Vom Geisterseher zum Champion

Kein Land sah Darnold als QB der New York Jets, jetzt würden sich die Jets ihn zurückwünschenWas für eine Genugtuung der Super Bowl Sieg der Seattle Seahawks für QB Sam Darnold gewesen sein muss. Einst als möglicher Heilsbringer zu den New York Jets gekommen, gescheitert und vom Hof gejagt, entwickelte sich sich seine Karriere doch noch wie von Experten prognostiziert und kulminiert nun im Titelgewinn. Und dies auch noch gegen das Team mit dem sein Name bisher immer (spöttisch) verbunden wurde.

Als dritter Spieler der Draft 2018 wurde QB Sam Darnold damals im AT&T Stadium in Arlington von den New York Jets (die dazu teuer von 6 auf 3 hochtradeten) ausgewählt – eine tolle Position und doch eine Niederlage für den Spielmacher der USC Trojans. Lange war Darnold als "sicherer 1. Pick der Draft" gehandelt worden, ehe wenige Wochen vor der Veranstaltung auf einmal QB Baker Mayfield aus dem Mittelfeld der 1. Runde immer höher stieg und schließlich Darnold überholte. Zu den Cleveland Browns ging Mayfield an erster Stelle, gefolgt von RB Saquon Barkley (New York Giants).

Für die New York Jets und ihre Fans sollte Darnold sofort der Heilsbringer werden, schließlich galt der Quarterback nach Wahrnehmung von Fans und Experten als bester Spieler des Jahrgangs – und die Browns hatten (wie die Jets) bislang eher unterdurchschnittliche Resultate, was das Verpflichten und Entwickeln von jungen Quarterbacks betrifft. Darnold kam nach New York zu Head Coach Todd Bowles und dieser wollte sein Team endlich zum Erfolg führen. Endlich einen Franchise Quarterback zu haben, war verlockend für Bowles, der in den vergangenen Jahren mit QB Geno Smith (ja, genau, der Vorgänger von Darnold in Seattle), Ryan Fitzpatrick, Josh McCown, Bryce Petty und Christian Hackenberg nur wenig Grund zur Freude gehabt hatte.

In der Vorbereitung überzeugte Darnold und ging als jüngster Opening Day Stamm-Quarterback jemals in die NFL-Geschichte ein. Sein erster Pass war auch gleich ein Touchdown – Interception von Detroit Lions Quandre Diggs. Die Saison 2018 verlief für ihn durchwachsen, doch angesichts der Bilanz von 4-12 machte die Leistung von Darnold Hoffnung. Unter "QB Flüsterer" Adam Gase sollte es besser laufen bei den Jets – so die Hoffnung der Verantwortlichen. Und das erste Spiel machte noch mehr Hoffnung. 16:0 führten die New Yorker gegen Buffalo im dritten Viertel – dank Darnold und vier Ballverlusten der Bills.

Niederschmetternd am Ende, dass die Jets noch 16:17 verloren. Fünf Spiele verpasste Darnold anschließend erkrankt, am 6. Spieltag siegte sein Team mit 24:22 gegen Dallas und der Quarterback wurde als "Offensive Player of the week ausgezeichnet". Doch schon eine Woche später läutete die Monday Night Partie gegen die New England Patriots sein Ende bei den Jets ein. 0:33 endete die Partie, Darnold leistete sich vier Interceptions und einen Fumble – sowie das dank NFL Films berühmt gewordene Zitat, er würde gegen diese Defensive "Geister sehen".

Ein gefundenes Fressen für die unzufriedenen New Yorker Medien und die gegnerischen Fans, die sich auf dieses Zitat stürzten und den jungen Quarterback immer wieder als zu unerfahren und überfordert darstellen. Und dies obwohl bekannt ist, dass der damalige Patriots Head Coach Bill Belichick gerne junge Quarterbacks mit kreativen Verteidigungstaktiken aus dem Konzept bringt. Der Schaden war aber angerichtet und so wirkte Darnold wenige Spiele später im Anschluss nach der Partie gegen die Miami Dolphins Anfang Dezember trotz dem 22:21 Sieg eher verunsichert als selbstbewusst. "Ich lerne immer noch dazu. Jetzt in meiner zweiten Saison wirkt das Spiel nicht mehr so schnell wie vergangenes Jahr. Ich werde aber weiter daran arbeiten mich zu verbessern", sagte er damals im Gespräch mit football-aktuell und strahlte dabei nicht gerade Selbstbewusstsein aus. Auch in der Kabine kam der Ausspruch nicht gut an, was sich dadurch zeigte, dass nur wenige Teamkollegen nach dem Spiel bei ihrem Quarterback noch Halt machten.

