Völlig enthemmter Markt

Head Coach Pete Golding (Olde Miss Rebels) würde viel lieber sein Team trainieren, als sich um das Transfer Portal kümmern zu müssen.Das Transferportal im College Football ist außer Kontrolle geraten. Mit über 3.350 Spielern – rund 25 Prozent der FBS-Spieler – im Transferportal operiert College Football in einem unregulierten Markt ohne Kalender, ohne Kontrollen und ohne Führung. "Helm auf und bereitmachen für den Krieg: Nur die Stärksten werden überleben." Mit dieser Mentalität müssen sich die Trainerteams und Athletic Departments im College Football in der Ära des Transferportals auseinandersetzen. Zumindest haben die meisten aufgehört, so zu tun, als existiere der Begriff "Student-Athlet" im Sport noch.

"Die Summen sind so hoch wie nie zuvor. Die Zahl der Anmeldungen ist enorm, und die Agenten haben die volle Macht", sagte ein Personalchef einer der großen Conferences diese Woche im US Fernsehen. "Man sollte besser hoffen, dass die eigene Uni die volle Umsatzbeteiligung erhält, die Spielergewerkschaft voll funktionsfähig und gesund ist und die Verwaltung darauf vorbereitet und in der Lage ist, sich in diesem sich ständig verändernden Umfeld zurechtzufinden."

Der College Football lebt heute in einer Welt, die von Begriffen dominiert wird, die vor fünf Jahren noch nicht zum allgemeinen Sprachgebrauch gehörten: Ausdrücke wie CSC (College Sports Commission), MMR (Multimedia-Rechte), Umsatzbeteiligung, Spielergewerkschaften, Abfindungen, Agentengebühren und Prämien. Erinnern können wir uns noch an die Geschichte von Jaden Rashada aus dem Jahr 2023, nachdem der talentierte Quarterback sich zunächst für Miami entschieden hatte, dann aber seine Absichtserklärung mit Florida unterzeichnete und später von den Gators entlassen wurde. Das wurde kurz nach der offiziellen Einführung des Transferportals im Jahr 2019 als "verrückt" abgetan und lässt die aktuellen Vorgänge im Vergleich dazu geradezu harmlos erscheinen.

Die neueste Nachricht, die Rufe nach mehr Kontrolle laut werden lässt, ist die Entscheidung von Washingtons Quarterback Demond Williams, sich nur wenige Tage nach der Unterzeichnung eines neuen, bindenden Vertrags mit den Huskies in das Transferportal einzutragen. Washington plant wohl, alle rechtlichen Möglichkeiten auszuschöpfen, um die gewünschten Vertragsbedingungen durchzusetzen. LSU hofft angeblich, sich Williams zu sichern und ihn zumindest zu einem Besuch zu bewegen, nachdem sie kürzlich den begehrten Arizona State Transfer Sam Leavitt empfangen haben. Wisconsin verklagte Miami im Sommer wegen angeblicher unerlaubter Kontaktaufnahme und nun wird erwartet, dass die Huskies Beweise für ähnliche Machenschaften eines anderen, nicht genannten Programms vorlegen. Das ist wirklich ein erbitterter Kampf. In diesem Zyklus wird es schwierig, mitzuhalten, wenn man nicht über genügend liquide Mittel verfügt und bereit ist, überhöhte Marktpreise für Spieler zu zahlen. Die Nachricht um Williams ist nur die Spitze des Eisberges in den letzten turbulenten Wochen. Für Aufsehen sorgten in den letzten Tagen auch diese Geschichten: Texas Wide Receiver Parker Livingstone, der drittbeste Passempfänger des Teams in dieser Saison und Zimmergenosse von Arch Manning, wechselte über das Transferportal zum Erzrivalen Oklahoma. Texas und Livingstone hatten sich über das Gehalt zerstritten. Noch extremer agierte Running Back Jayden Limar von Oregon, der im Viertelfinale der College Football Playoffs gegen Texas Tech den längsten Lauf der Ducks erzielte. Er verließ das Team zwei Tage vor dem Halbfinale und wechselte in das Transferportal. Er ist der zweite Ballträger, der Oregon während der Playoff-Saison verlässt, nach Makhi Hughes, der inzwischen bei Houston unterschrieben hat.

