen in das College Football Playoff Finale ein.
Im vergangenen Frühjahr drohte BYU Quarterback Jake Retzlaff eine Sperre von sieben Spielen wegen eines Verstoßes gegen den Ehrenkodex, nachdem beide Transferfenster bereits geschlossen waren. Daraufhin meldete er sich von BYU ab, schrieb sich als unbezahlter Spieler an der Tulane University ein und erhielt schließlich ein Stipendium. Er startete für die Green Wave, warf Pässe für 3.168 Yards und 15 Touchdowns und führte das Team in die College Football Playoffs. BYU hatte keine Handhabe. Wären beide Transfers heute erfolgt, müssten die betroffenen Universitäten mit erheblichen Strafen rechnen.
Ein General Manager eines Teams der Big Ten bezweifelt weiterhin, dass die neuen Strafen der NCAA das Fehlverhalten eindämmen werden.
"Der Wechsel von Xavier Lucas nach Miami im letzten Jahr hat nichts gebracht – außer, dass er um die nationale Meisterschaft gespielt hat", sagte er. "Die Regeln sind derzeit zahnlos. Solange niemand wirklich hart bestraft wird, hat niemand Angst. Wenn ich ein Top-Programm leite, wovor sollte ich mich fürchten? Die NCAA wird sich die leichten Ziele vorknöpfen und nicht die wirklich wichtigen." Ein General Manager der SEC teilte diese Bedenken und verwies auf Personal- und Logistikprobleme an den Universitäten und innerhalb der NCAA-Vollzugsbehörde. "Rechtliches Chaos", sagte er. "Keine dieser Regeln hat Gewicht und sie sind ohne ständige Prüfungen schwer durchzusetzen, und niemand hat die personellen Ressourcen, um sie effektiv durchzuführen."
Darren Heitner, der Anwalt von Lucas, glaubt, dass Gerichtsverfahren bevorstehen, sollte die NCAA Strafen verhängen. Gerichte haben die Möglichkeiten der Organisation, die Bewegungsfreiheit und die Vergütung von Athleten einzuschränken, wiederholt begrenzt. Zuletzt wurde Ole Miss Quarterback Trinidad Chambliss ein sechstes Jahr Spielberechtigung durch ein Gericht in Mississippi zugesprochen. Virginia Quarterback Chandler Morris strebt eine ähnliche Rechtshilfe an. Heitner hält den Versuch der NCAA, die Kaderkontrolle an den Strukturen der NFL zu orientieren, für verfehlt, da der Rechtsschutz der NFL auf Tarifverhandlungen beruht – einem Mechanismus, gegen den sich die NCAA lange gewehrt hat und den sie nicht besitzt. Die Gesetzesänderung, schrieb Heitner letzte Woche in seinem Newsletter, könnte der NCAA einige Monate Ruhe verschaffen, bevor das Herbsttrainingslager beginnt.
"Sobald aber ein Trainer suspendiert oder eine Hochschule mit einer Geldstrafe belegt wird, ist mit Klagen zu rechnen", sagte er. "Und angesichts des aktuellen juristischen Klimas im College Sport würde ich nicht darauf wetten, dass die NCAA diese Regeln erfolgreich verteidigen kann, zumindest nicht in ihrer jetzigen Form."
Wie ein Gerichtsverfahren aussehen könnte, ist ebenfalls eine spannende Frage. "Mich interessiert vor allem, wen sie verklagen", sagte ein Cheftrainer der Big 12. "Im Kern geht es darum, dass die Strafe nicht den Spieler trifft, sondern den Trainer und die Hochschule. Das wird wirklich interessant." Rein formal macht die neue Anweisung die Nutzung des Spielers für ein Programm katastrophal teuer, aber sie macht die Kostenrechnung nicht unmöglich. Ob ein Programm – insbesondere ein traditionsreiches mit Ressourcen und Anwälten – diese Strafen in Kauf nimmt und ob die NCAA den Willen und die personellen Ressourcen hat, solche Fälle zu verfolgen, bleibt die zentrale offene Frage.
Die NCAA hat bisher kein Spitzenprogramm wegen unerlaubter Spielerabwerbung bestraft, obwohl sich Trainer weiterhin gegenseitig beschuldigen. Dabo Swinney von Clemson sorgte in dieser Saison für den größten Aufschrei, indem er Ole Miss Trainer Pete Golding beschuldigte, Linebacker Luke Ferrelli, einen ehemaligen Spieler von Cal, abgeworben zu haben. Ferrelli hatte sich im Januar bei Clemson eingeschrieben, das Programm aber wenige Tage nach Schließung des Transferportals wieder verlassen und war zu Ole Miss gewechselt. Swinney behauptete, Golding habe Ferrelli während einer Vorlesung um 8 Uhr morgens per SMS nach seiner Abfindung gefragt und ihm ein Foto eines Vertragsangebots über 1 Million Dollar geschickt. Swinney reichte entsprechende Dokumente bei der NCAA ein und machte die Anschuldigungen in einer 25-minütigen Pressekonferenz öffentlich. Golding wies die Darstellung der Ereignisse zurück und erklärte, die Anwerbung habe bereits begonnen, bevor Ferrelli überhaupt in Clemson angekommen sei. Die NCAA hat sich bisher nicht öffentlich dazu geäußert.
Die Big Ten wandte sich letzten Monat mit einem Brief an die NCAA und argumentierte, die bestehenden Regeln gegen unerlaubte Kontaktaufnahme könnten "weder glaubwürdig noch gerecht durchgesetzt werden". Sie forderte ein Moratorium für die Ermittlungen, bis neue Regeln ausgearbeitet seien. "Diese Regeln wurden nicht für eine Welt konzipiert, in der Studenten-Athleten als vergütete Marktteilnehmer jährlich Entscheidungen mit erheblichen wirtschaftlichen Konsequenzen treffen", hieß es in dem Brief der Conference. "Das Aufeinandertreffen der alten Regeln mit der neuen Realität führt zu Ergebnissen, die der Gruppe schaden, die durch die Regeln geschützt werden sollte."
Unterdessen erhielt ein Gesetzesvorhaben, das den College Sport und die Durchsetzung seiner Regeln grundlegend verändern und der NCAA und ihren Mitgliedern möglicherweise Rechtssicherheit bieten würde, im vergangenen Monat in Washington, D.C. neuen Auftrieb. US-Präsident Trump setzte letzte Woche fünf Komitees ein, denen Dutzende von führenden Persönlichkeiten aus dem College- und Profisport angehören. Diese sollen dem Präsidenten Vorschläge unterbreiten, während die Republikaner den Score Act weiterhin durch den Kongress bringen.
Die Abstimmung vom Mittwoch zur Einschränkung von Transfers ohne vorherige Ankündigung ist nur eine kurzfristige Antwort auf ein größeres Problem und könnte, wie so viele NCAA-Regeln zuvor, letztendlich vor Gericht entschieden werden. Die Big Ten brachte ferner in ihrem Brief an die NCAA im vergangenen Monat die Schwere der Unsicherheiten im College-Sport auf den Punkt. "Das System des College Sports steht unter enormem Druck, sowohl intern als auch extern", warnte die Conference. "Systeme passen sich an oder sie brechen zusammen."
Schlüter - 03.04.2026

QB Jake Retzlaff ging zu Tulane und BYU konnte dieses nicht verhindern. (© Getty Images)
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