Indianapolis ist in dieser Woche das Zentrum des American Football. Im Lucas Oil Stadium laufen seit Donnerstag die Trainings des NFL Scouting Combine 2026 und die ersten Ergebnisse haben bereits für Aufsehen gesorgt. 319 Spieler wurden in diesem Jahr eingeladen, nur 32 von ihnen werden am 23. April in Pittsburgh in der ersten Runde des NFL Draft aufgerufen. Was in Indianapolis passiert, entscheidet mit darüber, wer es sein wird.
Der Combine ist weit mehr als ein athletischer Schaukampf. Körpermaße, 40-Yard-Sprint-Zeiten, Sprungwerte und positionsspezifische Drills liefern Scouts und Managern jene Informationen, die auf dem Video allein nicht immer sichtbar sind. Wer die aktuellen Entwicklungen rund um den NFL Draft verfolgen möchte, findet in der NFL-News-Rubrik laufend neue Berichte aus Indianapolis und noch vieles mehr..
Styles schreibt Geschichte
Für großen Gesprächsstoff nach Tag 1 in Indianapolis sorgt Sonny Styles. Der Linebacker von der Ohio State University hat am Donnerstag eine Vorstellung abgeliefert, die in die Bücher eingehen wird. 43,5 Zoll im Vertical Jump, das ist der beste Wert für einen Linebacker seit Beginn der ESPN Datenerhebung im Jahr 2003. Dazu ein Broad Jump von 11 Fuß und 2 Zoll sowie ein 40-Yard-Sprint in 4,46 Sekunde und das bei einer Körpergröße von 1,96 Meter und 110 Kilogramm.
Styles war vor dem Combine bereits als potenzieller Top-10-Pick gehandelt worden. Der Analyst Jordan Reid brachte es nach dem Training auf den Punkt: Er sei sich nicht mehr sicher, ob Styles überhaupt noch aus den Top 5 herausfällt. Seine Kombination aus Größe, Instinkt und Athletik macht ihn zu einem der besten Linebacker Nachwuchstalente seit Jahren und möglicherweise dem ersten Top 5 Pick auf dieser Position seit Devin White im Jahr 2019.
Banks meldet sich zurück
Einer der überraschendsten Gewinner des ersten Combine-Tages ist Floridas Defensive Tackle Caleb Banks. Der 2,00 Meter große, 148 Kilogramm schwere Verteidiger hatte die vergangene Saison nahezu vollständig verletzt verpasst und war mit zahlreichen Fragezeichen nach Indianapolis gereist. Was er dort zeigte, hat viele Scouts verblüfft.
Banks hat eine Armspannweite von 85,75 Zoll, das ist die längste unter allen Defensive Tackles am Combine seit 1999 und lief den 40-Yard-Sprint in 5,04 Sekunden. Dazu ein Vertical Jump von 32 Zoll. Der Analyst Matt Miller schrieb nach dem Training, Banks könnte allein durch seine Zeiten vom Donnerstag in die erste Runde gerutscht sein. Vor dem Combine war er als später Erstrunden- oder früher Zweitrunden Kandidat eingestuft worden.
Bain und die kurzen Arme
Kein Name wurde in Indianapolis häufiger diskutiert als Rueben Bain Jr. von der Universität in Miami. Er gilt als einer der besten Pass Rusher des gesamten Jahrgangs, er erzielte 9,5 Sacks und 71 Pressures in der letzten Saison. Doch durch seine gemessene Armlänge von nur 78,4 Zentimetern entfachte eine neue Diskussion bei den Scouts.
Laut ESPN hat seit 1999 kein Pass Rusher mit unter 31 Zoll Armlänge in einer NFL-Saison zweistellige bei den Sacks erreicht. Bain ließ zudem sämtliche athletischen Tests aus und absolvierte keine On-Field-Drills. Der Analyst Matt Miller, der Bain als eines seiner besten Nachwuchstalent führt, geht davon aus, dass der Rusher trotz der Diskussionen in Runde 1 gedraftet wird, aber ein Top 5 Pick wird unwahrscheinlich.
