Kurz bevor das ELF/EFA-Franchise mit dem bisherigen Namen Rhein Fire seine Wahl des neuen Namens vollziehen will, haben einige der Gründer sich an die Öffentlichkeit gewandt, um sich von der Organisation zu distanzieren. Als Unterzeichner formulierten Renè Alexander Engel, Martin Wagner, David Wallen, Ottogerd Karasch und Markus Fong ihre Sicht zu den derzeitigen Vorgängen so:
"Vor rund viereinhalb Jahren haben wir gemeinsam das Projekt "Rhein Fire" ins Leben gerufen. Als ehemalige aktive American-Football-Spieler war es von Beginn an unser Ziel, eine Organisation aufzubauen, wie wir sie uns in unserer eigenen aktiven Zeit immer gewünscht hätten – mit Professionalität, Wertschätzung und echter Leidenschaft für den Sport.
Unser Antrieb war dabei nie der wirtschaftliche Gewinn, sondern die Förderung des Sports, die Entwicklung von Athletinnen und Athleten sowie der Aufbau eines professionellen American Football Teams für die Fans unserer Region. Es war uns stets ein besonderes Anliegen, gegenüber unseren Mitarbeitenden, Spielern und Coaches, Cheerleadern sowie Dienstleistern verlässliche und faire Partner zu sein.
In den Spielzeiten 2022 bis 2024 hat sich Rhein Fire mit diesem Ansatz zu einer der erfolgreichsten und bekanntesten Marken im europäischen American Football entwickelt. Gemeinsam mit unseren Fans, Partnern und Unterstützern konnten wir sportliche wie organisatorische Meilensteine erreichen – gekrönt durch die Meisterschaften 2023 und 2024.
Seit Oktober 2024 haben sich jedoch die Mehrheitsverhältnisse innerhalb der Betreibergesellschaft so verändert, dass die Unterzeichner das Projekt nicht mehr inhaltlich und strategisch lenken. In der Folge sind eigene, auch monetäre Interessen einzelner Mitgesellschafter in den Vordergrund getreten. Zugleich hat sich der Umgang innerhalb der Organisation deutlich gewandelt – weg von den Werten, die für uns von Beginn an Grundlage des Projekts waren.
Diese Entwicklung hat nicht nur sportliche Folgen gehabt, sondern auch personelle Konsequenzen. So haben langjährige und verdiente Mitarbeiter wie Ticketing-Manager Marc Nantke oder zuletzt Sportdirektor Max Paatz die Organisation verlassen. Ebenso hat sich Head Coach Jim Tomsula bereits im Mai 2025 dazu entschieden, nicht mehr als Head Coach zu Rhein Fire zurückzukehren.
In den vergangenen Monaten haben wir weiterhin versucht, positiv auf die Entwicklung von Rhein Fire einzuwirken – leider ohne Gehör zu finden. Stattdessen wurden Entscheidungen getroffen, die wir inhaltlich nicht mittragen können – etwa die kampflose Abkehr vom Namen und der Marke "Rhein Fire", die für uns und viele Fans untrennbar mit der Geschichte und Identität dieses Projekts verbunden ist.
Da uns als vormals prägende Köpfe von Rhein Fire weiterhin zahlreiche Anfragen auf unterschiedlichen Kanälen erreichen, sehen wir uns veranlasst, öffentlich klarzustellen, dass wir uns von der aktuellen Führung und der Art und Weise, wie die Organisation seit Oktober 2024 geführt wird, ausdrücklich distanzieren.
Wir danken allen, die dieses Projekt über Jahre hinweg unterstützt, mitgetragen und zu dem gemacht haben, was es war – ein einzigartiges Beispiel für Leidenschaft, Zusammenhalt und sportlichen Erfolg. Neben den Spielern und Coaches gilt unser Dank insbesondere unseren Cheerleadern (Pyromaniacs und Flight Crew), unseren Büromitarbeitern und den vielen helfenden Händen (insbesondere unsere Staffer!), ohne die das Projekt niemals möglich gewesen wäre.
Rhein Fire war für uns immer mehr als ein Team. Es war eine Familie.
Auch wenn sich Wege nun zunächst einmal trennen, bleibt die gemeinsame Zeit, der Erfolg und die Begeisterung, die wir mit Tausenden von Fans teilen durften. Wir werden uns weiterhin mit Herz und Engagement für den American Football einsetzen – für die Werte, die diesen Sport ausmachen, und für die Menschen, die ihn leben."
Der Anspruch von damals - "professionelle Strukturen" in einer Europaliga zu schaffen - klingt im Nachhinein dabei kaum mehr durch. Die Liebe zum Sport darf allen Beteiligten damals wie heute unterstellt werden, annonciert wurde die Liga indessen stets (auch und ganz besonders Rhein Fire) als eine wirtschaftsorientierte Unternehmung, die jenes Umfeld, von dem Spieler und Trainer in Europa träumen, auch finanzierbar machen sollte. Auch bei Rhein Fire und nicht nur dort drängte sich in der Liga von jeher der Eindruck auf, dass ursprüngliche Investoren/Gesellschafter selbst für die oft reklamierten "Start-up"-Verhältnisse schneller Geld verloren, als sie sich dies wohl vorgestellt hatten, sei es aus wirtschaftlicher Naivität oder Pech mit dem Standort.
Von letzterem allerdings kann bei Rhein Fire eigentlich keine Rede sein - die Zuschauerzahlen dort waren von Beginn an die höchsten und konstantesten der Liga. Aber auch dort wurde augenscheinlich von Saison zu Saison frisches Kapital benötigt, wurden neue Gesellschafter dazu genommen, die natürlich ihr Mitspracherecht ausüben wollten - bis hin zur jetzt laut des Schreibens erfolgten kompletten Umorientierung der "Unternehmenspolitik".
Das Zerwürfnis zwischen Ligaleitung und den Teams, die die neue European Football Allicance bilden wollen und sollen, ist das eine. Zwischen diesen Teams untereinander soll es ebenfalls schon wieder knirschen. Wenn noch dazu kommt, dass selbst beim vom äußeren Eindruck her neben Wien wirtschaftlich erfolgreichsten der verschiedenen Projekte intern auch keine Geschlossenheit mehr herrscht, stellt sich mehr und mehr die Sinnfrage. Irgendwann einmal muss eben das Geld verdient werden, um die Liebe zum Sport, so ehrenwert sie ist, auch zu finanzieren. Oder es müssen jedes Jahr Hunderttausende zugebuttert werden - dem Fan kann es ja nur recht sein. Wer als Gesellschafter ohne Gegenleistung allerdings nicht ständig neu zuschießen will, der wird nicht darum kommen, Football-Veranstaltungen wie die von Rhein Fire eben auch einer Kosten-Nutzen-Rechnung zu unterziehen - vielleicht ist es ja auch das, was die aktuellen Mehrheitsgesellschafter zum Wohle der Unternehmung vorhaben?
Auerbach - 11.11.2025

Rhein Fire ist auf der Suche nach Teamgeist. (© Stephan Partisch)
Leser-Bewertung dieses Beitrags: