Die Zusammensetzung des Teilnehmerfeldes der Playoffs hätte ohne große Kontroversen laufen können, weil die Ergebnisse in zwei der Conference Championship Games die Situation mit dem größten Streit-Potenzial auf sportliche Art entschärften und das Playoff Selection Committee damit vor einer Entscheidung bewahrt hätten, die auf jeden Fall heftig kritisiert worden wäre. Nach den überraschend klaren Siegen von Georgia im SEC Championship Game gegen Alabama (28:7) und Texas Tech im Big Twelve Championship Game gegen BYU (34:7) sah es so aus, als könnte das Gremium sowohl Notre Dame als auch Miami unter den ersten Zehn der CFP-Rangliste platzieren. Die kniffligste Frage, die am Sonntag dann noch zu klären gewesen wäre: Kann nach Dukes 27:20-Erfolg nach Verlängerung gegen Virginia im ACC Championship Game ein Power Four Conference Champion mit fünf Niederlagen auf dem Konto tatsächlich in die Playoffs einziehen, oder verpasst er als nur sechstbester Conference Champion den Einzug in die Playoffs? Am frühen Sonntagabend deutscher Zeit gabs dann die Überraschung: Nicht das von Georgia regelrecht vorgeführte Alabama oder Miami, das bis letzte Woche in der CFP-Rangliste immer hinter Notre Dame gelegen hatte, verpasst die Playoffs, sondern Notre Dame.
Im Großen und Ganzen setzte sich das Playoff-Puzzle am Samstag ziemlich leicht zusammen, auch wenn nicht alle Conference-Endspiele so liefen, wie man es erwartet hatte. Keine Sensation, aber doch eine Überraschung war, dass sich Indiana im Big Ten Championship Game gegen das bis dahin so souveräne Ohio State mit 13:10 durchsetzte und als neuer Ranglistenerster in die KO-Runde einzieht. Große Auswirkungen auf die Playoffs hat dieses Ergebnis freilich nicht. Es war schon vor dem Spiel klar, dass diese Beiden unabhängig vom Ausgang der Partie auf den ersten beiden Plätzen der Rangliste bleiben und direkt ins Viertelfinale einziehen würden. Und dass man auch ohne Conference-Titel National Champion werden kann, hatte Ohio State im letzten Jahr selbst gezeigt. Dennoch war Head Coach Ryan Day angefressen. "Es wird in den nächsten zwei Wochen eine Menge ernster Gespräche geben. Diese Niederlage schmerzt, sie ist ärgerlich", sagte er am Samstagabend. Die beiden anderen Plätze im Viertelfinale sicherten sich Georgia und Texas Tech mit ihren oben erwähnten Siegen.
Da aus den Top-Vier keiner herausfallen würde, ergaben sich die folgenden Platzierungen von selbst. Die Teams auf den Plätzen fünf bis acht waren mit ihren Spielen durch und konnten sich wegen der Siege von Georgia und Texas Tech in der Rangliste auch nicht mehr verbessern, und damit war klar, dass sich an ihren Platzierungen nichts verändern würde. Oregon, Mississippi, Texas A & M und Oklahoma werden also die Gastgeber in den vier Partien der ersten Playoff-Runde sein. Beginnen werden die Playoffs am 19. Dezember mit der Partie Oklahoma gegen Alabama, der Neuauflage eines Regular-Season-Spiels, das Oklahoma gewonnen hatte. Am folgenden Tag spielen dann Oregon gegen Sun Belt Champion James Madison, Mississippi gegen AAC Champion Tulane und im Duell der beiden Notre-Dame-Bezwinger Texas A & M gegen Miami.
Über die Platzierungen dahinter wurde nach der Veröffentlichung der CFP-Rangliste vom 2. Dezember kontrovers diskutiert, weil es mit Alabama, Notre Dame, Miami und Vanderbilt vier weitere Anwärter, neben Oklahoma, mit einer 10-2-Bilanz gab, dazu BYU mit seiner 11-1-Bilanz auf Platz elf und Texas (9-3) auf Platz 13. Abhängig von den Ergebnissen der Conference-Endspiele ergaben sich unterschiedliche Szenarien, bei denen immer Teams, die sich für playoff-würdig hielten, außen vor geblieben wären. Hätten etwa Alabama und BYU ihre Spiele gewonnen, dann wäre Alabama sicher unter den ersten Zehn geblieben, hätte sich sogar noch verbessert, und BYU hätte sich unter die ersten Zehn verbessert, ohne dass Georgia und Texas Tech aus den Top-Ten herausgefallen wären. In diesem Fall wäre Notre Dame aus den Top-Ten herausgefallen und der Zwölfte, Miami, hätte keine Chance mehr gehabt, sich in die Top-Ten zu verbessern. Bei der letztlich eingetretenen Konstellation, also Siege von Georgia und Texas Tech, blieb noch die Frage zu klären, wer die Plätze neun und zehn bekommt.
