Zum dritten Mal binnen 13 Spielzeiten bestreiten zwei Mannschaften der NFC West das NFC Championship Game. Nach dem von den Seattle Seahawks klar gewonnenen reinen West-Duell gegen San Francisco am Samstag setzten sich die Los Angeles Rams am Sonntag bei den Chicago Bears 20:17 durch. Dabei stand diesmal weniger die punkthungrigste Offense der Liga aus Los Angeles im Mittelpunkt. Running Back Kyren Williams mühte sich in 21 Läufen zu 87 Yards und lieferte die beiden Touchdowns, Quarterback Matt Stafford blieb mit 258 Yards und vier Quarterback Sacks für seine Verhältnisse "unter par". Receiver Puka Nacua musste sich mit fünf Fängen für 56 Yards begnügen und dies alles bei einer Spieldauer von knapp 72 statt 60 Minuten.
Nacua war es allerdings, der in der Overtime den wichtigsten Ball fing: Bei einem dritten Down bediente Stafford ihn von Chicagos 43-Yard-Linie aus über 16 Yards, und damit war der Ball beim Stand von 17:17 in der Field-Goal-Zone. Blake Corum baute die Position noch um ein paar Yards aus, die Rams konnten mit zwei langen Pässen an die Außenseiten bequem versuchen, die Entscheidung per Touchdown zu erzwingen, primär achtete Stafford aber natürlich darauf, den Ball für die Verteidiger unerreichbar zu machen. Auch die eigenen Leute kamen nicht ran - doch im vierten Versuch erledigte so eben Kicker Harrison Mevis aus 42 Yards die Aufgabe, die Rams ins NFC-Finale nach Seattle zu schießen.
Die Bears konnten ihre Chance, nach 15 Jahren wieder einmal ins Championship Game zu kommen, nicht nutzen, obwohl ihre Verteidiger sich nach Kräften gegen die starke Rams-Offense stemmten. Nur einmal - am allerersten Spieltag - waren die Rams diese Saison mit weniger als 17 Punkten in 60 Minuten vom Platz gegangen. Doch anders als beim ebenso knappen Erfolg in Carolina in der Wild-Card-Runde war die Defense der Rams diesmal bestens auf den Gegner eingestellt. Bears-Quarterback Caleb Williams vermied zwar Quarterback Sacks und kam auf fast exakt so viele Yards wie Gegenüber Stafford (257). Aber er warf eben auch drei Interceptions, zwei davon fing Cobie Durant ab, der darüber hinaus bei einigen weiteren Pässen vor dem Receiver dazwischen gehen konnte.
Aus den drei Ballverlusten machten die Rams zwei Scores: den Touchdown ihrer ersten Angriffsserie zur 7:0-Führung und am Ende das entscheidende Field Goal der Overtime. Da hatte Caleb Williams versucht, D.J. Moore an der Grenze zur Red Zone der Rams anzuspielen. Hätte Kam Curl diesen Ball nicht abgefangen und Moore ihn bekommen können, wäre Chicago (mindestens) zur Chance für ein relativ sicheres Field Goal gekommen, und da die Rams ihre erste Angriffsserie der Verlängerung bereits ohne First Down verwirkt hatten, hätte es der Siegtreffer werden können. So übernahm wieder der routinierte Stafford den Ball und führte sein Team mit zwei schnellen Pässen auf Colby Parkinson und Davante Adams ins Mittelfeld, ehe er Nacua auf die wichtige Reise schickte.
D.J. Moore hatte zu Beginn des zweiten Viertels den Pass zum Ausgleich der Bears gefangen, eine Minute vor der Pause hatte Chicagos Kicker Cairo Santos seine Treffsicherheit beim 10:7 aus 48 Yards unter Beweis gestellt. Doch die davor und danach so konzentrierte Bears-Defense war gedanklich wohl bereits in der Kabine. Stafford konnte mit seinem bis dahin weitesten Wurf Tyler Higbee für 27 Yards Raumgewinn und ein neues First Down an Chicagos 46-Yard-Linie bringen.
Zwei folgende Pässe auf Running Back Kyren Williams kosteten die Rams dazwischen zwar ihre letzte Auszeit, doch war Bears-Verteidiger Gervon Dexter beim zweiten davon wohl so sehr gewurmt, dass er den nur noch neben Williams austrudelnden Rams-Center Coleman Shelton rüde umrannte. Die Rams dankten für weitere 14 Yards durch die fällige Strafe, brachten mit drei Pässen den Ball zwar nicht in die Endzone, aber dank Kicker Harrison Mevis über die Stange zum 10:10-Ausgleich.
Nach Punkten kein so großer Unterschied, aber da die Bears den Rams im gesamten dritten Viertel nur ganz zu Beginn ein einziges First Down erlaubten und ansonsten die Partie im Griff zu haben schienen, wird man sich fragen, ob es mit einem 10:7-Vorsprung hier nicht doch entscheidend anders gewesen wäre. Selbst Durants zweite Interception eines Williams-Passes nutzte den Rams in dieser Phase gar nichts. Statt ihnen kamen aber die Bears im Schlussabschnitt unter Druck. Die Rams brachten ihre längste Angriffsserie der Partie von der eigenen 9-Yard-Linie bis zum 17:10 in die Endzone. Vor allem Williams, dazu der längste Stafford-Pass der Begegnung auf Colby Parkinson sowie weitere auf Nacua und Adams und am Ende ein Lauf von Nacua und der finale Punch von Williams bescherten den Gästen die Führung.
Chicago antwortete seinerseits mit einem längeren Kickoff Return von Devin Duvernay und einer fünfminütigen Serie, Doch im vierten Down an der 2-Yard-Linie gelang drei Minuten vor dem Ende Caleb Williams der Endzonenpass auf Luther Burden III nicht. Chicagos Defense erlaubte Kyren Williams jedoch nur ein First Down, Ethan Evans musste für due Rams von weit hinten punten und brachte den Ball nur bis zur Mittellinie. Nach Pass auf Colston Loveland und einem Lauf von De’Andre Swift hatten die Bears vier Versuche in der Red Zone der Rams. Dabei klappte der vierte auf Cole Kmet zum Ausgleich und bescherte 27 Sekunden vor Schluss noch die Overtime.
Da schickten die Bears nach gewonnenem Münzwurf die Rams-Offense als erste aufs Feld, und die Taktik schien aufzugehen. Wieder erlaubte man Kyren Williams kaum ein Vorwärtskommen. Bears-Quarterback Caleb Williams selbst erlief später ein viel umjubeltes First Down bei einem kritischen Fourth Down im Mittelfeld. Zwei Spielzüge später wich die Euphorie mit seiner dritten Interception der Ernüchterung.
Daniel Weber - 19.01.2026

Mächtig zu kämpfen hatten die Los Angeles Rams in Chicago. (© Getty Images)
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