Die Pittsburgh Steelers und ihr Head Coach Mike Tomlin gehen nach dem deutlichen Playoffaus gegen die Houston Texans getrennte Wege. Der 53-jährige hätte noch einen Vertrag bis einschließlich der Saison 2027 besessen.
Der Ruf nach seiner Ablösung war angesichts der 6:30 Heimniederlage gegen die Texans Montagnacht unüberhörbar geworden. Tomlin soll nach Angaben der NFL Insider Adam Schefter (ESPN) und Ian Rapoport (NFL Network) Angebote als Analyst im amerikanischen Fernsehen haben und bat nicht zuletzt deswegen um Gewährung seines Rücktrittgesuchs.
Steelers President Art Rooney II ließ über die Franchise folgendes Statement verbreiten: "Während unseres heutigen Meetings teilte mir Coach Tomlin mit, dass er beschlossen hat, als Head Coach zurückzutreten. Natürlich bin ich Mike sehr dankbar für all die harte Arbeit, das Engagement und den Erfolg, den wir in den letzten 19 Jahren geteilt haben. Es fällt mir schwer, das Maß an Respekt und Wertschätzung, das ich für Coach Tomlin habe, in Worte zu fassen. Er führte die Franchise zu unserem sechsten Super Bowl Titel und erreichte während seiner Amtszeit 13 Mal die Playoffs, darunter acht Siege der AFC North in seiner Karriere. Seine Bilanz, in 19 Jahren keine negative Saison zu haben, wird wahrscheinlich nie wiederholt werden.
Meine Familie und ich sowie alle, die mit dem Management der Steelers verbunden sind, sind für die Leidenschaft und Hingabe, die Mike Tomlin dem Steelers Football gewidmet hat, für immer dankbar."
Zuletzt hatte Tomlin bei den Steelers im Juni 2024 vorzeitig um drei weitere Jahre verlängert; er wäre damit bis einschließlich der Saison 2027 angestellt gewesen und war damit jetzt insgesamt vier Jahre länger im Amt als sein berühmter Vorgänger Bill Cowher.
Mike Tomlin war überhaupt erst der dritte Head Coach der Pittsburgh Steelers seit 1969: Chuck Noll wirkte von 1969 bis 1991, gefolgt von Bill Cowher (1992 bis 2006) und Mike Tomlin seit 2007. Um CBS zu zitieren: Die Cleveland Browns hatten alleine von 2018 bis 2021 drei (hauptamtliche) Head Coaches.
Tomlin war damals ziemlich überraschend ans Ruder in Pittsburgh gekommen: Er war lediglich ein Jahr als Defensive Coordinator in Minnesota tätig gewesen und hatte zuvor vorwiegend Defensive Backs in Tampa Bay und Cincinnati gecoacht; mit 34 Jahren war er für einen Head Coach ausnehmend jung.
Doch die Erfolge gaben ihm absolut Recht: In seiner zweiten Saison (2008) gewannen die von ihm trainierten Steelers Super Bowl XLIII gegen die Arizona Cardinals und 2010 zog man erneut in das Endspiel ein, zog jedoch gegen die Green Bay Packers mit 31:25 den kürzeren.
In 17 Jahren hatte sein Team keine einzige Saison mit einer negativen Bilanz:
2007: 10-6
2008: 12-4
2009: 9-7
2010: 12-4
2011: 12-4
2012: 8-8
2013: 8-8
2014: 11-5
2015: 10-6
2016: 11-5
2017: 13-3
2018: 9-6-1
2019: 8-8
2020: 12-4
2021: 9-7-1
2022: 9-8
2023: 10-7
2024: 10-7
2025: 10-7
Eine Erfolgsbilanz, die außer Bill Belichick (in der AFC East) und ihm sonst niemand vorweisen kann. Insgesamt standn die Steelers mit ihm in 19 Jahren bei 193 Siegen, 114 Niederlagen und zwei Unentschieden. Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass die letzten sieben Playoffspiele seit 2016 allesamt verloren wurden. Zu wenig für die erfolgsverwöhnte Anhängerschaft in der Steel City.
Womöglich ist seine größte Leistung jedoch, dass kaum Negatives nach außen drang: Erst als der langjährige Star Wide Receiver Antonio Brown mit Statements, die man selbst als Fan der Franchise nicht mehr verstehen konnte, seinen Abschied erzwang, bekam die Fassade auch äußerlich Risse.
Carsten Keller - 13.01.2026

Mike Tomlin und wohl auch sein Offensive Coordinator Arthur Smith sind Geschichte bei den Steelers (© Carsten Keller)
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