Verletzung vernichtet Playoffambitionen

Daniel Jones muss lange pausierenDer Moment, der das Spiel bei den Jacksonville Jaguars auf lange Zeit nachhaltig beeinflussen sollte, kam kurz vor Ende des Auftaktviertels: Quarterback Daniel Jones, der sowieso mit einer speziell für ihn angefertigten 3D-Schiene über seinem gebrochenen rechten Wadenbein aufgelaufen war, ging ohne gegnerische Einwirkung zu Boden und musste durch Rookie Backup Riley Leonard ersetzt werden. Jones humpelte stattdessen in Richtung Lockerroom. Die Erstdiagnose Achillessehnenverletzung links bedeutet ein vorzeitiges Saisonende und eine lange Pause.

Auch wenn man da bereits zurück lag, waren die Siegchancen mit der Premiere von Backup Leonard, einem Sechstrundenpick 2025, gen Null gesunken. Aber nicht nur das: Trotz herausragendem Start muss man ohne Starter Jones mehr als nur um die Playoffs bangen. Aktuell belegt man mit einer 8-5 Bilanz den ersten nicht-Playoffplatz. Wie man mit Leonard weiter nach vorne kommen sollte, ist kaum vorstellbar. Und auch mit dem aktuell ebenfalls verletzten Anthony Richardson ist kaum mehr zu erwarten.

Die Entscheidung für Neuzugang Daniel Jones war vor Beginn der Saison 2025 gefallen; für Ex-Erstrundenpick Anthony Richardson blieb damit nur der Platz auf der Bank. Jones bestätigte mit starken Auftritten über viele Wochen die Wahl zu seinen Gunsten: Er brachte 68 Prozent seiner Pässe (Karrierebestwert) für 3.101 Yards (seine zweitbeste Saison überhaupt) und 19 Touchdowns bei acht Interceptions an. Gut genug für acht Siege und fünf Niederlagen, wobei seit der Bye Week (nach dem Berlin Game) jetzt dreimal in Folge verloren wurde.

Die Unterschrift von Daniel Jones Mitte März war zuvor nicht unbedingt zu erwarten gewesen: Einerseits spekulierte man über einen Verbleib bei den Vikings, andererseits fühlte er sich bei den Colts nicht unbedingt wie ein Upgrade an und der zu erwartende "Zweikampf" mit Anthony Richardson vermochte auch nicht unbedingt mitzureissen. Fast folgerichtig spielten beide in der Preseason nur wenig beeindruckend.

In seiner Rookiesaison 2023 sah Anthony Richardson noch durchaus vielversprechend aus, verletzte sich jedoch bereits nach vier Starts, in denen er 577 Yards mit drei Touchdowns bei einer Interception erworfen und weitere vier Touchdowns erlaufen hatte. So fiel er den Rest der Spielzeit aus; seitdem haftet ihm immer wieder der Ruf an, verletzungsanfällig beziehungsweise "zu soft" zu sein.

Im Vorjahr startete er elf Partien, erwarf dabei 1.814 Yards mit acht Touchdowns bei 12 Interceptions und erlief weitere sechs Touchdowns. Deutlich weniger, als man sich zu diesem Zeitpunkt von ihm versprochen hatte. Letztendlich zog man ihm die graue Eminenz Joe Flacco vor und setzte Richardson auf die Bank. Aber auch der konnte nicht mehr überzeugen. Am Ende waren beide zu schwach für die Ansprüche, die sowieso schon nicht allzu hoch waren. Zudem könnten die Spielstile von Richardson und Flacco kaum unterschiedlicher sein - vom mobilen Runner zu Pocket-Statue Flacco.

Aber auch Daniel Jones blieb zuvor hinter den Erwartungen zurück: Bei den Giants im Jahr 2019 mit dem sechsten Pick der ersten Runde geholt, sollte er der langjährige Starter im Big Apple werden. Das ging schief, was nicht ausschließlich am sportlichen Bereich lag, sondern auch an Fehlern des Managements: Zunächst lehnte man nach insgesamt enttäuschenden drei Jahren die Option auf ein fünftes Vertragsjahr im April 2022 ab, was zunächst einmal 22,3 Millionen für die Saison 2023 bedeutet hätte.

Im Jahr darauf kam man dann allerdings nach einer erstmals zumindest durchschnittlichen Saison (3.205 Yards, 15 Touchdowns bei nur fünf Interceptions in 17 Starts) vermeintlich nicht mehr um eine - kostspielige - Vertragsverlängerung herum.

Vier Jahre, bis zu 160 Millionen, davon 92 Millionen garantiert, gab es für Jones im März 2023. Gleich im September erfolgte eine Restrukturierung des Vertrags, Ende November 2024 war dann schon Schluss bei den Giants, als er sich - aus nachvollziehbaren Gründen - nicht im Training als Passverteidiger aufstellen lassen wollte. Die Vikings holten ihn für ihre Practice Squad, aber zu Einsätzen in Minnesota kam es nicht.

In 70 Partien für die New York Giants kam er auf 14.582 Yards, 70 Touchdowns und 47 Interceptions.

Die Vikings hatten ihm lediglich weiterhin einen Platz in ihrer Practice Squad angeboten (laut Tom Pelissero / NFL Network), stattdessen unterschrieb er für ein Jahr und 14 Millionen bei den Colts.

Jones wurde damit der 13. Stamm-Quarterback der Indianapolis Colts seit 2017: Jacoby Brissett, Scott Tolzien, Andrew Luck, Brian Hoyer, Phillip Rivers, Carson Wentz, Matt Ryan, Sam Ehlinger, Nick Foles, Gardner Minshew, Anthony Richardson, Joe Flacco, Daniel Jones

Stabilität sieht anders aus und mit Starter #18, Riley Leonard, dürfte auch kaum langfristig geplant werden. Fraglich, wie es mit Jones weitergehen kann, da ein Achillessehnenriss mit am längsten braucht (prominentes Beispiel zuletzt Aaron Rodgers damals bei den Jets) und er verletzt im Frühjahr zum Free Agent wird.

Carsten Keller - 08.12.2025

Daniel Jones muss lange pausieren

Daniel Jones muss lange pausieren (© Carsten Keller)

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