Jeden Tag gewinnen

Lou Holtz gilt noch heute als das emotionale Gesicht von Notre Dame.  Viele Erinnerungen ehemaliger Spieler und Assistenztrainer, die seinen Einfluss über drei Jahrzehnte als Cheftrainer miterlebt haben, werden in dieser Woche erzählt und erneut zusammengetragen. Manche Geschichten werden die Notre Dame Fans zum Schmunzeln bringen, wie die, als Holtz sich zwei Finger brach, um Tim Brown das Fangen eines Punts beizubringen. Andere sind vielleicht inspirierender oder berührender – Holtz war ein emotionaler Trainer, der an die Kraft des Glaubens und die Stärke eines hochmotivierten Teams glaubte und natürlich jeden Tag gewinnen wollte. Diese Geschichten werden weiterhin erzählt und tragen zur Würdigung seines Wirkens bei, sie sind aber nicht die entscheidenden Punkte, um seinen Einfluss angemessen zu würdigen. Er galt als das perfekte Gesicht für Notre Dame, als das Fernsehzeitalter in den 1980er- und 1990er-Jahren seinen Siegeszug antrat und war später eine unverwechselbare Stimme, die einem regional orientierten Sport in den 2000er-Jahren zu nationaler Bekanntheit verhalf. Holtz betrat den Campus in South Bend vor allem gerade noch rechtzeitig. Das einst stolze und titelgekrönte Programm holte er aus der Krise der frühen 1980er-Jahre.

Nachdem Ara Parseghian und Dan Devine zusammen drei nationale Meisterschaften gewonnen und in 17 Jahren zwölf Mal unter den Top Ten gelandet waren, verloren die Fighting Irish unter Gerry Faust in den 1980er-Jahren ihre Form und ihren Halt. Unter Faust gewann das Team nie mehr als sieben Spiele, und neue Gesichter eroberten die nationale Bühne: Penn State (1982) und Miami (1983) holten in zwei aufeinanderfolgenden Jahren ihre ersten nationalen Meisterschaften. Das Interesse am College Football wuchs in den USA, während Notre Dames Position in diesem Sport schwand. Eine verheerende 7:58 Niederlage gegen Miami im Jahr 1985 markierte den Tiefpunkt am Ende von Fausts Amtszeit.

Doch es dauerte nicht lange, bis Lou Holtz den Standard für Notre Dame wiederherstellte, und die Fighting Irish avancierten schnell zum größten Publikumsmagneten in einem Sport, der dank des Fernsehens einen regelrechten Boom erlebte. Holtz verkörperte den Gegenpart zu Miami in der Rivalität zwischen "Katholiken und Sträflingen", und sein schlagfertiger Witz und sein volkstümlicher Charme passten perfekt in die neue Medienlandschaft. Genau wie vor ihm Knute Rockne, war er der Mann zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

Natürlich wäre die Aufmerksamkeit ohne den Erfolg nicht dieselbe gewesen. Holtz nutzte den Schwung des 31:30 Sieges gegen Miami, um 1988 – in seiner dritten Saison als Head Coach – eine perfekte Saison mit 12:0 Siegen und die nationale Meisterschaft zu gewinnen. Die Fighting Irish bestätigten diese Leistung in der darauffolgenden Saison mit einer Bilanz von 12:1, wobei die einzige Niederlage gegen Miami im letzten Spiel der regulären Saison zustande kam. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere in South Bend gewann Holtz in sechs Spielzeiten (1988–1993) fünfmal zweistellige Siege und erreichte in diesem Zeitraum eine Bilanz von 64-9-1. Notre Dame war wieder eine Macht im College Football und Holtz war das Aushängeschild des Programms.

Während Holtz auf dem Spielfeld Erfolge feierte, bereitete Notre Dame abseits des Spielfelds einen bahnbrechenden Schritt vor. Das Urteil des Obersten Gerichtshofs im Fall NCAA gegen das Board of Regents der University of Oklahoma von 1984 half ihnen weiter und gilt heuten vielen College Football Historikern als Ausgangspunkt für den modernen College Football – zumindest was den Einfluss von Fernseh- und Medienrechten auf den Sport betrifft. Die Möglichkeit, Medienrechteverträge ohne die NCAA abzuschließen, führte zu mehr Fernsehübertragungen für die Fans und generierte höhere Einnahmen für die Universitäten und immer einflussreicher werdenden Conferences. Notre Dame wollte als Independent Team an diesen Möglichkeiten teilhaben, befand sich aber 1984 nicht in Bestform. Lou Holtz und seine sportlichen Erfolge verbesserten die Situation für de Universität und darin liegt die eigentliche Leistung des Head Coaches. Er bereitete das Comeback der größten US-Universität katholischen Glaubens vor und setzte das Programm auf die US-TV Bühne, so dass NBC und das Athletic Department sich nur noch über den Preis handelseinig werden mussten. 1990 gab die Universität schließlich den Fernsehvertrag mit NBC bekannt, der zur Saison 1991 in Kraft trat. Da Notre Dame nicht länger von der Auswahl für große nationale Sendezeiten abhängig war, konnte die Universität ihren Fans im ganzen Land genau sagen, wo sie die Fighting Irish im Fernsehen sehen konnten. Von dieser Medienrechtepartnerschaft profitiert die Universität bis heute.

Notre Dame hätte damals nicht dieselbe Position im Fernsehmarkt innegehabt, wenn das Footballteam nicht gerade 24 Siege in zwei Jahren errungen hätte, darunter die bisher letzte errungene nationale Meisterschaft und den zweiten Platz in der AP Top 25 Rangliste. Das heißt nicht, dass Notre Dame mit seiner landesweiten Anziehungskraft und seiner Erfolgsgeschichte nicht auch zu den frühen Gewinnern des College Football-Fernsehbooms gehört hätte. Doch der Erfolg der ersten Jahre unter Holtz prägte die Dynamik des Programms in dieser neuen Ära maßgeblich.

Die romantischen Werte und die Stärkung des Traditionsbewusstseins, das sich noch heute mit dem im Treppenhaus befindlichen "Play like a Champion" Schild ablesen und berühren lässt, waren schließlich nur das Gemüse auf der Fleischplatte. Doch im Hinblick auf das Gesamtbild ein integraler Bestandteil der rund 12 Geschichten, die die Media-Abteilung im Joyce Center der Fighting Irish noch heute in regelmäßigen Abständen immer wieder zum Besten gibt.

Schlüter - 05.03.2026

Lou Holtz gilt noch heute als das emotionale Gesicht von Notre Dame.

Lou Holtz gilt noch heute als das emotionale Gesicht von Notre Dame. (© Schlüter)

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