Die Chicago Bears sind noch einen Sieg entfernt von ihrem ersten Divisionstitel der NFC North seit sieben Jahren. Im ältesten Traditionsduell der NFL gewannen sie dessen 212. Auflage gegen die Green Bay Packers mit 22:16 nach Verlängerung. Für die Bears war es der elfte Saisonsieg, die Packers können nun mit ihren bisher neun Siegen und einem Unentschieden nur noch vorbeikommen, wenn sie zweimal siegen (oder einmal ein weiteres Unentschieden erreichen) und Chicago zweimal verliert.
In Chicago kann man sogar noch darauf hoffen, Rang eins der gesamten NFC zu erobern. Den hält nach dem eigenen Overtime-Sieg im Spitzenspiel gegen die Rams vorerst Seattle, das noch zwei Auswärtsspiele gegen Playoff-Kandidaten (Carolina und San Francisco) bestreiten muss. Nach San Francisco müssen kommende Woche allerdings auch die Bears erst einmal, ehe sie zum Abschluss daheim gegen Detroit spielen. Schafft Chicago den Erfolg gegen die 49ers, könnte man im letzten Spiel gegen die Lions die NFC-Bilanz auf 9:3 schrauben und wäre bei einer Niederlage Seattles in den letzten zwei Wochen ganz vorn.
Gegen Green Bay war bei den Bears bereits Nervenstärke gefordert. Zur Halbzeit lag der Gastgeber nach zwei Field Goals der Packers 0:6 zurück, kam nach der Pause zunächst nur zu einem Field Goal und konnte wenig später auch nicht von einem Fumble von Packer Josh Jacobs profitieren. Es verschob nur den ersten Touchdown der Partie ans Ende des dritten Viertels - dann fing Romeo Doubs den Pass von Malik Willis zum 13:3.
Willis hatte ab Ende des zweiten Viertels für den etatmäßigen Quarterback Jordan Love bei Green Bay übernehmen müssen, nachdem der mit Verdacht auf Gehirnerschütterung vom Feld musste und den "Cheeseheads" nun ausgerechnet in der entscheidenden Saisonphase fehlen könnte. Gegen die Bears schien dies lange gar nicht auf eine Schwächung hinauszulaufen, Willis brachte nach der Pause alle seine Passversuche an den Mann. Fünf Minuten vor dem Ende beantworteten die Packers so das nächste Field Goal Chicagos mit einem weiteren eigenen zum 16:6.
Chicago schien anschließend nach einem Quarterback Sack an Caleb Williams in einem dritten Versuch bereits wieder in die eigene Hälfte zurückgeworfen und gestoppt. Doch statt eines vierten Versuchs mit vermutlich unüberwindlichen 26 Yards zum First Down gab es wegen eines Face-Mask-Fouls von Warren Brinson doch weiter Ballbesitz für Chicago und zwei Minuten vor dem Ende ein Field Goal zum 9:16.
58 Minuten ohne Touchdown bedeuteten für die Bears, dass nun ein kleines Wunder her musste. Josh Blackwell leitete es ein, indem er den Onside Kick für die Gastgeber sicherte. Das Spiel kippte so schnell, dass manch Packers-Fan sich den Cheese-Hut lupfen musste, um sich die Haare zur raufen. Caleb Williams brachte fünf Pässe in Serie an. Williams warf insgesamt 19 vollständige Pässe für 250 Yards und zwei Touchdowns bei 34 Passversuchen und blieb dabei ohne Fehlwurf. In Green Bays Red Zone gab es zwar noch drei Fehlversuche, aber im vierten Down fing Jahdae Walker den kurzen Touchdown-Pass über sechs Yards über die rechte Seite zum nicht mehr für möglich gehaltenen Ausgleich.
Das ging augenscheinlich nicht spurlos an den Packers vorüber. Die reguläre Spielzeit endete mit dem ersten Quarterback Sack gegen Willis, im fünften Spielzug der Overtime kassierte er den zweiten. Für ein sicheres Field Goal waren die Packers noch zu weit von der Endzone weg, Chicago hätte so oder so danach noch eine Chance bekommen.
Also setzte Green Bay auf den ausgespielten vierten Versuch - Willis fumbelte, und dass Emanuel Wilson an den Ball kam, half nichts, auch für ihn blieb das First Down unerreichbar. Die Bears holten mit zwei Läufen ein First Down in Green Bays Hälfte, dann durfte Williams DJ Moore zum Matchwinner machen: Mit seinem fünften Passfang der Partie holte DJ Moore 46 seiner 97 Yards Gesamt-Raumgewinn im Spiel. Und den Touchdown zu einem wichtigen und kaum noch erwarteten Comeback-Sieg gegen den Erzrivalen. Santa Claus war offensichtlich in Chicago schon unterwegs...
Daniel Weber - 22.12.2025

DJ Moore fing in der Overtime für die Chicago Bears den entscheidenden Touchdown-Pass. (© Getty Images)
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