Ole Miss Quarterback Trinidad Chambliss darf aufgrund einer einstweiligen Verfügung, zumindest vorübergehend 2026 eine sechste Saison im College Football zu spielen. Chambliss erwirkte die Verfügung, nachdem er die NCAA vor dem Chancery Court im Lafayette County, Mississippi, verklagt hatte. Die Anhörung fand am letzten Donnerstag statt und der Verlauf kann als bemerkenswert bezeichnet werden.
Chambliss beantragte bei der NCAA eine medizinische Ausnahmegenehmigung, die ihm aufgrund einer Atemwegserkrankung, an der er 2022 litt, ein weiteres Spieljahr ermöglicht hätte. Die NCAA lehnte den Antrag jedoch mehrfach ab, woraufhin Chambliss vor Gericht zog. Laut Ole Miss verpasste er die Saison 2022 aufgrund von Komplikationen infolge einer Mandelentzündung und chronischer Müdigkeit. Nach einer typischen Redshirt-Saison 2021 spielte er in den letzten drei Spielzeiten durchgehend. Von 2021 bis 2024 war er als Spieler der Division II Universität Ferris State aktiv. Nach seinem Wechsel zu Ole Miss sicherte sich Chambliss 2025 den Stammplatz als Quarterback und führte die Rebels bis in das Playoff Halbfinale.
Der aus Grand Rapids, Michigan, stammende Chambliss kam als Backup zu Ole Miss, schaffte den sportlichen Durchbruch und sicherte sich einen Starterplatz, nachdem sich der etatmäßige Quarterback Austin Simmons verletzt hatte. Chambliss brachte 66,1 Prozent seiner Pässe für 3.937 Yards an den Mann, erlief 527 Yards und erzielte insgesamt 30 Touchdowns bei nur drei Interceptions. Er trug maßgeblich dazu bei, dass Ole Miss zum ersten Mal in der Geschichte des Programms die College Football Playoffs erreichte. Dort besiegten sie Tulane und die an Position 3 gesetzten Georgia Bulldogs, bevor sie im Halbfinale Miami unterlagen. Chambliss belegte den achten Platz bei der Wahl zur Heisman Trophy.
Im Jahr 2026 galt Chambliss als einer der besten zurückkehrenden Quarterbacks im College Football und wird mit ziemlicher Sicherheit der beste Spielmacher in der SEC sein. Seine Rückkehr verleiht den Rebels unter dem neuen Trainer Pete Golding neuen Schwung und macht sie zu einem ernstzunehmenden Titelkandidaten in der SEC. Entsprechend groß wäre der Verlust für Ole Miss geworden, wenn Chambliss die Spielberechtigung über den Rechtsweg verweigert worden wäre. Die Rebels hätten dann wohl den von Auburn kommenden Deuce Knight als Stamm-Quarterback aufstellen müssen. Der aus Lucedale, Mississippi, stammende Knight war der sechstbeste Quarterback seines Jahrgangs im Jahr 2025 und gilt als potenzieller zukünftiger Starter der Rebels, sobald Chambliss seine College Karriere beendet haben wird.
Die Tatsache, dass Chambliss über eine einstweilige Verfügung eine erneute Spielberechtigung erhalten hat, bedeutet nicht, dass er seinen Fall endgültig "gewonnen" hat. Vielmehr bedeutet es, dass er bis zur Verhandlung seines Falls, die voraussichtlich nach der Saison stattfinden wird, in der NCAA spielberechtigt ist. Zu einem späteren Zeitpunkt müssen seine Anwälte die Sachlage erneut vor Gericht darlegen. Ein ähnlicher Fall ereignete sich 2025 mit dem Vanderbilt Quarterback Diego Pavia. Er klagte gegen die NCAA mit der Begründung, dass Jahre an einem Junior College nicht auf die Spielberechtigung an einer FBS Universität angerechnet werden sollten. Eine einstweilige Verfügung erlaubte es ihm, die Saison 2025 zu spielen, bevor der Fall tatsächlich verhandelt wurde. Pavias Anwälte nahmen Anfang dieser Woche an einer Anhörung teil, obwohl Pavia sich bereits für den NFL Draft angemeldet hat. Somit wird die Gerichtsbarkeit von neuen Fakten überholt und zeigt die aktuelle chaotische Situation im College Football aus einem neuem Blickwinkel.
