Die Zukunft des europäischen Franchise-Football bleibt weiterhin offen. Während sich zahlreiche ehemalige Franchises der European League of Football neuen Projekten angeschlossen haben – darunter der European Football Alliance sowie der The League Europe – meldete sich ELF-CEO Željko Karajica nun in einem Interview auf dem YouTubekanal von Foot Bowl TV zu Wort.
Im Gespräch blickte Karajica zunächst auf die Entstehung der Liga zurück. Die ELF war 2021 mitten in der Corona-Pandemie gestartet. "Wir sind in einem unfassbar schwierigen Umfeld gestartet", sagte Karajica. Unterschiedliche Regelungen in mehreren europäischen Ländern und eingeschränkte Zuschauerzahlen hätten die Anfangsphase geprägt. Dennoch sei es gelungen, den Ligabetrieb aufzubauen und weiterzuentwickeln.
Kritik und öffentliche Debatte
In den vergangenen Monaten war die Liga verstärkt Kritik ausgesetzt. Mehrere Teams hatten ihren Ausstieg erklärt und neue Wettbewerbe angekündigt. Karajica erklärte, dass er grundsätzlich offen für sachliche Kritik sei, sich jedoch eine differenziertere Diskussion wünsche.
"Wenn siebzehn Parteien dabei sind – sechzehn Teams und eine Liga –, dann ist es selten nur schwarz oder weiß", sagte der ELF-Geschäftsführer. Man habe über mehrere Jahre hinweg mit vielen der beteiligten Franchises zusammengearbeitet, weshalb die Situation komplexer sei, als sie häufig dargestellt werde.
Verträge als zentraler Streitpunkt
Ein zentraler Punkt der aktuellen Auseinandersetzung sind bestehende Franchise-Verträge. Nach Angaben der ELF bestehen mit mehreren Teams weiterhin gültige Vereinbarungen.
"Es gibt Verträge und Verträge müssen eingehalten werden", betonte Karajica. Er nannte unter anderem Teams wie Tirol, Paris, Prag, Madrid, Nordic Storm und München als Organisationen mit laufenden Verträgen. Teilweise seien diese Franchises zudem Gesellschafter der Liga. Sollten Teams trotz bestehender Vereinbarungen in anderen Wettbewerben antreten, behalte sich die Liga rechtliche Schritte vor. "Wir werden alles tun, um dieses Recht auch einzuklagen", erklärte Karajica.
Saisonplanung 2026
Parallel arbeitet die ELF weiterhin an einer Saison für das Jahr 2026. Laut Karajica sei bereits ein Spielplan an jene Teams verschickt worden, von denen die Liga ausgehe, dass sie vertraglich gebunden sind. "Wir haben Deadlines gesetzt und warten jetzt auf Rückmeldungen", sagte er. Die Fristen würden in den kommenden Tagen auslaufen. Ziel bleibe weiterhin ein Saisonstart Ende Mai. Erst danach wolle die Liga endgültige Informationen zu Teams und Spielplan veröffentlichen.
Finanzielle Situation und Partner
Im Interview auf Foot Bowl TV sprach Karajica auch die finanzielle Situation der Liga an. Die ELF befindet sich derzeit in einem Verfahren der Eigenverwaltung. Hintergrund sei unter anderem eine geplante Kapitalerhöhung gewesen, die im vergangenen Jahr nicht zustande kam.
"Wir wären nicht in der Eigenverwaltung, wenn wir alle Rechnungen fristgerecht hätten bezahlen können", erklärte der CEO. Gleichzeitig betonte er, dass weiterhin Gespräche mit Partnern, Dienstleistern und Gläubigern geführt würden, um Lösungen für die Zukunft zu finden.
Auch zu den Medienpartnern äußerte sich Karajica. Trotz der aktuellen Unsicherheit stehe man weiterhin mit Sendern und Distributionspartnern in Kontakt. "Unsere Partner sind in absolut konstruktivem Austausch mit uns", sagte er. Erst mit einem finalen Spielplan könne jedoch über konkrete Sendeplätze gesprochen werden.
Rückblick auf fünf Jahre Wachstum
Rückblickend sieht Karajica auch strukturelle Gründe für die aktuellen Konflikte. Die Liga sei in kurzer Zeit stark gewachsen und habe mehrere neue Teams in unterschiedlichen Ländern integriert.
"Das Tempo, in dem wir gewachsen sind, hat uns eingeholt", räumte er ein. In einer Phase schnellen Wachstums sei die Kommunikation mit Franchises nicht immer optimal verlaufen.
Zukunft des europäischen Club-Football
Mit Blick auf die aktuelle Situation äußerte Karajica Zweifel, dass mehrere konkurrierende Ligen parallel bestehen können. "Es gibt keinen Platz für drei Ligen", sagte er. American Football in Europa habe zwar Potenzial, befinde sich jedoch weiterhin in einer frühen Entwicklungsphase. Eine Fragmentierung des Marktes könne daher zusätzliche Herausforderungen schaffen.
Gleichzeitig betonte der ELF-Chef, dass Gespräche mit allen Beteiligten grundsätzlich möglich seien. "Wir waren immer bereit, mit allen zu reden", erklärte Karajica.
Wie sich die Struktur des europäischen Club-Football in den kommenden Monaten entwickeln wird, bleibt damit weiterhin offen.
Foot Bowl - 10.03.2026

Željko Karajica steht mit dem Rücken zur Wand, gibt aber nicht auf (© Foot Bowl / Just Shots)
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