Die College Football Meisterschaften blicken auf eine lange, ruhmreiche, aber auch verwirrende und kontroverse Geschichte zurück, die bis zum ersten Titelgewinn im Jahr 1869 reicht. Die höchste Spielklasse im College Football, ehemals Division I-A und heute FBS (Football Bowl Subdivision) genannt, hat im Laufe der Jahre verschiedene Formate für die nationale Meisterschaft durchlaufen und sucht bis zum heutigen Tage immer noch nach dem perfekten Format.
Vor 1936
Diese Ära des College Football zählt zu den umstrittensten Perioden in der Geschichte des US-Sports. Alle Titel vor 1936, dem Jahr der Einführung der Associated Press Umfrage, wurden rückwirkend von verschiedenen Historiker-Umfragen vergeben. Die drei führenden Organisationen in diesem Bereich waren die NCF (National Championship Foundation), die HAF (Helms Athletic Foundation) und die CFRA (College Football Researchers Association). Diese Umfragen erstellten auch nach 1936 weiterhin Ranglisten, galten aber nicht mehr als wegweisend. Um diese frühe Phase des College Footballs einzuordnen: Rutgers und Princeton teilen sich die nationale Meisterschaft in der ersten Saison des Sports im Jahr 1869. Die beiden Universitäten trugen eine Serie mit Hin- und Rückspiel aus, wobei jedes Team sein Heimspiel gewann. Insgesamt gab es zwei Spiele – und zwei nationale Meister. Der College Football wuchs rasant und 1935 wurde auch die Heisman Trophy erstmals verliehen, die der Running Back Jay Berwanger von den Chicago Bears gewann.
1936–1949 (Ära der AP-Umfrage)
Die AP-Umfrage brachte erstmals so etwas wie Ordnung in die College Football Meisterschaft, da nun ein Gremium von Sportjournalisten den Meister nach Abschluss der regulären Saison und nicht erst Jahrzehnte später kürte. Doch wie jede Ära birgt auch diese ihre Kontroversen. In diesen 14 Jahren war die AP-Umfrage die einzige anerkannte Umfrage, die den nationalen Meister am Ende der regulären Saison ermittelte. Dies führte zu zahlreichen Debatten, da in vielen Saisons mehrere Teams ungeschlagen blieben und die AP-Umfrage das Team wählte, das sie für das beste hielt. Es war ein Schritt in die richtige Richtung, aber nur der Anfang einer endlosen Suche nach dem nahezu unmöglichen Ziel eines perfekten Playoff-Formats.
1950–1992 (Ära der Coaches Polls)
Ab 1950 führte die UPI (United Press International) die erste Umfrage (Poll) im College Football ein, an der ausschließlich führende College Trainer des Landes teilnahmen. Diese neu anerkannte Wahl konkurrierte mit der AP-Umfrage und bot erstmals die Möglichkeit, dass zwei Institutionen unterschiedliche nationale Meister kürten. Die ersten vier Jahre verliefen reibungslos, da sich die beiden Institutionen am Ende der regulären Saison auf einen gemeinsamen nationalen Meister einigten. Doch 1954 stieß dieses System auf die erste von vielen Schwierigkeiten. Die Saison 1954 endete mit ungeschlagenen Teams der Ohio State Buckeyes und der UCLA Bruins. Die AP Poll kürte die Buckeyes, die UPI Umfrage hingegen die Bruins zum National Champion. Dies führte zur ersten geteilten Meisterschaft. In den nächsten Jahren etablierten sich weitere anerkannte Polls, wie die der FWAA und der NFF, wodurch sich die Möglichkeiten für unterschiedliche nationale Meister erhöhten. Dies führte 1964 zur ersten Dreiteilung der Meisterschaft zwischen Alabama, Arkansas und Notre Dame. Alabama wurde nach einer ungeschlagenen regulären Saison zum AP-Nationalmeister gekürt, verlor jedoch im Orange Bowl gegen Texas und beendete die Saison mit einer Niederlage. Arkansas schloss die Saison als einziges ungeschlagenes Team ab, nachdem es Nebraska im Cotton Bowl besiegt hatte. Die Razorbacks hatten Texas bereits zuvor in der regulären Saison geschlagen, weshalb die FWAA sie zum Champion 1964 erklärte. Den dritten Titel vergab die NFF an die Notre Dame Fighting Irish, die mit einer 9:1 Bilanz abschlossen. Notre Dame erkannte diesen Titel jedoch nicht an. Dies sorgte für großes Chaos unter den Teams und Fans, sodass die AP 1965 erstmals beschloss, ihre endgültige Rangliste erst nach Abschluss der Bowl Spiele und nicht mehr nach Ende der regulären Saison zu veröffentlichen. Die AP Umfrage kehrte 1966/67 zu ihrem Format der Veröffentlichung vor den Bowl Spielen zurück, führte aber 1968 die Veröffentlichung nach den Bowl Spielen dauerhaft ein.
