Für weltweites Aufsehen hatte am vergangenen Freitag US-Präsident Donald Trump gesorgt, als er im Rahmen der WM-Auslosung im John F. Kennedy Center in Washington verkündete, dass man nicht mehr "Soccer" sagen solle, sondern "Football" und man das "NFL-Ding umbenennen" müsse. Während dieser Satz in den USA und weltweit für Schlagzeilen sorgte, blieb die Reaktion der NFL professionell und weltmännisch: sie blieb aus und nahm dies alles als das wahr, was es letztendlich war, ein verzweifeltes Kettenrasseln der Protagonisten als Werbung für die Fußball-WM.
Dass der Fußball in den USA als "Soccer" bekannt ist, hat einen historisch bedingten guten Grund: dank der Dominanz von American Football auf dem amerikanischen Markt, musste ein Begriff gesucht werden diese beiden Sportarten voneinander abzugrenzen. Man bediente sich einer Bezeichnung, die - wie nicht anders zu erwarten - aus England kam. Dort wurde professioneller Fußball in den 1880er Jahren als "Association Football" bezeichnet oder kurz "assoccer", was später zu "soccer" verkürzt wurde. In den USA wurde so die Trennung in "(American) Football" und "Soccer" vollzogen, die sich in den kommenden Jahrzehnten weltweit (abseits des Inselkönigreichs) in vielen Köpfen festsetzte.
Nun die Umbenennung zu fordern, war daher nicht mehr als ein PR-Gag für die Fußball-WM, der alleine durch seine weltweite Aufmerksamkeit funktionierte und der NFL ein müdes Lächeln und keine Reaktion abrang. Auch wenn man gerne dem kultigen Ex-Monty Python Comedian John Cleese und seinen Ausführungen folgt, dass der Begriff "Football" für den American Football wenig Sinn mache, da nur zwei Spieler im ganzen Kader überhaupt den Ball mit den Füßen berühren dürfen, besteht keinerlei Notwendigkeit zu Veränderungen, etwa zum vorgeschlagenen "Hand-Egg-Running", in Anspielung auf den wenig runden "Ball".
Vielmehr vergaßen die Protagonisten in Washington und insbesondere US-Präsident Donald Trump, wie abhängig der Erfolg dieser Fußball-Weltmeisterschaft von der Beteiligung der NFL ist. Denn mitnichten werden die 104 Spiele im kommenden Sommer in den Stadien der US-Profi-Fußballliga MLS ausgetragen. 30 Stadien haben die 30 Teams der MLS, das größte eigene Stadion fasst dabei 35.000 Zuschauer (San Diego FC). Wobei sieben MLS-Teams als Mieter in großen Stadien auflaufen, die mit verminderter Kapazität zu diesen Spielen betrieben werden. Fünfmal sind es NFL Stadien (Charlotte, Seattle, New England, Atlanta, Chicao), einmal ein MLB Stadion (New York) und ein Stadion der CFL (Vancouver). Niemals hätten die USA den Zuschlag als Ausrichter bekommen, wenn sie sich mit den reinen Fußballstadien beworben hätte, denn die von Ticket-Verkäufen (und Sponsoring Erträgen) abhängige FIFA hätte sofort ein großes Verlustgeschäft gesehen und die Veranstaltung anderweitig vergeben.
Sogar Werbung macht der Fußballweltverband indirekt mit der NFL. So betont die FIFA gerne ihre Nachhaltigkeitsstrategie, indem sie darauf hinweist, dass keine neuen Flächen versiegelt und Stadien gebaut werden mussten, sondern bestehende Anlagen genutzt werden. Vergessen geht dabei jedoch, dass die elf genutzten NFL Stadion schon immer von den Ligavorgaben her hohe Anforderungen erfüllen müssen, was Kapazität, Infrastruktur, sowie Logenplätze, Medienbereiche, Umkleiden, etc. betrifft. Ebenso in Vergessenheit bei der Betonung der Nachhaltigkeitsstrategie gerieten die weiten Wege in den USA für die Fans und die teilnehmenden 48 Teams, die sicher nicht mit dem Zug zurückgelegt werden können.
Keinen Gefallen taten der Fußball-Weltverband und der US-Präsident der Wahrnehmung der Spiele dieses Turniers als "104 Super Bowls". Kaum vorstellbar ist es, dass eine Partie wie Saudi-Arabien gegen Kap Verde in der Wahrnehmung einen solchen Stellenwert je erreichen könne, zudem entwertet diese Deklaration auch in gewisser Weise einen der höchten amerikanischen (Sport-)Feiertage eher, als dass sie "Soccer" wie erhofft auf das hohe Podest stellt.
Dass Trump mit seinen Sätzen verbal in Richtung NFL schießt, hat sicher aber auch histiorische Gründe. Gut dokumentiert ist dies, nicht zuletzt 2018 bezeichnete Trump die NFL im Artikel des Business Insiders "The Pigskin War" als seinen ältesten Rivalen. Auch erfahrene Sportjournalisten wie Adam Schefter und Ed Malyon berichteten mehrfach von der Abneigung Trumps gegen die NFL. Denn seit mehr als 40 Jahren ist der Immobilienmogul und derzeitige US-Präsident bestrebt ein NFL Team zu kaufen. Nur: mehrfach war er unter den Kandidaten, immer wurde er abgelehnt, mitunter auch mit Stimmen alteingesessener Teambesitzer, die Trump als nicht passend zur NFL titulierten. Unter anderem um die Buffalo Bills, Baltimore Colts und New England Patriots bemühte sich Trump, wurde aber immer abgelehnt.
Dies führte dazu, dass sich Trump in den 1980er Jahren an der neugegründeten Profiliga USFL beteiligte und als Teambesitzer der New Jersey Generals war er einer der Treiber der Liga in einen direkten Konfrontationskurs mit der NFL, indem beide Ligen ein Wettbieten um Spieler veranstalteten und die USFL ihren Spielplan von Frühling auf Herbst umstellte. Spieler wie RB Herschel Walker, QB Jim Kelly oder DE Reggie White spielten in der USFL, ehe sie in die NFL wechselten. Dabei war die Konfrontation mit der NFL dann auch der endgültige Untergang für die USFL, denn die Prozess gegen die Monopolstellung der NFL bei Fernsehrechten, endete zwar mit einem Sieg der USFL, aber dieser kam ohne die erhoffte Entschädigungszahlung, die - so die Absicht von Trump - zu einem Verschmelzen der beiden Profiligen führen sollte. Die USFL war bankrott und gab auf, Trump hatte viel Geld verloren und war immer noch kein NFL-Teambesitzer - ein Groll, den er heute noch hegt.
Somit bleibt nur übrig diesen Satz zu sehen, als das was er ist: ein verzweifelter Versuch in den "Soccer" in den USA auf ein Podest zu stellen in gleicher Höhe mit dem populärsten Teamsport, dem American Football. Bislang wurden nur etwa zwei Millionen der verfügbaren sechs Millionen Tickets verkauft, die meisten in den Ausrichterländern USA, Kanada und Mexiko. Allerdings wird es nun eine dritte Verkaufsphase geben, da die Spielpaarungen und Spielorte seit Freitag feststehen. Hier wird aber vor allem mit verstärktem weltweiten Interesse an den Einzeltickets gerechnet.
Schüler - 08.12.2025

US-Präsident Donald Trump und FIFA Präsident Gianni Infantino versuchten alles, um Werbung für die Spiele der FIFA WM 2026 zu machen (© Schüler)
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