Spürbar erreicht hat Miami die Quarterback Kontroverse. Nach wenig erbaulichen Leistungen in dieser Saison wurde der einstige Pro Bowl QB Tua Tagovailoa vor diesem Spieltag auf die Bank gesetzt und Siebtrundenpick QB Quinn Ewers die Chance gegeben sich zu zeigen. Doch statt Ewers den Rücken zu stärken bestimmten nur die Themen um die Kosten einer Entlassung Tagovailoas und den Versuch der Dolphins via Trade Bengals QB Joe Burrow zu draften die Schlagzeilen und sorgten für zusätzliche Unruhe. Die Bengals (und Burrow) freute diese Ablenkung vor dem direkten Duell und so siegten sie souverän 45:21.
Für einige Fans, Medien und Spieler war der QB Wechsel überfällig, für andere hingegen Tagovailoa nur ein Bauernopfer für ein Team, das nie zusammenfand und sein Leistungspotential entfalten konnte. Denn streng genommen sind die Dolphins wieder da, wo sie vor einigen Jahren schon einmal standen: ihr (talentierter) Quarterback spielt weit unter seinen Möglichkeiten und das Team verliert. Dass dann auf einmal QB Tua Tagovailoa als 5. Pick der Draft 2020 das Team übernahm und Erfolg hatte, lag nicht alleine an ihm, sondern auch an den 10 Männern mit ihm auf dem Feld. Insbesondere in der Line vor ihm, wo All-Pro Terron Armstead verpflichtet wurde, OT Austin Jackson als Erstrundenpick hinzukam und auf einmal der Fokus darauf gerichtet wurde. Mit OG Robert Hunt wurde 2020 zudem ein talentierter Guard nach Miami geholt (2. Runde 2020), C Connor Williams kam 2022 als Free Agent hinzu.
Was folgte ist bekannt: Austin Jackson floppte als Offensive Tackle und wurde auch als Guard ausprobiert - mit wechselhaften Erfolgen. Connor Williams und Robert Hunt schlugen voll ein... und verließen Miami, denn die Dolphins konnten sich die Weiterverpflichtung wegen den teuren Verträgen von u.a. CB Jalen Ramsey, WR Tyreek Hill und OLB Bradley Cubb nicht mehr leisten. Und vor der Saison 2025 ging dann auch der zuletzt verletzungsanfällige OT Terron Armstead in den Ruhestand. Mit 2024 Zweitrundenpick Patrick Paul fanden die Dolphins einen talentierten Spieler als LT, der aber nicht annähernd das Niveau von Armstead erreichte, mit 2025 Zweitrundenpick OG Jonah Savaiinaea griff das Team wieder einmal daneben und hat nun erneut die schlechteste Offensive Line der gesamten Liga. Zudem verletzte sich Go-to WR Tyreek Hill, Sicherheitsoption TE Jonnu Smith ging im Trade nach Pittsburgh (TE Darren Waller ist sicher ein bekannter Name und kein schlechter Spieler, aber er war 2024 ein Jahr im Ruhestand). Dies gepaart mit hohem Erwartungsdruck und eine Ausrichtung mehr auf den Arm von Tagovailoa als auf ein ausgewogenes Angriffsspiel, brachte den Millionen-Quarterback der Dolphins über seine Grenzen hinaus und ließen ihn so schlecht aussehen, wie es der Fall war. Denn erst seit die Dolphins mehr auf das Laufspiel um den schnellen Ausnahmekönner RB De'Von Achane setzen, läuft es wieder einigermaßen Rund im Angriff, gegen Teams mit starkem Pass Rusher gelingt aber auch hier wenig und Niederlagen kommen.
Dies alles Tagovailoa anzulasten ist eine Folge seines hochdotierten Vertrags, der eine immense Erwartungshaltung mit sich bringt. Warum haben wir keine Offensive Line? Weil in den Quarterback investiert wurde... nur dieser alleine kann ein Team nur bedingt zum Erfolg führen. Dies lernte nun auch QB Quinn Ewers, der Siebtrundenpick der Dolphins im vergangenen Jahr. Als einer der besseren Quarterbacks galt Ewers in diesem Jahrgang und fiel überraschend bis in Runde 7, wo die Dolphins zuschlugen. In der Vorbereitung deutete er schon NFL-Starterpotential an, musste aber hinter 100+Millionen QB Tagovailoa zurückstehen und auf seine Chance warten.
Die bekam er nun gegen die Cincinnati Bengals... und zeigte am Ende Durchschnittskost. 20/30 Pässen an den Mann gebracht ist sehr solide, auch 260 Yards sind sicher in Ordnung, die beiden Interceptions jedoch (und kein TD Pass) lassen seine Leistung schwach wirken. So war es wieder das Laufspiel um Achane (erneuter 48 Yards TD Lauf), das die Kohlen aus dem Feuer holte und Miami zumindest bis zur Pause (14:17) im Spiel hielt.
Nach der Pause drehte dann Bengals QB Joe Burrow auf. Der Quarterback, der 2020 an Erster Stelle gedrafted worden war, zerlegte Miami im dritten Viertel mit zwei Touchdown-Pässen auf RB Chase Brown (hinzu kam noch ein TD Lauf von Brown), im Schlussviertel machte mit TE Mike Gesicki ausgerechnet ein ehemaliger Dolphin den Deckel drauf. Burrow stand in dieser Woche besonders im Blick, denn es kamen Meldungen heraus, dass die Dolphins den Bengals 2020 vier Erstrundenpicks für den 1. Pick angeboten haben sollen. Schwer vorstellbar solch ein Preis für einen NFL unerfahrenen Spieler jedoch, auch wenn Burrow als bestes QB Talent dieser Draft galt (amtierender Heisman Trophy Gewinner). Denn in der gleichen Draft wählte Miami Tagovailoa aus an 5. Stelle, QB Justin Herbert ging an sechster Stelle nach Los Angeles. Ist der Sprung von 5 auf 1 vier Erstrundenpicks wert? Ja, bei einem todsicheren sofortigen Leistungsträger, was es aber in der NFL kaum noch gibt. Drei Erstrundenpicks zum hochtraden von 5 auf 1 wäre ein extrem hoher Preis gewesen, mit dem a) Miami seine komplette Zukunft verpfändet hätte und b) Cincinnati kaum hätte ablehnen können, da mit Tagovailoa und Justin Herbert noch zwei weitere hochgeschätzte Quarterbacks zur Verfügung standen an dieser Stelle der Draft. Weshalb man sich fragen muss, was diese Meldung wert ist und was sie eigentlich bezwecken soll (abgesehen davon, ob Burrow hinter der Miami Offensive Line sich so entwickelt hätte wie bei den Bengals)...
Schüler - 22.12.2025
Leser-Bewertung dieses Beitrags: