Kenneth Walker III hat in Super Bowl LX nicht nur die Seattle Seahawks zum Titel geführt – er hat Geschichte geschrieben. Mit 135 Rushing Yards und zusätzlichen 26 Receiving Yards wurde der 25‑Jährige zum ersten Running Back seit Terrell Davis 1998 gekürt, der die Pete‑Rozelle‑Trophäe als wertvollster Spieler des Finals erhält. Unumstritten war die Wahl aber auch diesmal nicht: Viele hätten gerne einen Defensivspieler der überragenden Seahawks Verteidigung oder sogar Kicker Myers (fünf Field Goals) auf dem Podium gesehen.
Der MVP wird von einem Gremium gewählt, das aus 16 Medienmitgliedern besteht: Broadcast-Partner-Analysten, Medien aus der San Francisco Bay Area, New England und Seattle, von den Pro Football Writers of America ernannten Pool-Reportern (Lindsay Jones war bei den Patriots, Kalyn Kahler bei den Seahawks), die während der Super-Bowl-Woche an den Teamtrainings teilgenommen haben, sowie aus nationalen Medienvertretern – und Fans, die interaktiv über die offizielle Website der National Football League abgestimmt hatten. Dabei gibt es eine Frist bis wann die Stimme abgegeben sein muss (das Two Minute Warning).
Walkers Weg zum MVP war alles andere als selbstverständlich: Im Sommer 2018, kurz vor seinem letzten High‑School‑Jahr in Tennessee, wurde er mit Atemproblemen ins Krankenhaus eingeliefert. Die Diagnose: Blutgerinnsel in beiden Lungen. Ärzte stellten damals sogar infrage, ob er jemals wieder Football spielen könne. Walker selbst sprach später von einem "schockierenden Moment", der ihn lehrte, jeden Tag dankbar zu sein.
Seine College‑Karriere führte ihn zunächst zu Wake Forest und später zu den Michigan State Spartans, wo er sich als explosiver, physischer Runner etablierte. 2022 wählten ihn die Seattle Seahawks in der zweiten Runde des NFL Drafts in Las Vegas – ein Pick, der sich spätestens in den aktuellen Playoffs auszahlte. Nach der Verletzung von Zach Charbonnet gegen die 49ers übernahm Walker endgültig die Hauptrolle im Backfield und sammelte in drei Playoffspielen insgesamt allein 313 Rushing Yards.
Im Super Bowl selbst dominierte er von Beginn an. Bereits zur Halbzeit hatte Walker 94 Rushing Yards – fast doppelt so viele wie die gesamte Offense der New England Patriots. Mit Läufen über 29 und 30 Yards setzte er frühe Akzente und war über weite Strecken der einzige konstante Faktor in einer defensiv geprägten Partie. "K9 ist einzigartig", sagte Guard Grey Zabel. "Es gibt niemanden, für den ich lieber blocke."
Walkers MVP‑Titel kommt zu einem entscheidenden Zeitpunkt: Sein Rookie‑Vertrag läuft im März aus, erstmals wird er Unrestricted Free Agent. Der Running Back betonte jedoch bereits vor dem Finale, dass er gerne in Seattle bleiben würde. Ein Super‑Bowl‑MVP im Lebenslauf dürfte seine Verhandlungsposition erheblich stärken. Allerdings sollte man sich nicht wundern, wenn Seattle das Franchise Tag vergibt, da der Wert für Running Backs vergleichsweise günstig ist (im Vorjahr 13,64 Millionen Dollar).
Doch das ist erst einmal Zukunftsmusik. Walker darf feiern und einen Tag im Disneyland verbringen: Er wird noch am heutigen Montag gemeinsam mit Quarterback Sam Darnold den traditionellen Umzug, die sogenannte Cavalcade, im Disneyland Resort in Südkalifornien anführen. Seit 1987 ruft der MVP des Endspiels "I’m going to Disneyland" und reist dann weiter, um dort gefeiert zu werden. Für Sam Darnold ist es sogar ein Heimatausflug: Er wuchs in San Clemente auf, ungefähr 50 km von Disneyland entfernt, und spielte auch "um die Ecke" bei USC am College.
Carsten Keller - 09.02.2026

Kenneth Walker III wurde MVP des Super Bowls LX (© Getty Images)
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