Mehr als ein halbes Dutzend Spieler der Ohio State Buckeyes verließen das Programm in den Stunden nach der Viertelfinalniederlage gegen Miami, darunter der ehemalige Fünf Sterne Verteidiger C.J. Hicks und Ersatz Quarterback Lincoln Kienholz, die bei Louisville unterkamen. Tight End Jelani Thurman ließ seine Absicht, in das Transferportal zu wechseln, nur Sekunden nach der Niederlage der Buckeyes öffentlich werden. South Carolina gab die Rückkehr von Quarterback LaNorris Sellers wenige Tage nach der Verpflichtung des neuen Offensive Coordinators Kendal Briles bekannt, nur um kurz darauf fast die gesamte Offensive Line in das Transferportal wechseln zu sehen, darunter Starting Left Tackle Josiah Thompson, Right Guard Trovon Baugh und Right Tackle Tree Babalade. Nachdem Louisville Running Back Isaac Brown letzte Woche seine Absicht, in das Transferportal zu wechseln, bekannt gegeben hatte, berichtete eine Quelle dass die Cardinals sich während der Verhandlungen Zeit verschafft hätten, indem sie die Bearbeitung seiner Unterlagen verzögerten, um Besuche zu verhindern. Brown trat trotz starken Interesses von Texas und Ole Miss bei den Cardinals zurück und begründete dieses mit seiner "Loyalität". Ole Miss wehrte sich gegen Lane Kiffin und LSU und sicherte sich Running Back Kewan Lacy, der in dieser Saison mit 23 Touchdowns die SEC anführte und sowohl für die Tigers als auch für den ehemaligen Trainer der Rebels eine Top-Wunschliste darstellte. Und das sind nur die wichtigsten Neuigkeiten.

Wer sich eingehend mit den Problemen im College Football beschäftigt, stößt auf diverse andere, teils abenteuerliche Geschichten. Kaum eine Fangemeinde ist mit dem aktuellen Zustand zufrieden. Es herrscht ein weit verbreitetes Missverständnis bezüglich der vorgeschriebenen Obergrenze von 20,5 Millionen Dollar für die Spielerbeteiligung und der tatsächlichen Ausgaben der Programme für ihre Kader vor der Saison 2026. Die NCAA hat eine strengere Durchsetzung der NIL-Verträge (Name, Image, Liability) versprochen, inklusive einer Clearingstelle, die die Hochschulen dazu verpflichten soll, den "marktgerechten Preis" für ihre Verträge nachzuweisen. Dies soll "Pay-for-Play"-Praktiken zwischen Sponsoren und Spielern eindämmen, aber funktioniert das wirklich? Die wichtigere Frage ist: Ist die NCAA mutig genug, etwas durchzusetzen und bereit, juristische Hürden gegen die Universitäten zu überwinden, um das Problem zu lösen?

"Man sollte besser ein ehemaliger NFL-Manager sein, der die Gehaltsobergrenze und die Vertragssprache genau kennt, um die Universitätsleitung beraten zu können, wie man diese umgehen kann", sagte vor kurzem ein Berater. "Sonst wirst du überfahren."

Die Hochschulverwaltungen hofften, dass die Zusammenlegung des Transferportals in einem einzigen Zeitfenster und die Verschiebung auf Januar (nach den meisten Bowl-Spielen) es ihren Trainern ermöglichen würde, sich auf ihre Kader zu konzentrieren, und den Fans, sich auf das Spielgeschehen zu konzentrieren. Doch die Ereignisse im Transferportal nahmen bereits vor dessen Öffnung am 2. Januar ihren Lauf. Spieler und Trainer mussten im Dezember Saisonabschlussgespräche vereinbaren. Diese Gespräche hatten sich von offenen Diskussionen mit dem Trainer über Verbesserungsmöglichkeiten und zukünftige Chancen zu gnadenlosen Verhandlungen entwickelt. Manche Spieler konnten kostenlos bei ihrem Team bleiben – was faktisch einer Entlassung gleichkam –, während andere Spieler, ihre Eltern und Agenten dem jeweiligen Trainer gegenüber erklärten, dass sie für eine Summe, von der ihre aktuelle Hochschule nur träumen kann, ins Transferportal wechseln würden.

Für alle Beteiligten ist das ein absolutes Ärgernis. Es mangelt an Führung, an klaren Vorgaben und schon gar nicht an nachvollziehbaren Regeln oder Begründungen für die Zustände im College Football. Die NCAA schreckt schließlich niemanden ab. Es ist eine turbulente Zeit für eine Sportart, deren Playoffs bereits bis zum 19. Januar verlängert wurden. Nur wenige Stunden nachdem Ole Miss Georgia im Sugar Bowl letzte Woche besiegt hatte, mussten sich der neue Trainer Pete Golding und der Rest des Trainerteams, der nicht zu LSU abgewandert war, Gedanken um ihren Kader für 2026 machen – und nicht um ihren bevorstehenden Playoff-Gegner. Das ist es, was die Größen des Sports geschaffen haben. Das Transferportal hat für massive Umwälzungen gesorgt, mit positiven wie negativen Folgen, aber das aktuelle Modell in Kombination mit ungezügelter Bezahlung ist auf Dauer nicht tragbar.

Schlüter - 08.01.2026

Head Coach Pete Golding (Olde Miss Rebels) würde viel lieber sein Team trainieren, als sich um das Transfer Portal kümmern zu müssen.

Head Coach Pete Golding (Olde Miss Rebels) würde viel lieber sein Team trainieren, als sich um das Transfer Portal kümmern zu müssen. (© Getty Images)

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