Auch wenn kurzfristig Ole Miss von dieser einstweiligen Verfügung profitieren kann, so ist es in Mode gekommen, dass Spielberechtigungen im College Football nicht mehr allein von der NCAA oder auch Conferences, sondern zunehmend von US-Gerichten im ganzen Land entschieden werden, was zwangsläufig zu unterschiedlichen Ergebnissen und einem Flickenteppich unklarer Regeln und vor allem zur Auflösung des bisherigen Systems führt. Bemerkenswert ist auch die Qualität, mit der das örtliche Gericht in Mississippi gearbeitet hat.
Chambliss Kampf für eine sechste Saison hing von der Argumentation ab, dass ihm 2022 an der Ferris State University ein medizinisches Redshirt hätte gewährt werden müssen. Er nutzte sein reguläres Redshirt-Jahr als Freshman im Jahr 2021 und gab an, 2022 aufgrund einer anhaltenden Mandelentzündung ausgesetzt zu haben. Die NCAA widersprach und lehnte seinen Antrag dreimal ab, da die Krankheit ihrer Ansicht nach nicht die Voraussetzungen für eine Ausnahmeregelung aus medizinischen Gründen erfülle. Vor Gericht in Mississippi stieß der Fall jedoch auf große Anteilnahme durch den ehrenwerten Richter Whitwell, der versuchte die ganze Wahrheit herauszufinden.
Überliefert ist gemäß den Gerichtsakten folgender Wortlauf:
Auf die Frage eines NCAA-Anwalts, ob er in der Saison 2022 im Training eingeschränkt gewesen sei, antwortete Chambliss: "Nein." Er habe die gesamte Saison im Trainingskader mitgewirkt. Nach dem Kreuzverhör fand folgender Dialog zwischen Whitwell und Chambliss statt: Whitwell: "Sie sagten doch gerade noch, dass Sie 2022 keine Probleme hatten. Soweit ich weiß, haben Sie sich bei den Trainern beschwert, waren beim Scouting-Team dabei und meinten, Sie seien nicht in Bestform gewesen. Waren Sie denn in Bestform oder nicht?" Chambliss: "Nein, Sir." Whitwell: "Ich habe nicht verstanden, warum Sie das vorhin nicht gesagt haben, denn wir schauen ja auf 2022. Haben Sie sich beim Trainerstab gemeldet und Ihre Probleme gemeldet?" Chambliss: "Ja, Sir, mehrmals." Whitwell: "Dr. Howard sagte, Sie hätten keine Krankheitsschübe gehabt. Aber Sie hatten im Dezember noch Schwellungen von den Injektionen, nachdem Sie im August 2022 bereits drei oder mehr Injektionen erhalten hatten. Sie hatten also noch Schwellungen, nicht wahr? Hatten diese Sie bei der Ausübung ihres Sports gestört oder nicht?" Chambliss: "Ja, Sir. Sie waren ständig da." "Es war wie eine Achterbahnfahrt." Whitwell: "Deshalb glauben Sie, dass Sie 2022 nicht spielen konnten." Chambliss: "Jawohl." Whitwell: "Sie haben 2022 kein einziges Spiel bestritten." Chambliss: "Nicht ein einziges."
Danach entschied der örtliche Richter im Sinne von Chambliss und erließ die besagte einstweilige Verfügung. Nachdem Robert Q. Whitwell entschied, dass Chambliss eine einstweilige Verfügung gegen die NCAA erhalten würde, brach im Publikum Applaus aus.
Während Ole Miss und die örtliche Presse die Verfügung begrüßte, sprach die NCAA von einer absurden Situation, die mittlerweile von findigen Juristen immer öfter angewandt wird: "Diese Entscheidung eines Gerichtes verdeutlicht die absurde Situation, die durch unterschiedliche Gerichtsentscheidungen entsteht, welche die Regeln untergraben, denen dieselben NCAA-Mitglieder zugestimmt haben und die sie später vor Gericht anfechten", erklärte die NCAA nach der vorläufigen Chambliss-Entscheidung. Es wird nicht die letzte einstweilige Verfügung, die die Verlängerung von Spielberechtigungen tangiert, gewesen sein.
Schlüter - 16.02.2026

#6 Trinidad Chambliss (Ole Miss Rebels) mit der Trophy des 2025 College Football Playoff Quarterfinals im Allstate Sugar Bowl. (© Getty Images)
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