Von Raiola zu Colandrea

Anthony Colandrea soll wohl der neue Stamm-Quarterback für die Nebraska Cornhuskers werden. Am letzten Samstag konnten die Fans der Nebraska Cornhuskers im Memorial Stadium einen ersten Eindruck davon gewinnen, wie es nach der Ära Dylan Raiola aussehen könnte – und wie die Offensive ohne den Quarterback funktionieren könnte, der einst die Erwartungen des gesamten Programms trug. Der Quarterback-Kampf der letzten fünf Wochen bog in die Ziellinie und Anthony Colandrea scheint der neue Favorit für den Starter-Posten für die Saison 2026 zu sein. Der Neuzugang von UNLV zeigte den nötigen Biss, die Beweglichkeit und den mitunter unterschätzten Wurfarm, die die Huskers brauchen werden, um einen gefürchteten Rückschritt in diesem Herbst zu vermeiden. Seine Statistik – 12 von 19 Pässen für 80 Yards, zwei Touchdowns und eine Interception, die nicht ganz seine Schuld war – ist zwar nicht spektakulär, aber das ist bei den Zahlen aus dem Frühjahrstraining selten der Fall.

Colandrea scheint perfekt in das System zu passen, das Offensivkoordinator Dana Holgorsen spielen lassen will. Nebraska streute immer wieder etwas Tempo ein und zeigte so, wie die Huskers das Spieltempo erhöhen könnten, ohne es zu erzwingen. Colandrea wirkte dabei souverän und behielt die Kontrolle über die Offense. "Ich denke, Coach [Holgorsen] weiß genau, wann er das Tempo erhöhen muss", sagte Colandrea. "Und die Jungs lieben hohes Tempo, weil es die Defense aus dem Gleichgewicht bringt. Langfristig ist das enorm wichtig für uns."

Diese Souveränität stand im Kontrast zu den vergangenen Jahren unter Raiola, der oft dafür kritisiert wurde, den Ball zu lange zu halten und Sacks zu kassieren. Mit 3,22 Sacks pro Spiel belegte er in der letzten Saison den viertschlechtesten Wert in der FBS in der Gruppe der Quarterbacks. Mit Colandrea herrscht ein anderer Rhythmus – einer, der auf schnelleren Entscheidungen, Bewegung und der Fähigkeit basiert, Spielzüge zu verlängern, wenn der Schutz nachlässt. Colandrea erlief 14 Yards in drei Läufen, 12 davon in einem einzigen Lauf, der im Spielverlauf noch mehr Potenzial gehabt hätte. Nebraskas Quarterbacks durften nicht berührt werden, und der Pfiff ertönte sofort, sobald sich ein Verteidiger näherte.

"Das Besondere an Anthony, vor allem seine Spielweise, ist, dass er mit vollem Einsatz spielt", sagte Matt Rhule. "Er geht seinen Spielzugplan durch, und wenn Druck aufkommt, verlässt er die Pocket und versucht, Spielzüge zu kreieren. Er vertraut darauf, dass seine Mitspieler das schaffen." Der erste von Colandreas zwei Touchdowns resultierte aus einem Flip-Pass auf Jacory Barney, der sich in die Endzone schlängelte und damit den 14-Play-Drive über 60 Yards der ersten Reihe abschloss. Doch die Reaktion nach dem einzigen Ballverlust war besonders beeindruckend. Im darauffolgenden 11-Play-Drive über 75 Yards fand Colandrea ins Spiel und übernahm die Kontrolle. Er brachte fünf Pässe in Folge an, darunter einen präzisen Wurf in die enge Deckung an der Seitenlinie, der Barney für einen 27-Yard-Raumgewinn fand – der längste Pass eines Nebraska-Quarterbacks an diesem Tag. Drei Spielzüge später vollendete Colandrea den Drive mit einem Pass auf den Sophomore-Receiver Quinn Clark, der einen einhändigen 8 Yard Touchdown Fang in der vorderen Ecke der Endzone erzielte.

Wer Colandrea in den letzten Jahren beobachtet hat, weiß, dass seine Glanzleistungen von gelegentlichen Fehlentscheidungen begleitet werden und er nicht ohne Grund als der "Whoopsie Daisy King" bezeichnet wird. Das zeigte sich auch bei seiner einzigen Interception des Nachmittags. Colandrea versuchte, einen Pass in die enge Deckung zu Kwazi Gilmer zu erzwingen, der zwar nach dem Ball griff, ihn aber nicht fangen konnte und ihn so direkt in Donovan Jones' Hände abfälschte. In einem regulären Spiel wäre die Situation vielleicht anders verlaufen, doch die Entscheidung selbst war das Problem. Colandrea übernahm anschließend die Verantwortung. "Man muss den Ball einfach wegwerfen", sagte Colandrea auf die Frage nach der Interception. "Wenn der Spielzug nicht funktioniert, wirft man ihn einfach weg."

Dylan Raiola wiederum wird Richtung Oregon wechseln und es sieht bis heute nach einer einvernehmlichen Trennung, als eine plötzliche Trennung aus – ein Cut, der letztendlich für beide Seiten das Beste sein könnte. Es war ein sauberer Schnitt, der Nebraska die Möglichkeit eröffnete, einen Quarterback zu verpflichten, der besser zu Holgorsens System passte. Diese Möglichkeit führte schließlich zu Anthony Colandrea, dem amtierenden Offensivspieler des Jahres der Mountain West Conference, der 30 Starts in seiner Karriere zwischen UNLV (2025) und Virginia (2023–24) vorweisen kann. In diesem Zeitraum warf er Pässe für mehr als 7.400 Yards und 49 Touchdowns und erlief zusätzlich fast 1.150 Yards und 12 Touchdowns. Damit zeigte er genau die Art von Spielmacherqualitäten, die Nebraska in diesem Herbst nutzen möchte.

Schlüter - 31.03.2026

Anthony Colandrea soll wohl der neue Stamm-Quarterback für die Nebraska Cornhuskers werden.

Anthony Colandrea soll wohl der neue Stamm-Quarterback für die Nebraska Cornhuskers werden. (© Getty Images)

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