Das Tua Problem

Kommt tatsächlich das Aus für QB Tua Tagovailoa in Miami?Vor einer schwierigen Frage stehen der neue General Manager Jon-Eric Sullivan und Head Coach Jeff Hafley: was machen sie mit QB Tua Tagovailoa. Seit er von den Miami Dolphins 2020 als 5. Spieler überhaupt gedraftet wurde, gibt es Kritik an ihm - egal wie gut seine Leistungen auf dem Feld am Ende tatsächlich waren. Als beschlossene Sache galt es, dass der Quarterback Anfang 2026 Miami verlassen wird, doch mit dem Wechsel der sportlichen Verantwortung wäre die Chance da in dieser Frage zurückzurudern.

Faktisch gilt Tagovailoa als Spielmacher mit großem Talent. "Tank for Tua" wurde in der Saison 2019 in Miami kolportiert, in der Hoffnung einen Quarterback zu bekommen, der die Franchise zurück in die Erfolgsspur führt. Doch die Dolphins gewannen ein paar Spiele mehr und hatten so nicht mehr den 1. Pick der Draft, was ihnen zumindest die Entscheidung zwischen Tagovailoa, Burrow und Herbert abnahm. Da sich Tagovailoa verletzte, rutschte er bis an die fünfte Position durch, wo ihn die Dolphins auswählten (direkt vor QB Justin Herbert, der zu den Chargers ging).

Und eigentlich tat Tagovailoa das, was von ihm erwartet wurde: er gewann Spiele. Als Rookie wurde er nach sechs Spielen für QB Ryan Fitzpatrick aufs Feld geschickt und gewann sechs seiner neun Starts. Dabei hatte er aber 2021 und 2022 immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen und verpasste so mehrere Partien - dennoch war Miami mit ihm erfolgreicher als ohne ihn. 2022 führte er die NFL im Passer Rating an, 2023 wurde er für seine Leistung in den Pro Bowl berufen und er hatte die meisten Passyards aller NFL Quarterbacks vorzuweisen. 2024 hatte er die höchste Rate an vollständigen Pässen in der gesamten NFL. Und in jeder seiner sechs Spielzeiten warf er mehr Touchdown-Pässe als Interceptions.

Nicht aufhören wollte aber die Kritik: zu verletzungsanfällig, trifft schlechte Entscheidungen, zu wenig Konstant, gewinnt zu wenig Spiele - waren die gängigsten Vorwürfe gegen den Quarterback, vor allem nachdem dieser 2024 einen neuen Vier-Jahres-Vertrag über 212 Millionen Dollar unterzeichnet hatte. Gegen die Buffalo Bills bekam er am zweiten Spieltag einen Hit mit dem Helm von Safety Damar Hamlin ab und fiel erstmal mit Gehirnerschütterung einige Wochen aus, was ihm wieder Kritik einbrachte. Ohne Tagovailoa schienen die Dolphins hilflos zu sein im Angriff, seine Rückkehr nach fast zwei Monaten brachte zwar nicht mehr die Wende der schlechten Saison, verbesserte aber die Saisonbilanz des Teams.

Dass die Saison der Dolphins 2025 katastrophal verlief, wurde ebenso dem Quarterback angelastet, der mit 15 Interceptions (20 Touchdowns) sicher seinen Beitrag leistete und damit seinen Kritikern Angriffsfläche bot. Head Coach Mike McDaniel setzte ihn gegen Saisonende auf die Bank und gab QB Quinn Ewers den Starterposten, weshalb das Aus von Tagovailoa in Miami mehr als nur eine Möglichkeit zu sein scheint. Dabei vergessen jedoch alle Kritiker, dass die Offensive Line der Dolphins erneut dem Quarterback keinerlei Schutz bot: Bis auf C Aaron Brewer rangierten alle Starter im NFL Vergleich von der statistisch messbaren Leistung (zB zugelassene Sacks, zugelassener Druck auf den QB) im hinteren Drittel, was natürlich zu überhasteten Würfen und zu Interceptions führt.

Durch die Entlassung von General Manager Chris Grier und Head Coach Mike McDaniel ist eine neue Zeitrechnung in Miami angebrochen. Die Frage dabei ist nur, ob mit oder ohne Tagovailoa. Viel spekuliert wird derzeit nach den Entlassungen von WR Tyreek Hill und OLB Bradley Chubb, wann Tagovailoa folgen wird.

