Team USA demütigt NFL-Spieler

Das erste Fanatics Flag Football Classic lief anders als erwartetSo hatten sich das wohl die Wenigsten vorgestellt: Die Flag Nationalmannschaft, angetreten als "Team USA", hat gegen zwei mit hochkarätigen NFL-Profis gespickte Teams, "Founders" und "Wildcats", das erste "Fanatics Flag Football Classic" Turnier hochverdient gewonnen. Die NFL-Spieler hatten vor allem im jeweils ersten Spiel überhaupt keine Chance gegen die regelgewohnte Nationalmannschaft.

Die Diskussion, wer denn dann letztendlich bei Olympia 2028 in Los Angeles die USA in der olympischen Disziplin vertreten soll, dürfte jetzt erst recht Fahrt aufnehmen. Nationalmannschaftsvertreter hatten sich kritisch über die bekanntgewordenen Olympia-Ambitionen einiger NFL-Profis geäußert: Schließlich ist Team USA seit Jahren amtierender Weltmeister – und wie man jetzt sehen konnte – absolute Spezialisten.

Die Idee war im September 2025 angekündigt worden und die Veranstaltung sollte ursprünglich in Riad stattfinden; wegen geopolitischer Entwicklungen – der Krieg gegen den Iran und seine Auswirkungen - wurde das Event nach Los Angeles verlegt und in ein Drei‑Team‑Format mit je 12 Spielern im Kader umgebaut. Ziel war es, Flag Football vor den LA28‑Olympischen Spielen prominent zu präsentieren.

In Los Angeles fand das gut vierstündige Turnier am Samstag im BMO Stadium vor spärlich besetzten Rängen, aber bei bestem Wetter, und vor den Augen von NFL Commissioner Roger Goodell statt. Übertragen wurde in den USA von FOX, aber bei Youtube konnte man von überall live dabei sein. FOX hatte das Kommentatorenteam Kevin Burkhardt und Ex-Tight End Greg Olsen wiedervereint, die ihre Chemie sofort wiedergefunden hatten. Olsen war aufgrund der Verpflichtung von Tom Brady bekanntlich "zwangsweise versetzt" worden. Wenn doch vereinzelt Regelfragen auftauchten, sprang Ex-Flag Spielerin und Sky Kommentatorin Phoebe Schecter kompetent ein.

Allerdings gewann man schnell den Eindruck, dass Burkhardt und Olsen deutlich mehr Regelkenntnis hatten als einige der (Ex-) NFL-Spieler auf dem Platz. Ständig gab es ungläubige Blicke bei vermeintlich unverständlichen Entscheidungen.

An den mehr als deutlichen Ergebnissen änderte das nichts: Gespielt wurden jeweils 2 x 15 Minuten mit laufender Uhr. Trotzdem demütigte Team USA die unter anderem mit Joe Burrow, Jayden Daniels, Davante Adams und Saquon Barkley angetretenen Wildcats, mit 39:14. Den "Founders" mit Jalen Hurts, Tom Brady, Rob Gronkowski und Stefon Diggs erging es anschließend kein bisschen besser: Sogar mit 43:16 zogen sie den Kürzeren.

Während die beiden "NFL-Teams" es vorwiegend aus der Shotgun mit "normalen" Footballspielzügen versuchten, nutzten die Flag Profis, die nebenher einer geregelten Arbeit nachgehen müssen, ihr ganzes Repertoire. Zwei Quarterbacks, die komplette Breite des Felds und viel Akrobatik am Mann, um sich nicht die eigenen Flaggen klauen zu lassen. Die deutlich kräftiger gebauten NFL-Spieler erinnerten an Traktoren im Geschicklichkeitsrennen gegen wendige Buggys.

Dass auf Seiten der Founders und Wildcats "Streaming Persönlichkeiten" zum Einsatz kamen, machte das Talentgefälle nur noch deutlicher.

Gespiel wurde nach modifizierten Regeln der olympischen Fassung: 5‑gegen‑5 auf 50 x 25 Yards, zwei Halbzeiten à 15 Minuten mit laufender Uhr; jeder gegen jeden, neben dem mit Abstand besten Team durften nach einem 34:26 gegen die Founders auch die Wildcats noch im Finale mitmischen.

Team USA gewann später auch das Finale gegen die Wildcats mit 24:14, wobei der Spielverlauf nicht mehr ganz so deutlich war. Verdient war der Sieg allemal und auch die MVP-Trophäe ging quasi einstimmig an den 36-jährigen Darrell Doucett III, der in drei Partien sechs Touchdowns erzielen konnte. Er durfte sich neben einer protzigen Trophäe (hier hatte man nicht gespart) wie seine Mitspieler über jeweils 100.000 Dollar Siegprämie freuen, was für sie offensichtlich lebensverändernde Gelder sind im Gegensatz zu den sicherlich mit hohen Antrittsgagen gelockten NFL-Spieler.

Tom Brady zeigte trotz seines Rücktritts starke Passleistungen, konnte die Niederlagen aber nicht verhindern; Rob Gronkowski musste nach einem Catch in der Endzone in der ersten Partie mit einer Oberschenkelverletzung vom Feld.

Die Mischung aus Sportprominenz und Entertainment zog hohe Einschaltquoten und viel Social‑Media‑Aufmerksamkeit an und lieferte zugleich eine praktische Generalprobe für LA28. Kritiker wiesen auf Kommerzialisierung und die ursprüngliche Austragungsort‑Kontroverse hin, doch sportlich unterstrich das Turnier die wachsende Legitimität von Flag Football.

Das Fanatics Flag Football Classic verband Show und Sport erfolgreich: Es setzte ein klares Signal für die Olympiapläne 2028, zeigte die Lücke zwischen NFL‑Stars und spezialisierten Flag‑Athleten und lieferte mit dem Triumph von Team USA ein sportliches Ergebnis, das die Entwicklung der Disziplin weiter befeuern dürfte – genauso wie die Diskussion, wer denn jetzt nun am Ende in zwei Jahren bei den Olympischen Spielen 2028 antreten soll. Jalen Hurts und Joe Burrow, die sich eindeutig für eine Teilnahme interessieren, haben jedenfalls nur wenig Argumente gesammelt.

Das komplette – werbefreie – Turnier lässt sich bei Youtube abspielen (ca. 4:30 Stunden).

Carsten Keller - 22.03.2026

Das erste Fanatics Flag Football Classic lief anders als erwartet

Das erste Fanatics Flag Football Classic lief anders als erwartet (© Carsten Keller)

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