Fünf Führungswechsel in der zweiten Hälfte, das Abschlussspiel der Hauptrunde der NFL-Saison 2025 hielt, was man sich davon versprochen hatte, es auf den Sonntagabend zu legen. Vorbei war es zwei Sekunden vor dem Ende, mit bitterem Ausgang für die Baltimore Ravens und vor allem deren Kicker Tyler Loop. Der verzog den Schuss beim Field-Goal-Versuch nach rechts, es blieb beim 26:24 für die Pittsburgh Steelers. Die Steelers ewarten nun in der Wild-Card-Runde am Montag die Houston Texans, wieder zum Abschluss des Wochenendes.
Für Baltimore endet die Saison enttäuschend, vor allem da man nur eine Minute vor Loops Fehlschuss nach dem finalen Touchdown der Steelers durch Calvin Austin den Extrapunktversuch geblockt hatte. Zwar blieb danach nur noch eine Minute, aber schon vor dem eigenen Touchdown zum 24:20 kurz davor hatte die Offense von Lamar Jackson nur wenig mehr Zeit benötigt, um 73 Yards in die Endzone zu überbrücken, hatte jetzt noch alle Auszeiten und durfte nach einem 41-Yard-Kickoff-Return von Keaton Mitchell schon kurz vor der Mittellinie beginnen.
Es benötigte eigentlich nur eines gelungenen Passes von Jackson, um die gute Chance auf ein Field Goal zum Sieg zu ermöglichen. Der kam zwar erst im vierten Down auf Isaiah Likely für 26 Yards Raumgewinn und ein neues First Down an der 24-Yard-Linie, doch damit schien Baltimore wieder die Oberhand gewonnen zu haben. Das Spiel wurde so zu einer Kurzzusammenfassung der Saison der Ravens: stark gestartet, zwischenzeitlich den Faden verloren, wieder herangekämpft. Und dann im entscheidenden Moment wegen einer Kleinigkeit gescheitert.
Begonnen hatten die Ravens in Pittsburgh souverän. Derrick Henry brach gleich im ersten Spielzug in die Hälfte der Steelers durch, den ersten Touchdown holte nach vier Minuten Devontez Walker auf Zuspiel von Jackson. Pittsburgh schaffte es im ersten Viertel nur durch ein Foul der Gäste einmal über die Mittellinie und benötigte später schon ein 57-Yard-Field-Goal von Chris Boswell, um zu den ersten Punkten zum 3:10 zu kommen. Erst kurz vor der Pause brach man mal in Baltimores Red Zone ein, schon da schien man zu spüren, dass allein Field Goals nicht reichen würden. Kenneth Gainwell scheiterte aber im Laufversuch von der 1-Yard-Linie, und es ging für die Steelers mit 3:10-Rückstand in die Pause.
Gainwell verantwortete mit acht Passfängen für 64 Yards Raumgewinn die beste Ausbeute der Steelers-Offense. Die zeigte sich in der zweiten Hälfte dann auch von der besseren Seite. Insgesamt war sie im Spiel am Ende bei der Verwertung von Third Downs mit neun Conversions bei 16 Third Downs besser als die Ravens (vier von zwölf). Doch auch zum Ende der ersten Angriffsserie der zweiten Hälfte scheiterte Pittsburgh nun in einem solchen Fall. Doch wieder setzte man auf Touchdown statt Field Goal, diesmal erfolgreich. Connor Heyward sicherte im vierten Down knapp vor der Goal Line weitere Chancen mit einem First Down, verwertete dann die Gelegenheit zum 10:10-Ausgleich.
T.J. Watt fing kurz danach einen Pass von Lamar Jackson ab, nun setzten die Steelers ein zweites Mal doch auf Boswell und verdankten ihrem Kicker die erste Führung des Abends. Damit war der Schlagabtausch aber eröffnet. Wobei es zunächst kein offensiver wurde, sondern ganz dem traditionellen Charakter beider Franchises entsprechend ein defensiver und zuweilen erbitterter. Erst im vierten Viertel setzte schließlich Zay Flowers mit seinem 50-Yard-Fang zum 17:13 für die Ravens offensiv ein Zeichen.
Es setzte die Steelers erkennbar unter Druck. Ein Touchdown musste her, allein auf Boswell konnte man sich in dieser Phase bei vier Punkten Rückstand nicht verlassen. In einem kritischen dritten Versuch bediente Aaron Rodgers aber gerade noch zur rechten Zeit Pat Freiermuth über 31 Yards, alle verbliebenen Auszeiten musste man zwar nutzen, aber schließlich lief Gainwell vier Minuten vor dem Schluss zum 20:17. Die kalte Dusche bescherte erneut das Duo Jackson/Flowers den Gastgebern: Flowers fing im dritten Down den Pass von Jackson und machte über 64 Yards seinen zweiten Touchdown daraus. Insgesamt erspielte sich Lamar Jackson ein Passer Rating von 121,5 Punkten, warf 11 gültige Pässe für 238 Yards und drei Touchdowns bei 18 Versuchen und einer Interception. Bei seinen vier Passfängen holte Zay Flowers 138 Yards Raumgewinn und die beiden Touchdowns des vierten Viertels.
Strahlender Sieger war dennoch Pittsburghs Quarterback Aaron Rodgers. Kurz vor der Two Minute Warning für die entscheidende Serie in Ballbesitz gekommen, nutzte Pittsburgh nun ausschließlich Passspiel - die Auszeiten waren ja weg. Auf dem Weg zum Touchdown-Pass überbrückten die Pittsburgh Steelers 65 Yards mit sechs Spielzügen in 85 Sekunden. Calvin Austin fing den langen Touchdown-Pass über 26 Yards über die linke Seite im dritten Down. Austin hatte schon den ersten Pass des Drives über 16 Yards zum First Down verwertet, ein Pass auf Kenneth Gainwell für 15 Yards Raumgewinn hatte die Steelers an die 26-Yard-Linie gebracht.
Das Wechselbad der Gefühle war damit nicht beendet. Erst scheiterte Boswell beim Zusatzpunktversuch, als Keondre Jackson den Ball blockte. Doch weder der junge Rookie noch sein Namensvetter Lamar als Quarterback oder Isaiah Likely nach dem Passfang, der die Field-Goal-Chance zum Sieg eröffnete, hatten ein Happy-End vor sich. Bitter vor allem für den Rookie-Kicker Tyler Loop - bis letztes Jahr hatten die Ravens mit Justin Tucker den wohl routiniertesten und sichersten Kicker der Liga. Ausgerechnet vor diesem Hintergrund in diesem Moment zu scheitern, dürfte es nicht einfach machen, dies zu verarbeiten.
Daniel Weber - 05.01.2026

Connor Heyward lieferte einen der Touchdowns für die Pittsburgh Steelers. (© Getty Images)
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