Dank seinem Vertrag wäre aber eine Entlassung fast schon sportlicher und finanzieller Selbstmord. Alleine durch Hill und Chubb muss Miami mehr als 50 Millionen Dollar an "Dead Cap" in seine Bilanz schreiben - folgt Tagovailoa könnten bis zu 99.2 Millionen Dollar dazukommen, also wäre die Hälfte der Gehaltsobergrenze für die TOP 51 Spieler eines Teams für Spieler verwendet, die nicht einmal mehr zum Team gehören. 99.2 Millionen Dollar wäre die sofortige Abschreibung von Tagovailoas Vertrag aus der Teambilanz bei seiner Entlassung. Von rund 160 Million Dollar müssten dann die 51 Spieler des Teams bezahlt werden, was Miami in Schwierigkeiten bringen könnte hinsichtlich seiner aktuellen Verträge (zB Minkah Fitzpatrick, Jaylen Waddle).

Wird der Quarterback erst zum 1. Juni entlassen, kann sein Vertrag aufgespalten werden in 2026 (55.4) und 2027 (43.8). Ein Trade hingegen würde "Kosten" von 45 Millionen Dollar (bis 31. Mai) oder 13.5 Millionen (ab 1. Juni) mit sich bringen, wäre also für die Dolphins die wesentlich bessere Variante. Nur wer nimmt einen Vertrag mit einer Garantie für 2026 von rund 56 Millionen Dollar an?

Nicht schweigen wollen die Stimmen, die fordern Miami soll Tagovailoa komplett entlassen und die knapp 100 Millionen Dollar an "Dead Cap" für den Quarterback verkraften. Als Folge wäre dann allerdings, dass auch Spieler wie S Minkah Fitzpatrick, WR Jaylen Waddle, LB Jordyn Brooks, DT Zach Sieler, RB De'Von Achane, K Jason Sanders oder FB Alec Ingold zur Disposition stünden, um die Salary Cap für die Saison 2026 (zwischen 301 und 306 Mio Dollar) einzuhalten. Die Folge wäre ein Kader besetzt mit Spielern, die kaum mehr als das Veteran Minimum in der NFL verdienen und meist bei anderen Teams entlassen wurden. Dass selbst so ein Kader Football spielen kann und mancher Hinterbänkler aus dem Nichts kommend zum Star werden kann sobald er eine Chance erhält, ist klar. Aber wäre so ein komplett neu zusammengewürfeltes Team in der heutigen NFL wettbewerbsfähig? Mehr als fraglich. Natürlich wäre Miami dann Favorit auf den 1. Pick der Draft 2027, der beispielsweise QB Arch Manning oder QB Dante Moore heißen könnte, was wiederum nicht unbedingt eine vetrauensfördernde Maßnahme für den Langzeitplan mit QB Quinn Evers darstellt.

So wäre ein Trade die beste Möglichkeit, wenn Miami Tagovailoa tatsächlich loswerden möchte. Immer wieder kolportiert wird dabei ein Trade mit den Arizona Cardinals und QB Kyler Murray, nur dass Murray keinen so hochdotierten Vertrag hat und damit den Cardinals nicht das Wasser bis zum Hals stünde im Fall einer Entlassung. Das Team durch einen Trade könnte zusammengehalten werden, Ewers bekommt seine Chance (ggf. im Wettbewerb mit einem Veteranen) und man sieht, was 2026 herauskommt. Allerdings gäbe es noch eine Möglichkeit, die recht unpopulär bei vielen Fans sein könnte, aber am meisten Sinn ergibt. Man nutzt den Neustart mit neuem General Manager und neuem Head Coach und gibt auch Tagovailoa eine neue Chance, gerne auch als offener Wettbewerb mit QB Quinn Ewers.

Noch immer würde dies die Dolphins 56.3 Millionen Dollar der Salary Cap kosten, aber das Team bekommt wenigstens etwas dafür zurück und könnte dann 2027 unter ganz anderen Voraussetzungen die Lage neu bewerten. Dazu passt, dass alle Trade- und Entlassungsgerüchte eher von außerhalb der Organisation kommen und die Dolphins selber keine Kommentare zur Situation abgeben, was ihnen die Hintertür offen lässt trotzdem mit dem Quarterback in die Saison zu gehen.

Doch egal wie man es dreht und wendet: Gewinner gibt es bei keiner der kolportierten Lösungen, weder auf Seiten des Teams, noch auf der Spielerseite. 2026 wird für Miami eine schwere Saison, egal wer letztendlich den Ball auf dem Feld verteilt. Diese könnte nur durch eins noch schwerer werden: wenn Tagovailoa nach Trade oder Entlassung dann wie QB Sam Darnold Erfolg hat und sein Neues Team zum Titel führt. Dass er die richtigen Anlagen für einen NFL QB hat, hat er nämlich in Miami eigentlich schon gezeigt.

Schüler - 19.02.2026

Kommt tatsächlich das Aus für QB Tua Tagovailoa in Miami?

Kommt tatsächlich das Aus für QB Tua Tagovailoa in Miami? (© Schüler)

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