Rückkehr von Deshaun Watson in Trainingsbetrieb

Deshaun Watson und ein Handtuch - demnächst auf dem TrainingsplatzDie Cleveland Browns haben per einzeiliger Pressemeldung die (potenzielle) Rückkehr ihres bestbezahlten Quarterbacks Deshaun Watson ins Training bekanntgegeben. Ähnlich kurz fiel das Statement von Head Coach Kevin Stefanski in der direkt stattfindenden regulären Pressekonferenz aus. Begeisterung strahlte es jeweils nicht aus.

Das Statement der Browns um kurz vor 17 Uhr deutscher Zeit: "Wir haben Quarterback Deshaun Watson für eine Rückkehr ins Training bestimmt." Kein Wort zu viel. Letztendlich bedeutet das aber nur, dass er auch trainieren könnte, was angesichts seines garantierten 46 Millionen Dollar pro Jahr-Vertrags auch irgendwie Sinn ergibt. Wenn man die Hintergründe kennt, fragt man sich aber auch, warum sich die Browns dieses PR-Desaster angesichts keiner realistischen Playoffchancen zu diesem Zeitpunkt noch antun.

Ein Rückblick: Deshaun Watson hatte sich im Januar erneut die Achillessehne gerissen und man ging davon aus, dass er deswegen vermutlich die komplette Saison 2025 verpassen würde. Das löste zumindest den Zwiespalt, ob man trotz schlechter (bis katastrophaler) Leistungen an ihm festhält, weil man ihm 46 Millionen Dollar zahlen muss, oder ihn trotz dieser Summe auf der Bank – oder eher Tribüne oder noch eher zu Hause – sitzen lässt.

Das Debakel seiner Verpflichtung wirkte auch 2024 noch nach. Die Erinnerung an seine starken Leistungen in Houston verblasst immer mehr, seit der Enthüllung seiner sexuellen Verfehlungen in Kombination mit einer Flut von Anschuldigungen und außergerichtlichen Einigungen (deutlich über 20) ist er sportlich nur noch ein Schatten früherer Tage.

In der Vorsaison absolvierte er sieben Partien vor einem Achillessehnenriss und konnte nur eine einzige davon gewinnen bei fünf Touchdowns, drei Interceptions und rekordverdächtigen 33 kassierten Sacks. Vermisst wurde er anschließend nicht, besser wurde es allerdings auch nicht mit den Nachfolgern Jameis Winston, Dorian Thompson-Robinson und zuletzt Bailey Zappe.

Daher war fast klar, dass sich die Browns im Draft einen Quarterback sichern mussten, obwohl sie Watson eben für 2025 und 2026 jeweils noch 46 Millionen Dollar garantiert ausbezahlen müssen. Es wurden dann mit Dillon Gabriel (3rd Round) und Shedeur Sanders im freien Draft-Fall dann gleich zwei.

Mitleid muss man diesbezüglich mit der Franchise nicht haben: Als im März 2021 die ersten Anschuldigungen von Masseurinnen gegenüber Watson über den Anwalt Tony Buzbee veröffentlicht wurden, verneinte Watson jegliches sexuelle Fehlverhalten. Buzbee wurde anschließend von immer mehr Frauen verpflichtet, wobei sich das Muster von Watsons Verhalten des Öfteren ähnelte.

Bis April kamen so 22 (zivilrechtliche) Klageanträge zusammen, was einerseits dazu führte, dass Sponsoren ihre Zusammenarbeit mit Watson beendeten oder zumindest ruhen ließen, und andererseits der gefallene Quarterback irgendwann weg wollte und eine Tradeforderung veröffentlichte. Die Browns zauberten trotz aller Vorwürfe den bis dato bestdotierten Vertrag der NFL-Historie aus dem Hut und ihn nach Cleveland. Ursprünglich hatte Watson andere Teams als künftigen Arbeitsort bevorzugt, bei diesem Vertragsangebot war sein Ziel klar.

Strafrechtlich wurde er nie verurteilt, zivilrechtlich einigte sich sein Anwalt(steam) über die Jahre mit den Frauen. Die Höhe der geflossenen Gelder wurde dabei wie üblich nicht publiziert (vermutlich blieb aber auch nach Abzug der Anwaltskosten noch die ein oder andere Million pro Jahr übrig zum Überleben).

Sportlich stürzten seine Leistungen gleichzeitig ins Bodenlose ab: 2020 – vor den Vorwürfen – erwarf er noch 4.823 Yards (die meisten der NFL) mit 33 Touchdowns und nur sieben Interceptions bei einer Completion Percentage von 70,2 Prozent.

In Cleveland bestritt er aufgrund einer Supendierung und Verletzungen sechs (2022, 2023) beziehungsweise sieben (2024) Partien, in denen er nie über 1.150 Yards oder sieben Touchdowns hinauskam. Die Completion Percentage lag dabei maximal bei 63,4 Prozent (2024).

Alles Werte, die normalerweise für einen Abschied sprechen würden. Allerdings hatten die Verantwortlichen der Browns im Wettbieten um Watson eben den damals besten Vertrag der NFL-Geschichte gegeben und dafür auch noch viel Draftkapital (unter anderem drei Erstrundenpicks und ein Drittrundenpick) in die Hand genommen. Fünf Jahre und voll garantierte 230 Millionen Dollar, die ihm jährlich 46 Millionen Dollar bringen – ob er spielt, zu Hause sitzt oder entlassen ist.

Jetzt ist das weitere Vorgehen unklar, aber er wird auf alle Fälle 46 Millionen Dollar für 2025 und dann auch 2026 erhalten. Durch die Verletzung verschob sich zumindest die Diskussion, was man mit ihm anfangen sollte, weiter in die Zukunft. Diese Zukunft scheint aber jetzt zu sein.

Mitleid für die Franchise ist trotzdem fehl am Platz – es war ein kalkuliert und bewusst eingegangener Trade und anschließender Vertrag, der sich (für viele erwartbar) als absolutes Debakel herausgestellt hat.

Kevin Stefanski verwendete die ersten Sekunden seiner Pressekonferenz auf die Botschaft: "Endlich darf er mit seinen Mitspielern wieder auf den Trainingsplatz und individuelle Einheiten absolvieren. Ich freue mich für ihn. Sein Ziel – und natürlich mein Ziel – ist es natürlich ihn wieder zum Spielen... und zum Trainieren zu bringen, was er über ein Jahr nicht gemacht hat. Es ist ein guter nächster Schritt für ihn. Unser Fokus ist natürlich weiter auf den Tennessee Titans."

Carsten Keller - 03.12.2025

Deshaun Watson und ein Handtuch - demnächst auf dem Trainingsplatz

Deshaun Watson und ein Handtuch - demnächst auf dem Trainingsplatz (© Getty Images)

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