Die Detroit Lions bleiben in dieser Saison ein Team der Extreme – und der Inkonstanz. Auch an Thanksgiving setzte sich die schlingernde Linie fort: Sieg, Niederlage, Sieg, Niederlage. Das 24:31 gegen die Green Bay Packers bedeutete erneut einen Rückschlag, der in der Tabelle schmerzt. Statt im Kampf um die NFC North oben anzudocken, sind die Lions nun bei 7–5 abgerutscht. Green Bay (8–3–1) hingegen verlängerte seine Serie, holte den Saison-Sweep und verschaffte sich eine komfortable Ausgangslage.
Dabei waren die Voraussetzungen aus Detroiter Sicht alles andere als günstig. Ohne Starting Center Graham Glasgow (Frank Ragnow, der vor der Saison seinen Rücktritt angekündigt hatte, reaktivierte sich aus der Spieler-Rente), Guard Christian Mahogany, die beiden Tight Ends Sam LaPorta und Brock Wright sowie Wide Receiver Kalif Raymond musste Head Coach Dan Campbell bereits improvisieren. Als sich dann auch noch Amon-Ra St. Brown nach sechs Minuten mit einer Knöchelverletzung verabschiedete, waren die Lions offensiv nahezu zahnlos. Die Last verteilte sich früh auf wenige Schultern – und am Ende waren es schlicht zu wenige.
Offense kämpferisch – Defense ohne Zugriff
Trotz der Ausfälle hielt die Offense lange Anschluss. Jared Goff, nach schwachem Beginn, schnell im Rhythmus, spielte sauber, effektiv und fand immer wieder Lösungen. 20 von 26 Pässen, 256 Yards, zwei Touchdowns – es waren Zahlen eines Quarterbacks, der ein Spiel gewinnen wollte. Doch während Goff und Co. punktuell Akzente setzten, bekam Detroits Defense über vier Viertel keinen konstanten Zugriff auf Jordan Love.
Der Packers-Quarterback agierte abgeklärt, nutzte die Matchups konsequent und blieb fehlerfrei: vier Touchdown-Pässe, 124,2 Passer-Rating, sechs verschiedene Receiver im Fokus – Green Bay brachte die Lions mit nüchterner Effizienz zur Verzweiflung. Insgesamt 359 Yards Offense reichten, um die Partie jederzeit in der eigenen Hand zu behalten und die Lions regelmäßig hinterherlaufen zu lassen.
Knackpunkt 4th & 3 – Momentum kippt endgültig
Das Schlüsselmoment ereignete sich früh im dritten Viertel. Detroit lag nur drei Punkte zurück, stand an Green Bays 47 und war auf dem Weg in die Field-Goal-Range. 4th & 3. Die Lions entschieden sich mutig für den Lauf über Jahmyr Gibbs der konzeptlose Lauf durch die Mitte war zu durchsichtig. Der Rookie wurde im Backfield gestoppt, der Ball ging verloren, das Momentum ebenso.
Zwei Spielzüge später bediente Love seinen Receiver Christian Watson über 51 Yards. Touchdown, 24:14 – der erneute Zehn-Punkte-Rückstand war hergestellt. Detroit kam zwar noch einmal heran, doch Green Bay beantwortete nahezu jeden Schlag und ließ in den entscheidenden Momenten keine Tür offen.
Williams ragt heraus – aber ohne Happy End
Einer, der an diesem Abend jede Lücke nutzte und sich in den Vordergrund spielte, war Jameson Williams. Der Wide Receiver übernahm die Rolle des primären Targets nahezu mühelos und war für die Packers-Coverage kaum zu greifen. Sieben Catches, 144 Yards, ein Touchdown – persönliche Bestmarke. Doch im entscheidenden Moment ließ er einen Ball fallen. Bei einem entscheidenden vierten Versuch ende des dritten Quarters, konnte er einen einfachen Ball von Goff nicht festhalten - Turnover on downs.
Denn Detroits Defense, in den vergangenen Wochen ohnehin schwankend, präsentierte sich erneut anfällig. Kein Druck auf Love, zu viele verpasste Tackles, zu wenig Stabilität bei Third und Fourth Downs. 6/12 bei Third Downs für Green Bay, 3/3 bei Fourth Downs – ein statistisches Spiegelbild der Probleme. Green Bay hatte Aidan Hutchinson im Griff.
Ausblick
Detroit steht nach der Niederlage erneut an einem Wendepunkt. Die Playoffs sind weiter in Reichweite, aber der Trend ist besorgniserregend: Zu viele Ausfälle, zu wenig Konstanz, zu viele defensive Aussetzer. Will das Team eine Rolle im Januar spielen, müssen Struktur und Stabilität zurückkehren – idealerweise gemeinsam mit den verletzten Leistungsträgern.
Green Bay hingegen untermauert seine Ansprüche. Love spielt zunehmend wie ein Quarterback, der die Franchise tragen kann, und die Defense lieferte in den entscheidenden Phasen akkurat ab.
Jan Sawicki - 28.11.2025

Jordan Love lieferte wieder einmal ab, Sieg gegen den Divisionsrivalen aus Detroit. (© Getty Images)
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