Das Platzierungsverhalten des Playoff Selection Committees deutete darauf hin, dass dies Notre Dame und Alabama sein würden. In der Rangliste lag Notre Dame bei gleicher Bilanz (jeweils 10-2) vor Miami, obwohl Miami zu Saisonbeginn das direkte Duell mit den Fighting Irish gewonnen hatte. Darüber hinaus wertete man den Tausch der Platzierungen von Alabama und Notre Dame im Vergleich zur voraufgegangenen Rangliste (Alabama rauf von Platz zehn auf neun, Notre Dame runter von Platz neun auf zehn) so, dass sich das Gremium Spielraum dafür verschaffen wollte, Alabama im Falle einer knappen Niederlage gegen Georgia unter den Top-Ten halten zu können. Beides hätte schon ein ziemliches "Geschmäckle" gehabt. Seit jeher wird es bei Teams mit gleicher Bilanz so gehandhabt, dass, wenn es ein direktes Duell gegeben hat, das Ergebnis davon als erster Tie-Breaker herangezogen wird. Und Alabama mit drei Niederlagen vor Notre Dame und/oder Miami zu platzieren, wäre auch nicht fair gewesen, zumal Alabama schon seit Wochen nicht mehr überzeugt und Mitte November gegen Oklahoma sogar die zweite Niederlage kassiert hatte.
Dass das Selection Committee Alabama trotz der klaren Niederlage gegen Georgia auf Platz neun beließ, war dann eine dicke Überraschung. Die Kriterien dafür waren das härtere Programm, das Alabama gegenüber Miami und Notre Dame zu absolvieren hatte, dass Alabama mit dem Sieg bei Georgia Ende September den "höherwertigeren" Sieg aufzuweisen hatte und dass man Alabama nicht dafür bestrafen wollte, dass es im SEC Championship Game ein zweites Mal gegen einen Gegner spielen musste, gegen den es schon einmal gespielt und gewonnen hatte. In der schrägen Logik der ohnehin aus der Zeit gefallenen Art, die Playoff-Teilnehmer zu ermitteln, mag das passen, sportlich gesehen, darf man die Entscheidung getrost kritisieren. Hätte Alabama die Playoffs verpasst, dann nicht wegen einer vermeintlichen Bestrafung für die Niederlage im SEC-Finale, sondern, weil es mehr Niederlagen kassiert hatte als Miami und Notre Dame, darunter eine gegen ein Team, das nur vier Spiele gewonnen hatte (Florida State), und wegen der erschreckenden Hilflosigkeit gegen Georgia am Samstag.
Aber gut, nachdem sich das Selection Committee also für Alabama als Playoff-Teilnehmer entschieden hatte, und es für den letzten Playoff-Platz nur noch um Notre Dame oder Miami ging, gab man Miami wegen des Sieges im direkten Duell den Vorzug. In der Sache war das natürlich richtig, aber der Weg hin zu dieser Entscheidung war höchst ungeschickt. Und das hat Konsequenzen: Notre Dame erklärte noch am Sonntagabend, dass es nicht an einem der Bowl-Spiele teilnehmen werde. "Es gibt keine Erklärung, die man uns für dieses Ergebnis (Verpassen der Playoffs) geben könnte. Wir empfinden das so, dass unseren Spielern die Playoff-Teilnahme gestohlen wurde", hieß es in einem Statement Notre Dames dazu.
Und dann war da noch das Problem mit dem ACC Champion Duke. Head Coach Manny Diaz warb nach dem Sieg gegen Virginia dafür, dass sein Team zumindest vor dem Champion der Sun Belt Conference (James Madison) platziert werden sollte und argumentierte mit dem deutlichen Unterschied im Niveau der beiden Conferences. Mit Letzterem hat er fraglos recht, aber fünf Niederlagen sind für einen Playoff-Teilnehmer doch arg viel, selbst als Champion einer Power Four Conference. Und es ist ja auch nicht so, dass Duke ein Mörderprogramm gespielt und nur gegen hochkarätige Teams verloren hätte. Ein Makel war vor allem die Bilanz in Spielen außerhalb der ACC. Hier gewann man nur eines von vier Spielen, gegen das unterklassige Elon. Die übrigen drei Partien gegen Illinois, bei Tulane und bei Connecticut gingen verloren. Die Blue Devils haben also allen Grund, die Schuld für das Verpassen der Playoffs bei sich selbst zu suchen. Und angesichts des Saisonverlaufs werden sie sich gewiss schnell vor allem über den überraschenden Gewinn des Conference-Titels freuen und weniger über die verpasste Playoff-Teilnahme grämen.
Hoch - 08.12.2025

Indiana zieht nach dem überraschenden 13:10-Sieg gegen Ohio State als Big Ten Champion und Ranglistenerster in die Playoffs ein. (© Getty Images)
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