Ähnlich schwierig ist die Situation für Texas A&M Pass Rusher Cashius Howell, dessen Armlänge mit 76,8 Zentimetern sogar noch kürzer gemessen wurde. Historisch wären das die kürzesten Arme eines Defensive Linemen in der ersten Runde seit Beginn der ESPN-Aufzeichnungen 2003. Howell lief zwar einen starken 40-Yard-Sprint in 4,6 Sekunden, verließ aber die Position Drills früh wegen einer Beinverletzung.
Bailey und Reese liefern ab
Während Bain Fragen hinterließ, haben andere Pass Rusher die Gelegenheit genutzt. David Bailey von der Texas Tech University lief den schnellsten 40-Yard-Sprint aller Defensive Linemen am ersten Tag mit 4,5 Sekunden und zeigte in den Bag Drills jene Power und Explosivität, die Scouts bereits vor dem Combine schon begeistert hatte. Auf manchen Draft-Boards wird er bereits als möglicher zweiter Pick gehandelt. Bailey hatte in der vergangenen Saison 14,5 Sacks, 23 Tackles for Loss und 71 Pressures, die Zahlen sprechen für sich.
Ohio States Arvell Reese komplettierte das starke Bild der Buckeyes mit einem 4,47 Sprint und beeindruckenden On-Field Drills. Reid sieht ihn weiterhin als einen der stärksten Kandidaten für Pick Nummer 2 der New York Jets. Sein Teamkollege Kayden McDonald, der als möglicher erster Nose Tackle der Draft-Geschichte gilt, lieferte ein gemischtes Bild. Eine starke Oberkörperkraft, aber Probleme mit der Fußarbeit in mehreren Drills.
Die QB-Frage bleibt offen
Am Samstag stehen die Quarterbacks auf dem Feld, und die Spannung ist groß. Fernando Mendoza von der Indiana University, die klare Nummer 1 im gesamten Jahrgang und aller Voraussicht nach Pick Nummer 1 der Las Vegas Raiders.
Ty Simpson von Alabama und Garrett Nussmeier von der LSU kämpfen beide um den Titel des zweitbesten Quarterbacks. Beide hatten gemischte Saisons und konnten die Scouts noch nicht vollständig überzeugen. Laut den aktuellen ESPN Draft-Rankings wird Simpson irgendwo zwischen später erster und früher zweiter Runde eingeschätzt, Nussmeier sogar erst ab Runde 3. Samstag in Indianapolis haben beide die Chance, diese Fragezeichen mit guten Würfen vor den Augen der Scouts zu beseitigen.
Auf der Receiver Seite gilt Tight End Kenyon Sadiq aus Oregon als einer der spannendsten fürs Wochenende. Scouts erwarten einen Vertical Jump von über 41 Zoll und eine 40-Yard-Sprint Zeit im niedrigen 4,5-Sekunden-Bereich. Wer den NFL Draft auch aus Wett-Perspektive verfolgt, findet auf wettprognosen.com aktuelle Sportwetten-Tipps und Prognosen zu den größten Events der Saison.
Ohio State dominiert den Combine
Was diese Combine bereits jetzt deutlich macht, ist, dass Ohio State den Draft 2026 dominieren könnte wie kaum eine Universität zuvor. Sonny Styles, Caleb Downs, Arvell Reese, Kayden McDonald und Carnell Tate werden alle als potenzielle Erstrunden-Picks gehandelt. Laut dem Analysten Matt Miller könnten alle fünf starke Combine Wochen hinlegen und die erste Runde in Pittsburgh könnte dann zum größten Teil in Scharlachrot und Grau gefärbt sein.
Thomas Koch - 01.03.2026

Sonny Styles (Ohio State Buckeyes) beim 2026 NFL Scouting Combine im Lucas Oil Stadium (© Getty Images)
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