Bereits vor diesen Richtungswechseln der AP, waren geteilte Titel ein Problem, doch die Umstellung auf die Veröffentlichung nach den Bowl Spielen verdeutlichte die Notwendigkeit eines nationalen Meisterschaftsspiels. Die großen Conferences hatten Verpflichtungen in Bowl Spielen, beispielsweise die SEC im Sugar Bowl, die Big Ten und die Pac-10 im Rose Bowl und die Southwest im Cotton Bowl. Wenn also ein SEC-Team auf Platz 1 und ein Big Ten Team auf Platz 2 rangierte, war ein Aufeinandertreffen in einem Bowl Spiel aufgrund dieser Verpflichtungen unmöglich. Die Umfragen, einschließlich der AP, kürten einfach einen Sieger aus den großen Bowl-Teams. Es gab jedoch seltene Fälle, in denen zufällig die Nummer 1 und 2 als unabhängige Teams aufeinandertrafen, wie beispielsweise Miami und Penn State im Fiesta Bowl 1987. Der Fiesta Bowl war in den 1980er Jahren nicht an Conferences gebunden und konnte daher als inoffizielle nationale Meisterschaft für Independent Teams oder Conferences ohne Bowl Verpflichtungen dienen. Als große unabhängige Teams wie Miami und Penn State begannen, Conferences beizutreten, wurde diese Möglichkeit nahezu unmöglich, was in den 1990er Jahren den Anstoß für die Einführung von Bowl-Organisationen gab.
Besonders bizarr entwickelte sich die Saison 1969. In der letzten Woche der regulären Saison sollten die laut AP Umfrage auf Platz 1 geführten Texas Longhorns und die zweitplatzierten Arkansas Razorbacks am 6. Dezember aufeinandertreffen. Die beiden Universitäten hatten in den 1960er Jahren eine starke Rivalität aufgebaut und in acht der vorangegangenen zehn Jahren den Titel der Southwest Conference entweder geteilt oder gewonnen. Das Spiel, das üblicherweise im Oktober stattfand, wurde in die letzte Woche der regulären Saison verlegt, nachdem der Fernsehsender ABC Arkansas mit dem Versprechen köderte, dass US-Präsident Richard Nixon anwesend sein würde. Nixon erklärte dieses Spiel zum nationalen Meisterschaftsspiel, obwohl es zu dieser Zeit noch kein offiziell anerkanntes Meisterschaftsspiel gab. Texas drehte nach drei Vierteln einen 0:14 Rückstand und gewann 15:14. Nixon überreichte den Longhorns daraufhin eine Plakette mit der Aufschrift: "Das beste Football Team im hundertsten Jahr des College Footballs." Bis heute zählt dieses College Football Spiel zu den meistgesehenen in der amerikanischen Fernsehgeschichte, denn über die Hälfte aller Fernsehgeräte des Landes wurden für diese Begegnung eingeschaltet. Doch Texas war nicht das einzige ungeschlagene Team. Texas gewann anschließend den Cotton Bowl und blieb zusammen mit Penn State ungeschlagen. Die Longhorns galten in den Umfragen als unangefochtener Landesmeister, doch es wird bis heute diskutiert, ob man mit Penn State den Titel hätte teilen sollen. Die darauffolgende Saison 1970 war erneut von einer dreifachen Titelteilung geprägt, und zwischen 1971 und 1989 gab es im College Football drei weitere geteilte Titel, bis das System in den 90er Jahren seinen Tiefpunkt erreichte.
