Nach dem Football-Festmenü über Thanksgiving ist für einige Teams das Ziel Playoff-Teilnahme geschafft. Die sechs Teams aus den beiden Top-Conferences, SEC und Big Ten, die weniger als zwei Niederlagen aufweisen (Ohio State, Indiana, Oregon, Georgia, Texas A & M und Mississippi), sind sicher dabei. Andere, darunter ganz große Namen wie Alabama, Notre Dame, Texas und Miami, müssen aber zittern, und weil einige von ihnen es nicht schaffen werden, zeichnet sich schon jetzt Zoff ab, wie man an Äußerungen der Betroffenen nach den Spielen vom Freitag und Samstag sehen konnte. Und um den Irrsinn auf die Spitze zu treiben, besteht tatsächlich die Möglichkeit, dass ein Team mit fünf Niederlagen in der Bilanz in die Playoffs einzieht, während mehrere Teams mit nur zwei Niederlagen draußen bleiben. College Football at its best - könnte man sarkastisch sagen.
Aber zunächst zu den einfachen Fällen. Am übersichtlichsten war die Lage der Playoff-Kandidaten aus der Big Ten Conference. Ohio State und Indiana, die auch die Plätze eins und zwei der CFP-Rangliste belegen, konnten mit eigenen Siegen ins Championship Game ihrer Conference einziehen. Das schafften sie auch souverän, Ohio State am Samstag mit einem 27:9-Sieg bei Michigan und Indiana schon am Freitag mit einem 56:3 bei Purdue. Da die Beiden alle bisherigen Spiele gewonnen haben, ist das Ergebnis des Conference-Finales in Sachen Playoff-Teilnahme nicht mehr wichtig. Beide werden in die Playoffs einziehen, der Sieger auf jeden Fall direkt ins Viertelfinale, der Verlierer vielleicht auch, und wenn nicht, dann hätte er in der ersten Playoff-Runde fast sicher ein Heimspiel. Der dritte Playoff-Teilnehmer aus der Big Ten wird Oregon sein, das nur einmal verloren hat, zu Hause gegen Indiana, und am Samstag bei Washington mit 26:14 gewann. Die Ducks werden in der neuen CFP-Rangliste durch die Niederlage von Texas A & M zumindest einen Platz aufrücken (von Platz 6 auf 5). Abhängig von den Ergebnissen der Championship Games der SEC und der Big Twelve, könnten sie in der abschließenden Rangliste sogar noch in die Top-Vier aufrücken und würden dann direkt ins Viertelfinale einziehen.
SEC: Texas bringt alles durcheinander
In der SEC war die Lage ebenso klar. Georgia war bereits für das Conference Championship Game qualifiziert, weil es bei den möglichen Tie-Breaker-Szenarien auf jeden Fall vor Texas A & M (Siege gegen gleiche Gegner) und Mississippi (Sieg im direkten Duell) landen würde. Am Freitag musste es seine Ausgangssposition für die Playoffs aber heftiger verteidigen als erwartet. Gegen den Lokalrivalen Georgia Tech wurde es, wie schon im letzten Jahr, als die Bulldogs acht (!) Overtime-Perioden brauchten, um als Sieger vom Platz zu gehen, erneut eng. Letztlich gewannen sie mit 16:9. Für Texas A & M, bis dahin ungeschlagen, hieß es: Win and you are in. Daraus wurde nichts. Im Lokalderby bei Texas unterlag man mit 17:27. Kleiner Trost für die Aggies: In der neuen CFP-Rangliste werden sie auf Platz sechs oder sieben abrutschen, womit die Teilnahme an den Playoffs trotzdem sicher ist. Von der Niederlage der Aggies profitierte Alabama, das sein Derby bei Auburn mit 27:20 gewann und dank seines Sieges gegen Georgia beim Gleichstand mit Georgia und Texas A & M die Nase vorn hat. Für den Einzug in die Playoffs muss Alabama das SEC Championship Game aber unbedingt gewinnen. In der letzten CFP-Rangliste lag man auf Platz zehn und den wird man halten, eventuell in der neuen an Oklahoma und/oder Notre Dame vorbeiziehen. Bei einer Niederlage gegen Georgia, es wäre die dritte, würde man aber sicher zu viele Plätze verlieren.
Big Twelve: Texas Tech gegen BYU
In der Big Twelve Conference lief alles nach Plan. Die beiden mit einer Conference-Niederlage belasteten Teams, Texas Tech und BYU, gewannen ihre Spiele - Texas Tech mit 59:0 bei West Virginia und BYU mit 41:21 (nach 0:14-Rückstand) gegen Central Florida - und treffen im Conference-Finale zum zweiten Mal in dieser Saison aufeinander. Das erste Duell hatte Texas Tech mit 29:7 gewonnen. Der Sieger ist als der zumindest drittbeste Conference Champion automatisch für die Playoffs qualifiziert. Sollte Texas Tech, aktuell Fünfter und am Dienstag wahrscheinlih Vierter in der neuen CFP-Rangliste, gewinnen, wäre der direkte Einzug ins Viertelfinale möglich. BYU wäre bei einem Sieg automatisch qualifiziert, würde aber wahrscheinlich nicht unter die Top-Vier kommen, könnte bei einem Sprung unter die besten Acht der Rangliste aber noch das Heimrecht in der ersten Playoff-Runde erreichen. Die Frage ist, ob in diesem Fall Texas Tech ganz aus den Playoff-Rängen herausrutschen würde. Tendenz: eher nicht.
ACC: Mit fünf Niederlagen in die Playoffs?