Zur Katastrophe wurde dann die Saison 2020: nur zwei Sieg gelangen den Jets unter Head Coach Adam Gase und QB Sam Darnold. Erneut verletzte sich der Quarterback und lief so in 12 der 16 Spiele nur auf. Erstmals beendete er die Saison mit mehr Interceptions als Touchdowns – und wurde genau wie Gase von den Jets aufgegeben.

Zu den Carolina Panthers zog es Darnold im Trade – viel besser lief es für ihn aber auch dort nicht. Zur Saison 2022 musste Darnold um seinen Job als Starter fürchten, denn die Panthers holten sich ausgerechnet QB Baker Mayfield von den Cleveland Browns. Dieser setzte sich im Wettbewerb durch, zudem verletzte sich Darnold auch noch und fiel die halbe Saison aus. Nach seiner Rückkehr durfte Darnold zwar Spielen und holte vier Siege in sechs Spielen, doch reichte dies nicht zu einer Weiterverpflichtung durch die Panthers.

Nur spekulieren lässt sich darüber, ob Darnolds Karriere bei den Browns anders verlaufen wäre, denn ihn und Mayfield verbindet die Ähnlichkeiten ihrer Karriere. Beide waren bei den Carolina Panthers 2022 sogar Teamkollegen, ehe Mayfield zu den Los Angeles Rams weiterzog und Darnold zu den San Francisco 49ers. Erfolg fanden beide aber in Kalifornien nicht, sondern erst bei ihrer nächsten Station.

2023 ging es für Darnold zu den San Francisco 49ers, wo er als erfahrener Backup zu QB Brock Purdy eingeplant wurde. 2021 Erstrundenpick QB Trey Lance wurde anschließend nach Dallas abgegeben. In zehn Spielen durfte er aufs Feld, hauptsächlich in "Garbage Time", einmal als Starter. Bis in den Super Bowl ging es für die 49ers, den sie allerdings knapp mit 22:25 nach Verlängerung gegen Kansas City verloren. Als wertvolle Erfahrung unter Head Coach Kyle Shanahan bezeichnete Darnold diese Saison und diese sollte ihm anschließend helfen.

Als Backup mit einem Ein-Jahres-Vertrag sollte er 2024 für Erstrundenpick JJ McCarthy bei den Minnesota Vikings fungieren, doch dieser verletzte sich in der Vorbereitung bereits. Darnold wurde zum Starter und nutzte seine Chance. Die ersten fünf Saisonspiele gewannen die Vikings, insgesamt 14 der 17 Partien. In den Playoffs folgte zwar ein schnelles Aus, doch Darnold wurde erstmals in den Pro Bowl gewählt. Kontrovers anschließend die Diskussionen in Minnesota: setzt man auf den erfolgreichen Darnold, der wohl seine sportliche Heimat gefunden zu haben scheint? Oder bekommt der junge Erstrundenpick die Zügel in die Hand gedrückt?

So konnten sich die Vikings zu lange nicht dazu durchringen Darnold einen neuen Vertrag anzubieten, weshalb die Seattle Seahawks zu Beginn der Free Agency zuschlugen und ihm einen Drei-Jahres-Vertrag über 100 Millionen Dollar anboten.
Darnold zeigte genau das, was er auch in Minnesota leisten konnte – nur diesmal ohne teuren Rookie im Nacken und als unumstrittener Starter. Selbstbewusst führte er die Seahawks zu 14 Siegen in 17 Spielen und in die Playoffs – und nun zum Super Bowl Titel. Nachdem er trotz des Erfolgs wegen seiner Turnover kritisiert wurde, gelang es ihm in den Playoffs ohne einen einzigen Ballverlust den Titel zu gewinnen – genau wie es bereits Drew Brees, Troy Aikman und Steve Young als einzige Spielmacher in der NFL Geschichte geschafft hatten.

Für die New York Jets, die einst viel in Darnold investierten, ein Schlag ins Gesicht. Sie sehen, wie gut ihr ehemaliger Erstrundenpick hätte werden können und stehen noch immer vor einem Scherbenhaufen. Denn nach Darnold holte das Team QB Zach Wilson (2. Pick der Draft 2021), der ebenso scheiterte wie auch All-Pro QB Aaron Rodgers und Veteran QB Justin Fields. Während Darnold nun den Titelgewinn mit seinen Seahawks feiern konnte, müssen die Jets ihre Optionen für den 2. Pick der Draft 2026 abwägen. Ganz oben auf der Liste mal wieder: ein Franchise Quarterback – am besten einer, wie er Darnold nun für den neuen Champion aus Seattle ist.

Schüler - 09.02.2026

Kein Land sah Darnold als QB der New York Jets, jetzt würden sich die Jets ihn zurückwünschen

Kein Land sah Darnold als QB der New York Jets, jetzt würden sich die Jets ihn zurückwünschen (© Schüler)

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