1992–1994 (Ära der Bowl Coalition)
Nach zwei aufeinanderfolgenden Saisons mit geteilten Titeln in den Jahren 1990 und 1991 forderten Fans und Teams eine grundlegende Veränderung. Das Umfragesystem hatte ausgedient. Die Menschen wollten ein nationales Meisterschaftsspiel sehen. Ein einziges Spiel, idealerweise zwischen den beiden besten Teams der Nation am Ende der regulären Saison ausgetragen, in einem alles entscheidenden Titelkampf. Ein echtes System mit festgelegten Regeln für ein eindeutiges Ergebnis wurde gefordert. Die "Bowl Coalition" war der erste Versuch, diesen Traum zu verwirklichen. Sie schloss eine Vereinbarung mit großen Bowl Veranstaltungen wie dem Orange Bowl, Sugar Bowl, Fiesta Bowl und Cotton Bowl, um potenziell die nationale Meisterschaft auszurichten. Dadurch konnten die Teams auf ihre Conference Spiele verzichten, um die Nummer 1 und 2 der Rangliste gegeneinander antreten zu lassen. In den ersten beiden Jahren lief alles nach Plan, der Sugar Bowl und der Orange Bowl empfingen in aufeinanderfolgenden Saisons die Nummer 1 und 2. Doch im dritten Jahr zerbrach der Traum aus demselben Hauptgrund, aus dem auch der nächste Versuch scheitern sollte: der Rose Bowl. Das jährliche Duell zwischen dem Meister der Big Ten und dem der Pac-10 war der sprichwörtliche Dorn im Auge des Traums vom nationalen Meistertitel im College Football. Der Rose Bowl weigerte sich, die Kontrolle an die Bowl Coalition abzugeben, da er die größte Fangemeinde, den lukrativsten Fernsehvertrag und einen begehrten Sendeplatz am Neujahrstag besaß. Es war der bekannteste Bowl mit dem größten Publikum und der reichsten Geschichte.
Der legendäre Michigan Cheftrainer Bo Schembechler prägte ein denkwürdiges Zitat, das seine Sicht auf den Rose Bowl und die Aussicht auf ein nationales Meisterschaftsspiel treffend zusammenfasste: "Wenn es Big Ten Teams gibt, die auf die nationale Meisterschaft aus sind, sind sie verdammte Narren ... Man spielt, um die Big Ten Meisterschaft zu gewinnen und wenn man sie gewinnt, in den Rose Bowl einzieht und auch dort gewinnt, dann hatte man eine großartige Saison. Wenn man dann auf Platz eins gewählt wird, ist man der nationale Meister. Aber ein nationaler Meister ist ein Mythos, und ich denke, das solltet ihr wissen. Es ist ein Mythos", sagte Bo Schembechler 1989. 1994 war das ungeschlagene Penn State die Nummer zwei in den Umfragen und Big Ten Meister. Die Nittany Lions waren vertraglich verpflichtet, im Rose Bowl zu spielen, wodurch Miami (Nr. 3) einen Platz im Finale gegen Nebraska (Nr. 1) erhielt. Die Cornhuskers besiegten Miami, und am nächsten Tag schlug Penn State Oregon im Rose Bowl. Nebraska wurde zum Landesmeister gekürt, doch das Ergebnis war umstritten, da viele eine Aufteilung des Titels forderten und der Meinung waren, Penn State verdiene als ungeschlagener Rose Bowl Sieger ebenfalls die Anerkennung. In der darauffolgenden Offseason wurde die Bowl Coalition aufgelöst, und die Bowl Alliance unternahm den Versuch, ein nationales Meisterschaftssystem zu etablieren.
1995–1997 (Ära der Bowl Alliance)
Ein ähnliches System mit demselben Problem – dem Rose Bowl. Natürlich gab es auch andere Probleme, wie beispielsweise die Nichtberücksichtigung von kleineren Universitäten für mögliche Wildcards in der Bowl Alliance, aber nach ebenfalls drei Jahren zerbrach auch dieses Konstrukt, da es in zwei der drei Jahren kein Duell zwischen dem Erst- und Zweitplatzierten der Rangliste organisierte. Der Wendepunkt kam im letzten Jahr der Bowl Alliance, als die Fans erneut mit einem geteilten Titel konfrontiert wurden. Michigan, die Nummer 1, blieb ungeschlagen und gewann den Rose Bowl gegen Washington State, während Nebraska, die Nummer 2, Tennessee, im Meisterschaftsspiel der Bowl Alliance besiegte. Die Ranglisten spalteten sich, und der College Football befand sich wieder dort, wo er 1991 begonnen hatte: Im sportlichen Abseits mit geteilten Titeln. Doch endlich stand eine Veränderung bevor, als die BCS Ära ins Leben gerufen wurde.
