Die College-Football-Fans werden in den diesjährigen Playoffs so richtig verwöhnt. Kein Ohio State, kein Texas, kein Georgia, kein Alabama und auch kein Notre Dame im Halbfinale, stattdessen zwei Teams, Indiana und Mississippi, die noch nie um den Titel mitgespielt haben, ein Team, Oregon, das zwar zweimal (2010 und 2014) im Finale gestanden aber nicht gewonnen hat, dazu mit Miami ein fünfmaliger National Champion und siebenmaliger Endspiel-Teilnehmer, dessen letzter Vorstoß ins Finale allerdings 23 Jahre und der letzte Titelgewinn 24 Jahre her sind. Diese Abwechslung war auch dringend nötig. Wenn zu lange immer die gleichen wenigen Teams den Titel unter sich ausmachen, wirds irgendwann dröge. Und Rags-to-Riches-Geschichten wie sie aktuell Indiana schreibt, sind im Sport die Kirsche auf der Torte. Jetzt im Halbfinale also Indiana gegen Oregon und Mississippi gegen Miami, mit drei der besten Defenses dieser Saison, dem aktuellen Heisman-Trophy-Gewinner (Indianas QB Fernando Mendoza) und einer Reihe spektakulärer FBS-Neulinge wie Mississippis QB Trinidad Chambliss oder Miamis WR Malachi Toney. Das sollten zwei richtig gute Halbfinals werden.
Den Auftakt machen am Donnerstag, in der Nacht zu Freitag deutscher Zeit, Mississippi und Miami im Fiesta Bowl. In diesem Spiel sind die Unterschiede zwischen den Kontrahenten größer als im zweiten Halbfinale. Miamis Stärke ist die Abwehr, die vor allem dank ihrer Pass-Rush-Qualitäten in den ersten beiden Playoff-Spielen sehr starke Offenses weitgehend ausgeschaltet hat. Im Halbfinale trifft man jetzt erneut auf eine Top-Offense mit einem schwer zu stoppenden Quarterback (Trinidad Chambliss). Entscheidend wird also sein, wie sich Mississippis Offensive Line gegen Miamis "Front Seven" hält. Sollte Mississippi sein gewohntes Offensiv-Spiel einigermaßen gut durchbekommen und deutlich mehr Punkte erzielen als es Texas A & M und Ohio State gelungen war, würde das die Chancen der Rebels auf den Einzug ins Finale deutlich steigern, denn die andere Erkenntnis aus den bisherigen Playoff-Spielen ist, dass Miamis Angriff gegen die stärkeren Gegner in den Playoffs weniger erfolgreich ist als in der Masse der Regular-Season-Spiele. Vor allem von Super-Talent Malachi Toney kam in den Playoffs noch zu wenig. Der Hoffnungsschimmer für die Hurricanes: Sie waren, vor allem dank RB Mark Fletcher (262 Yards in zwei Spielen), unter den vier Halbfinalisten bislang das beste Team im Laufspiel. Wenn Fletcher dieses Niveau auch gegen die Rebels erreicht und QB Carson Beck weiterhin keine gravierenden Fehler macht (kein Ballverlust in den beiden Playoff-Spielen), ist die erste Endspiel-Teilnahme seit der Saison 2002 möglich.
Einen Tag später sind dann Indiana und Oregon im Peach Bowl an der Reihe. Es wird das dritte Playoff-Duell sein, das es schon in der Regular Season gegeben hatte. Und das ist erstmal kein gutes Omen für Indiana, das die erste Begegnung mit 30:20 gewonnen hatte. In den ersten beiden Fällen, Oklahoma gegen Alabama in der ersten Runde und Georgia gegen Mississippi im Viertelfinale, haben die Teams gewonnen, die in der Regular Season verloren hatten. Das läuft natürlich nicht immer so. Jedes Spiel hat seine eigene Dynamik, und sofern es gegenüber dem ersten Aufeinandertreffen keine gravierenden Veränderungen wie zum Beispiel den Ausfall wichtiger Spieler gibt, kann der Ausgang der selbe sein wie im ersten Spiel. Ein rationaler Grund dafür, dass sich bei zwei Duellen gegeneinander innerhalb einer Saison der Sieger der ersten Partie schwerer tun kann, ist, dass der Verlierer aus der Niederlage natürlich Rückschlüsse zieht, Dinge, die schiefgelaufen sind abstellt und taktische Änderungen vornimmt. Das wird gewiss auch Oregon tun.
Dennoch geht Indiana als Favorit in dieses Spiel, weil die Mannschaft aktuell noch besser ist als beim Sieg in Eugene. Das gilt vor allem für die Abwehr, die in den letzten beiden Spielen gegen hochkarätige Gegner, Ohio State im Big Ten Championship Game und Alabama im Playoff-Viertelfinale, nur 13 Punkte zuließ. Oregon wird damit in der gleichen Situation sein wie im Viertelfinale gegen Texas Tech: Der Angriff wird selten Gelegenheit haben, Indianas Abwehr mit langen Pässen zu überwinden, weil QB Dante Moore bei Pässen nicht allzu viel Zeit haben wird. Die Ducks werden also wahrscheinlich wieder auf schnelle Spielzüge mit weniger Yards pro Spielzug setzen. Gegen Texas Tech hatte das gut funktioniert. Die Schlüsselrolle für den Ausgang wird wahrscheinlich aber wieder Oregons Abwehr zukommen. Ihr Monster-Spiel an der Linie mit permanentem Druck auf QB Behren Morton brachte Texas Techs Offensiv-Spiel fast komplett zu Erliegen. Wenn Oregons Abwehr eine solche Leistung auch gegen Indianas Angriff bringen kann, ist das Erreichen des Finales möglich.
Hoch - 06.01.2026

Malachi Toney und die Miami Hurricanes entthronten Titelverteidiger Ohio State Buckeyes. (© Getty Images)
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