In der ACC wurde es dafür richtig verrückt. Eigentlich hatten auch hier zwei Teams ihr Schicksal in der eigenen Hand. Virginia und SMU, die mit je einer Conference-Niederlage in diesen Spieltag gingen, konnten ohne fremde Hilfe ins Championship Game einziehen. Virginia tat das mit einem ungefährdeten 27:7-Sieg gegen Virginia Tech und hat jetzt die Chance, zum ersten Mal alleiniger ACC Champion zu werden. SMU aber verlor bei California mit 35:38, und weil zuvor Duke gegen Wake Forest mit 49:32 gewonnen hatte, zieht Duke bei einem Gleichstand mit Miami, Georgia Tech, SMU und Pittsburgh (alle 6-2 in ACC-Spielen) ins Championship Game ein. Mit Duke, das außerhalb der ACC drei weitere Spiele verloren hat (gegen Illinois sowie bei Tulane und Connecticut), könnte also ein Team mit fünf Niederlagen Conference Champion werden und in die Playoffs einziehen. Das wäre schon ein echter Makel für die Playoffs. Allerdings würde es dazu wahrscheinlich gar nicht kommen, was es für die ACC aber noch schlimmer machen würde. Ein ACC Champion Duke würde im CFP-Ranking wahrscheinlich hinter zwei Champions der Group of Five Conferences liegen (Tulane oder North Texas aus der AAC und James Madison aus der Sun Belt). Und weil nur die fünf bestplatzierten Conference Champions einen Platz in den Playoffs bekommen, könnte die ACC bei einem Sieg von Duke also gar nicht in den Playoffs vertreten sein - es sei denn, das bestplatzierte ACC-Team, Miami (aktuell Zwölfter der CFP-Rangliste), schafft es noch unter die besten Zehn.
Einige Promis bleiben auf der Strecke
Womit wir dann beim wahrscheinlich größten Playoff-Aufreger dieser Saison wären. Weil also zwei der fünf besten Conference Champions jenseits der Top-12 der CFP-Rangliste landen werden, müssen Playoff-Kandidaten, die nicht mehr Conference Champion werden können und mehr als eine Niederlage in der Bilanz haben, unter den ersten Zehn der Rangliste landen, um dabei zu sein. Die realistischen Anwärter für den Einzug in die Playoffs auf diesem Weg sind Oklahoma, Notre Dame und Alabama, die die Plätze acht bis zehn der Rangliste von letzter Woche belegten, Miami (12.) und Vanderbilt (14.), der Verlierer des Big Twelve Championship Games plus Texas, das sich trotz seiner drei Niederlagen dank des Sieges gegen Texas A & M nochmal Hoffnung machen darf. Wer von denen die besten Chancen hat, wird sich an der neuen Rangliste vom kommenden Dienstag zeigen. Schaffen es Miami (38:7 in Pittsburgh), Vanderbilt (45:24 bei Tennessee) und Texas nach ihren starken Auftritten, an Oklahoma, Notre Dame oder Alabama vorbeizuziehen? Wahrscheinlich eher nicht, und deshalb motzten die Head Coaches von Texas und Miami vorsorglich schonmal rum, und der von Notre Dame versuchte, sein Team verbal vor einem möglichen Abrutschen aus den Top-Ten zu schützen.
Texas' Steve Sarkisian argumentiert mit dem starken Programm, das sein Team absolviert hat, inklusive der Auftaktpartie bei Ohio State (7:14 verloren), und fragt, welchen Sinn es hat, außerhalb der Conference Spiele gegen Top-Gegner zu vereinbaren, wenn die einem im Falle einer Niederlage später negativ angerechnet werden. Damit hat er einen Punkt, wie man neu-deutsch sagt. Hätte Texas die Saison statt gegen Ohio State gegen zum Beispiel Ohio University (aus der MAC) eröffnet, wäre die Situation der Longhorns gewiss eine ganz andere. "Hätten wir jetzt eine 10-2-Bilanz, gäbe es gar keine Diskussion", so Sarkisian. Andererseits kann man die unerwartete Niederlage bei Florida (Abschlussbilanz: 4-8) nicht herunterspielen und die luschigen Overtime-Siege bei Kentucky und Mississippi State (jeweils 5-7) nicht ausblenden. Wenn es Texas also nicht unter die ersten Zehn schafft, dann nicht wegen der Niederlagen gegen Ohio State und Georgia (10:35).
Auch Notre Dames Marcus Freeman argumentiert mit der Stärke des Programms, vor allem dem Monster-Saisonauftakt mit Spielen bei Miami (24:27) und gegen Texas A & M (40:41), aber auch den zehn Siegen in Folge seither. Dem kann man folgen, aber wenn es am Ende bei der Vergabe des letzten Playoff-Platzes heißt "Notre Dame oder Miami", kann man dann Notre Dame vor Miami platzieren? Eigentlich nicht. Wenn zwei (oder mehrere) Teams mit gleicher Bilanz gegeneinander gespielt haben, dann entscheidet normalerweise der direkte Vergleich. Darauf verweist auch Miamis Msario Cristobal. Wenn bei gleicher Bilanz der direkte Vergleich nicht zählt, braucht man die Spiele doch gar nicht spielen, sagte er. Man darf gespannt sein, wie das Playoff Selection Committee dieses Dilemma auflöst.
Hoch - 01.12.2025

Der Ranglistenerste Ohio State trifft am Samstag im Big Ten Championship Game auf den ebenfalls ungeschlagenen Zweiten Indiana. (© Getty Images)
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