1998–2013 (Bowl Championship Series)
Die ursprüngliche BCS umfasste vier Bowl Spiele (Fiesta, Sugar, Orange und Rose) und acht Teams. Die sechs großen Conference Champions (SEC, ACC, Big Ten, Pac-10, Big East und Big 12) erhielten automatisch einen Startplatz, die beiden verbleibenden Plätze wurden über Wildcards vergeben. Die Teams auf Platz 1 und 2 spielten unabhängig von Conference oder Bowl-Zugehörigkeit im Finale. Die BCS Rangliste wiederum, setzte sich aus zwei Umfragen zusammen – der AP und der Coaches Umfrage – sowie Computer Ranglisten, die Faktoren wie Spielstärke und Siegeshöhe berücksichtigten. Alle Umfragen – außer die AP Umfrage – erkannten den Gewinner des BCS National Championship Games als Meister an. Die populärste und traditionsreichste Umfrage verweigerte ihre Zustimmung zum neuen System. Nichtsdestotrotz neigte sich die reguläre Saison 1998 dem Ende zu, und die BCS steuerte auf einen Konflikt zu, bei dem ihre größte Schwäche bereits im ersten Jahr offengelegt werden sollte. Kansas State, Tennessee und UCLA waren bis Dezember ungeschlagen – Kansas State führte die Trainerumfrage an, belegte aber im BCS Ranking nur Platz 3. Was passiert, wenn drei Meister einer Power-Conference ungeschlagen bleiben? Nun, das BCS System umging diese Frage im ersten Jahr, als Kansas State gegen Texas A&M verlor und UCLA gegen Miami unterlag – ein Spiel, das aufgrund des Hurrikans Georges vom ursprünglichen Termin im September verschoben worden war. Dadurch rückte Florida State (Nr. 4) auf Platz 2 vor und traf auf Tennessee (Nr. 1). K-State fiel zwar auf Platz 3 der Umfragen zurück, verpasste aber aufgrund des ursprünglichen BCS-Systems die Teilnahme an einem BCS Bowl Spiel. Dies führte zur Kansas-State-Regel, die besagt, dass die vier besten Teams automatisch für einen BCS Bowl qualifiziert sind. Die Saison 2003/04 brachte jedoch das erste wirkliche Problem für das BCS-System. Das Hauptziel war die Etablierung eines anerkannten nationalen Meisterschaftsspiels und die Abschaffung geteilter Titel. Aufgrund der AP-Umfrage wurde der Titel 2003 zwischen LSU und Southern Cal aufgeteilt. In den letzten Umfragen vor der Bowl-Auswahl führten beide unabhängigen Umfragen Southern Cal auf Platz 1, während die BCS-Umfrage LSU auf Platz 1 sah. Das BCS setzte schließlich LSU (Nr. 1) und Oklahoma (Nr. 2) im Meisterschaftsspiel gegeneinander an, während USC (Nr. 3) im Rose Bowl gegen Michigan spielte. LSU gewann und sicherte sich die BCS-Meisterschaft, doch die AP-Umfrage kürte Southern Cal zum Meister. Dies war der letzte geteilte Titel in der Geschichte des College Football. 2006 wechselte das BCS-System zu einem Format mit zehn Teams und führte das BCS Meisterschaftsspiel ein, das eine Woche nach den anderen vier BCS Bowls stattfand. Doch die Kontroverse um die Plätze 1 und 2 hielt an und führte 2014 zur Einführung der College Football Playoffs.
2014 bis heute (CFP Ära)
Nach jahrelangen Diskussionen darüber, ob die Nummer 3 anstelle der Nummer 2 im Finale stehen sollte, und ähnlichen Aussagen, wurden die College Football Playoffs ins Leben gerufen, zunächst mit vier Teams. 2024 wurde die Anzahl auf zwölf Teams erhöht, doch der entscheidende Unterschied zwischen den College Football Playoffs und dem BCS-System liegt in der Art der Rangliste. Die CFP Organisation berücksichtigt keine Umfragen. Ein eigenes Komitee entscheidet über die Teilnahme und das Ausscheiden der Teams. Dies ist zwar ein weiterer kontroverser Punkt, scheint aber ein System etabliert zu haben, das die Möglichkeit einer geteilten Meisterschaft ausschließt. Die AP-Umfrage kann zwar rein formal einen anderen nationalen Meister küren, als die College Football Playoffs, doch es wäre äußerst schwierig, die Öffentlichkeit davon zu überzeugen, dass das Team, das sich zunächst mit vier und nun mit zwölf Mannschaften für die Playoffs qualifiziert hat, nicht der wahre Meister ist. Seit 2014 stimmt die AP-Umfrage jedes Jahr mit dem CFP-Sieger überein. Fans und Teams können zwar weiterhin darüber streiten, wer dabei ist und wer nicht, doch mit der zunehmenden Anzahl an Teams verliert dieser Aspekt an Bedeutung.
Schlüter - 30.01.2026

Der 37. US-Präsident Richard M. Nixon, schrieb 1969 College Football Geschichte. (© Library of US-Congress)
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