Vereins-Football ist dauerhaft erfolgreich

Claus HoltzClaus Holtz ist der Präsident des American Football und Cheerleading Verbandes Niedersachsen (AFCVN). Über zukünftige Aktivitäten des Landesfachverbandes gab er im nachfolgenden Interview Auskunft und teilte seine Ansichten über die Zukunft des professionalisierten Footballs und des Vereins-Footballs mit und informierte über seine zukünftigen sportpolitischen Ambitionen. Die Fragen stellte Jörg Schlüter.

Das Jahr 2026 ist noch jung, die American Football Saison 2026 steht vor der Tür. Welche Aktivitäten plant der AFCV Niedersachsen für das Jahr 2026?

Claus Holtz: Der AFCVN entwickelt sich aktuell sehr rasant von einem Zweispartenverband zu einem Dreispartenverband. Seit 5er Flag Football für 2028 Los Angeles olympische Sportart geworden ist, explodiert die Anzahl der Teams. Aktuell haben wir im Landesverband 14 Erwachsenenteams und auch 14 Jugendteams in drei Altersklassen im Spielbetrieb. Da müssen wir Strukturen, Regularien und Personal anpassen und nachführen.

Im Tackle Bereich diskutieren wir im Präsidium Fördermaßnahmen für neu zu gründende B-Jugend Teams. Da hoffen wir, den Vereinen für 2027 oder 2028 teilweise finanzielle Unterstützung anbieten zu können, je nach Kassenlage. Und im Cheerleading versuchen wir durch gezielte Ansprachen von Squads, die bei anderen Verbänden eingeordnet sind, diese für den AFCVN zu begeistern.


Wird es 2026 auch wieder eine Neuauflage des BeachBowls geben?

Claus Holtz: Wir als Veranstalter haben dem BeachBowl mit ihrer Vorsitzenden Melanie Hoppe auch dieses Jahr die Ausrichterrechte Ende Januar übertragen. Damit geht der AFCVN davon aus, dass die Ausrichter wie in den Vorjahren auch ein tolles und erfolgreiches Turnier durchführen werden.

2021 kritisierten Sie das Konzept einer so genannten professionalisierten europäischen Liga als nicht nachhaltig. Sie hat sich in der Tat als nicht nachhaltig erwiesen, befindet sich mittlerweile in einer Insolvenz in Eigenverwaltung und es wurde wohl auch viel Vertrauen bei den Fans zerstört. Zwei bis drei neue Ligen wollen nun als "Erben" starten. Wie viel Chancen räumen Sie diesen Entrepreneuren und deren Konzepten ein?

Claus Holtz: Das Vertrauen ist nicht nur bei den Fans, sondern auch bei den Investoren und Werbetreibenden zerstört. Sie, Herr Schlüter, sprechen die Chancen der "Erben" der ELF an. Wie sollen die sich denn nachhaltig erfolgreicher finanzieren als ihr Vorgänger? Über Zuschauereinnahmen? Nein. Über Werbeeinnahmen? Nein. Über Rechtevermarktung? Nein. Das hat alles bisher nicht gereicht. Bleiben Investoren von Risikokapital. Und die Erst-Investoren der ELF haben nach meinem Wissen sowohl im Bereich der Franchisegeber als auch im Bereich der Franchisenehmer – sprich Teams – alle 100 Prozent ihres eingesetzten Kapitals verloren. Und so wird es weitergehen, und so wird es auch enden. Das ist alles nur eine Frage der Zeit.

Welche Rolle kann nach Ihrer Meinung in diesem Zusammenhang der klassische Vereins-Football spielen? Immerhin erleben wir seit rund 50 Jahren im Amateursegment Versuche, American Football in der Öffentlichkeit sichtbarer zu machen und haben diverse "Ups- and Downs" erlebt.

Claus Holtz: Die Gemeinwohlorientierung des Vereins-Footballs macht ihn weniger anfällig und wird nach meiner Ansicht dazu führen, dass wir American Football auf Semi-Professionellem Spitzenniveau nachhaltig nur in den Lizenzligen des AFVD sehen werden. Hier ist insbesondere die GFL hervorzuheben. Die wirtschaftliche Basis ist einfach dauerhaft breiter aufgestellt. Natürlich spielen auch hier Zuschauereinnahmen, Werbeeinnahmen und Rechtevermarktung eine große Rolle. Dazu kommen aber vielfach die Unterstützung der öffentlichen Hand, massenhaft ehrenamtliche Supporter, Mäzene als Geldgeber ohne eigene wirtschaftliche Interessen, Einnahmen aus Mitgliedsbeiträgen und die steuerliche Begünstigung der Gemeinnützigkeit. Das macht dieses Modell dauerhaft erfolgreich.

Als ehemaliger Vorsitzender des 1. FFC Braunschweig und ehemaliger Sportdirektor der Tackle Nationalmannschaft und amtierender Präsident des AFCV Niedersachsen verfügen Sie über eine bemerkenswerte Expertise. Der Posten eines AFVD Vizepräsidenten ist vakant geworden und es gibt Stimmen, die Claus Holtz diese Aufgabe zutrauen. Wollen Sie kandidieren? Mit welchen strategischen Ansätzen würden Sie diese Aufgabe wahrnehmen wollen?

Claus Holtz: Das AFVD hat zur Nachwahl der Funktion eine außerordentliche Bundesversammlung einberufen und das Präsidium hat angekündigt, mich als Kandidat vorzuschlagen. Im Falle einer Wahl würde ich dieses Vertrauen auch rechtfertigen wollen und die Wahl annehmen. Ich bin seit nun fast 20 Jahren ehrenamtlich im American Football in Deutschland als Funktionär aktiv. Mit meinen Kollegen/innen in den 14 anderen Landesverbänden und auch in den AFVD hinein bin ich national gut vernetzt. Aus meiner Zeit als Sportdirektor der Herren Nationalmannschaft sind auch gute Kontakte auf internationaler Ebene in die IFAF entstanden, die ich nach wie vor pflege. Ich kann mir gut vorstellen, auf dieser Basis die Aufgabe im Sinne des Football in Deutschland auszuüben. Meine Lust, für den Football zu arbeiten ist ungeschmälert. Ich stehe Vollzeit ehrenamtlich für meine Passion - ohne andere Abhängigkeiten - zur Verfügung. Eine Strategie ist dazu vorab aber schwierig zu entwickeln. Letztlich wären die Landesverbände und das AFVD Präsidium in dem Sinne ja meine "Auftraggeber", für die das Ganze zu erfolgen hätte.

Auf welchem organisatorischen Level wird, nach Ihrer Meinung, der organisierte bundesdeutsche American Football in zehn Jahren stehen?

Claus Holtz: Meine vorherigen Ausführungen an dieser Stelle zum klassischen Vereins-Football geben dazu schon einen ersten Einblick. Zehn Jahre sind aber eine lange Zeit. Natürlich wird es Weiterentwicklungen sowohl in den Lizenzligen des AFVD als auch in den unteren Ligen der Landesverbände geben. Es werden sicherlich mehr Mittel zur Verfügung stehen als heute. Gleichzeitig werden damit auch die Möglichkeiten der handelnden Personen größer und professioneller. Eine NFL nach amerikanischem Vorbild sollten wir aber nicht anstreben, sondern unseren eigenen Weg gehen. Das passt dann auch besser in den vorhandenen Rahmen.

Schlüter - 26.02.2026

Claus Holtz

Claus Holtz (© AFCVN / AFVD)

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