Millionenverluste in der ELF

Vieles deutet darauf hin, dass die ELF 2026 nicht an den Start gehen wird.Auch wenn Unternehmer Zeljko Karajica es nicht wahr haben möchte und vor wenigen Tagen einen neuen Spielplan angekündigt hat, alles deutet darauf hin, dass die European League of Football Geschichte ist und sich gespalten hat. Aus einem Projekt wurden zwei: EFA und AFLE.

Die Diskussionen waren laut. Viele Fans reagierten emotional. In den Sozialen Medien wurden immer mehr Hintergründe veröffentlicht, die aber oft nur von angeblichen Insidern stammten und sich meist nur kurze Zeit später als Fake-News offenbarten. Ein großer Teil der Football Community verstand den Bruch daher nicht. Doch für die meisten und auch für Thomas Kösling war er jedoch unausweichlich. Der Head Coach der Frankfurt Galaxy sieht die Entwicklung nicht als Scheitern. Er sieht sie als notwendige Korrektur.

In der Erdinger Brauhaus Webshow auf Foot Bowl TV sprach Kösling ungewöhnlich offen über die Hintergründe. Über wirtschaftliche Risiken. Über Vertragsmodelle. Und über die Frage, warum dieser Schnitt kommen musste.

Millionenverluste und strukturelle Probleme

Kößling redete nicht um den heißen Brei herum. Für ihn war das Problem nicht sportlich. Es war strukturell. "Football kostet viel, viel Geld. Und die ELF hat den Franchises viel, viel Geld gekostet, mindestens sechs- bis siebenstellig waren die Verluste, die jedes Franchise jedes Jahr eingefahren hat," so der Head Coach der Galaxy.

Das seien Zahlen, die man nicht dauerhaft ignorieren könne. Euphorie allein trage kein Geschäftsmodell. Leidenschaft ersetze keine Struktur.

Warnsignale schon bei der Gründung der ELF

Besonders bemerkenswert ist Köslings Blick zurück auf die Anfänge. Zum Jahreswechsel 2020/2021 wurden erste Gespräche zur Gründung der ELF geführt. Schon damals wurden viele kritische Stimmen laut, u.a. äußerte sich Tilman Engel, von 1991 bis 2007 für Frankfurt Galaxy tätig, zu dem neuen Projekt.

Kösling war zu dieser Zeit bei jedem Treffen dabei. Allen Beteiligten war damals schon klar, dass wenn sie unterschreiben, dass sie erstmal durch die Inhalte der Verträge in Schieflage kommen werden. Der größte Teil hat die "Knebelverträge" aber dennoch unterzeichnet, in der Hoffnung, dass sie in der Zukunft immer mal wieder angepasst würden, zu Gunsten der Franchises und des gesunden Wachstums. Einige Verantwortliche hingegen haben sich vorab schon dagegen entschieden, zu riskant und finanziell nicht tragbar. Was viele nicht wussten, auch die New Yorker Lions saßen damals mit am Tisch und wollten Teil der ELF werden. Doch sie unterschrieben nicht.

"Die New Yorker Lions waren von Anfang an mit an Bord. Die haben diesen Franchisevertrag ihren Anwälten vorgezeigt und da haben die gesagt: "Nee, nee, nee, nee, nee, das können wir hier so nicht unterschreiben. Das ist ein Totalverlust. Und dann sind sie einen Tag später wieder in die GFL gegangen."

Die New Yorker Lions waren daher nie Teil der ELF. Sie haben lediglich an den Gründungsgesprächen teilgenommen, um ihre Optionen zu prüfen. Sie waren durchgehend Teil der German Football League. Damals sorgte dieser Schritt für Verwunderung. Heute wirkt er rückblickend wie ein frühes Warnsignal. Kösling formuliert es nüchtern: "Einige sind von dem Businessmodell überzeugt gewesen – andere eben nicht." Er spricht nicht von Schuld. Er spricht von unterschiedlichen Einschätzungen. Doch am Ende habe die wirtschaftliche Realität entschieden.

Die ELF war wichtig – aber kein Endprodukt

Trotz aller Kritik distanziert sich Kösling nicht von der Vergangenheit. Er erkennt an, was die ELF bewegt hat. Sie brachte Investoren nach Europa und erhöhte die mediale Sichtbarkeit. Sie schuf erstmals ein professionelles Gesamtbild. Die Macher hatten den Mut so eine gewaltige Liga aus dem Boden zu stampfen. Doch irgendwann sei klar gewesen, dass die Euphorie allein nicht reicht. "Diese Euphorie ELF, diese Marke, die wir alle erschaffen haben, ist halt leider nicht mehr," so Kösling. Der Bruch sei daher keine Niederlage. Er sei eine Weiterentwicklung.

Warum Kößling die EFA sportlich stärker sieht

Heute konzentriert sich der Galaxy-Coach ausschließlich auf die EFA. Die AFLE beobachtet er, mehr nicht. Sein Fokus liegt auf dem sportlichen Niveau seiner Liga, in der er coacht. Kösling meint: "Ich bin froh, dass wir in der EFA durch die Bank weg die stärkeren Teams haben und das macht die Liga für mich auch interessant." Er beschreibt die EFA als eine Liga ohne klare Außenseiter und weiter: "Kein Team in der EFA hat einen negativen Rekord gehabt. Alle sind auf einem Level und du weißt jetzt noch nicht, wer Champion wird." Für ihn bedeutet das echte Spannung. Keine Pflichtsiege. Keine strukturellen Schieflagen. Sondern ausgeglichene Duelle Woche für Woche.

Skepsis gegenüber neuen Projekten in der AFLE

Parallel entstehen in der AFLE neue Franchises. Alpine Rams und ein Franchise in Italien. Auch in Paris gibt es nun ein AFLE Projekt neben den etablierten Musketeers, die sich zu der EFA bekennen. Kösling sieht das schwer als realistisch: "Ich weiß nicht, wie realistisch es ist, dass du da ein zweites gutes Team so kurzfristig auf die Beine stellst. Die Musketeers sind stabil und da bleiben alle Spieler. In der Praxis ist das fragwürdig." Er stellt nicht die Idee infrage. Er hinterfragt die Umsetzbarkeit. Ein gewachsenes Projekt ersetze man nicht über Nacht.

Zwei Ligen sind kein Dauerzustand

Die Spaltung ist da. Sie ist Realität. Doch Kösling denkt langfristig. Der Cheftrainer ist sich sicher: "Um europäischen Football wirklich nach vorne zu bringen, sollte es in drei Jahren keine zwei Ligen mehr geben." Für ihn ist das keine Kampfansage. Es ist eine Hoffnung. Solange jedoch zwei Modelle existieren, konzentriert er sich auf seine Aufgabe als Head Coach der Frankfurt Galaxy. Politik spiele für ihn im Alltag keine Rolle. Struktur und sportliche Qualität schon.

Fazit

Thomas Kösling spricht nicht aus Emotion. Er spricht aus Erfahrung. Die ELF war der Start. Der Bruch war die Konsequenz. Die EFA ist für ihn das nächste Kapitel. Es geht nicht um Lager, sondern um Nachhaltigkeit. Es geht nicht um Schlagzeilen, vielmehr geht es um Stabilität. Und am Ende geht es um eines: europäischen Football auf Top-Niveau.

Foot Bowl - 22.02.2026

Vieles deutet darauf hin, dass die ELF 2026 nicht an den Start gehen wird.

Vieles deutet darauf hin, dass die ELF 2026 nicht an den Start gehen wird. (© Foot Bowl / Just Shots)

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