Kein Fortschritt war mehr erkennbar, daher entschieden sich die New York Giants schon vor dem Saisonende für den Wechsel. Head Coach Brian Daboll wurde nach der Niederlage gegen Chicago am Wochenende entlassen, ihn ersetzt als Interims-Coach Offensive Coordinator Mike Kafka.
Für die Giants war es einfach zu viel. Mehrere knappe Niederlagen, nicht selten gar in letzter Sekunde, musste das Team in diesem Jahr verkraften, zuletzt verspielte es im Schlussviertel gegen Chicago einen 10-Punkte Vorsprung. Einst als Offensive-Genie und Quarterback-Guru aufgrund der Entwicklung von QB Josh Allen in Buffalo unter seiner Ägiede gehandelt, begann die Ära Daboll vielversprechend mit einer guten Saison von QB Daniel Jones und der Playoffteilnahme. Doch seitdem ging es bergab und nach 20 Siegen, 40 Niederlagen und einem Unentschieden entschieden sich die Giants für den Wechsel.
Sofort gibt es Spekulationen, wer denn Daboll in der kommenden Saison ersetzen könnte. Überall wo eine Stelle frei ist, fällt automatisch der Name von Lane Kiffin, der bei Ole Miss großen Erfolg hat und somit zurück in die NFL kommen könnte. Sogar mehr Sinn als anderswo könnte die Verpflichtung machen, denn Giants QB Jaxson Dart und Kiffin arbeiteten in den vergangenen Jahren schon erfolgreich zusammen. Doch ob es dazu kommt, scheint fraglich. "Er schrieb in unseren Dart-Kiffin Familienchat, dass New York zu kalt für ihn sei, als die Spekulation auftauchte", berichtete der Vater des jungen Quarterbacks Brandon Dart auf die enge Verbindung zwischen beiden Familien hin angesprochen. Drei Jahre arbeiteten Lane Kiffin und Jaxson Dart in Ole Miss zusammen und Dart entwickelte sich so zu einem Erstrundenpick - und in den Augen der Giants - NFL Franchise Quarterback.
Sollte es Kiffin nicht werden, so wird es Spekulationen geben, wer denn der nächste Head Coach der Giants werden wird. Vorsichtig wird das Team sein, denn mit hochgelobten Assistenten wie Ben McAdoo, Pat Shurmur oder Joe Judge hatte das Team bereits vor der Verpflichtung von Daboll keine guten Erfahrungen gemacht. Daher sind zwar sicher andere hochgelobte Assistenten nicht chancenlos (und Erfolgsgarantien gibt es auch bei etablierten NFL Head Coaches nie), aber Erfahrung und Erfolg in einer Führungsrolle wären sicher ein Vorteil.
Natürlich fällt da als erstes der Name von Bill Belichick. Als Assistenzcoach gewann er unter Bill Parcells mit den Giants Super Bowls und gilt daher als Königslösung. Nur: Belichick wird 74 Jahre alt und wäre sicher nicht die Zukunft in New York. Seine Expertise in der Defensive könnte aber zum Team passen, das in den vergangenen Jahren viel in diesen Mannschaftsteil investiert hat, aber nur wenig Früchte davon ernten konnte. Jedoch wird spekuliert, dass die Giants eher nach einem Trainer suchen, der die Offensive und QB Jackson Dart weiterentwickelt. Und wer den Umgang von Belichick mit einem anderen QB als Tom Brady genauer betrachtet, der wird sehen, dass Belichick dafür kein Händchen hat, sondern geeignete Assistenten braucht. Zumal er in seinen letzten beiden Jahren in New England auch den Eindruck entstehen ließ, dass er keine Verbindung mehr zur jungen Spielergeneration zu haben scheint mit seinen Methoden.
Wahrscheinlicher als Belichick wäre eine Rückholaktion von Steve Spagnuolo. Der Defensive Coordinator der Kansas City Chiefs ist ein wesentlicher Bestandteil des Erfolges der Chiefs, auch wenn der Angriff um QB Patrick Mahomes und TE Travis Kelce dafür die Lorbeeren einheimst. Spagnuolo arbeitete bereits in der Vergangenheit länger für die Giants und wurde nach der Entlassung im Jahr 2017 von Ben McAdoo zum Interims Head Coach ernannt. Nur eines seine vier Spiele konnte Spagnuolo gewinnen, gilt aber als einer der besten Defensivcoaches der NFL. Er müsste aber den richtigen Offensive Coordinator zur Seite gestellt bekommen, dann würde diese Verbindung sicher gut funktionieren.
Mit Antonio Pearce würde ein Head Coach zur Verfügung stehen, der in Las Vegas schon die Verantwortung hatte, viele Vorschusslorbeeren bekam und nach einer Saison mit 4-13 entlassen wurde. Als Defensive Coordinator der Los Angeles Chargers wird auch Jesse Minter seit einigen Jahren hoch gehandelt, verfügt aber über keine Erfahrung in der Führungsrolle. Diese hat San Francisco 49ers Defensive Coordinator Robert Saleh, dieser scheiterte aber grandios schon bei den New York Jets. Dabei war dies aber sicher auch die Schuld beider Seiten, denn den Jets ist es nie gelungen den eigenen Kader richtig zusammenzustellen, zudem verpflichteten sie 2021 in seiner ersten Saison mit Zach Wilson einen Quarterback, obwohl Saleh Gerüchten zufolge gerne einen anderen Kandidaten gesehen hätte (QB Justin Fields und Mac Jones wurden genannt).
Als Offensiv-Coaches werden die Giants mit Washington Offensive Coordinator Kliff Kingsbury und Seattle Offensive Coordinator Klint Kubiak in Verbindung gebracht. Kingsbury stand einige Jahre bei den Arizona Cardinals in der Verantwortung und musste mit einer Bilanz von 28-37 schließlich 2022 gehen. 2021 hatte er das Team aber noch mit 11-6 in die Playoffs geführt. Kubiak hingegen ist ein unbeschriebenes Blatt, sein Vater Gary war aber ein sehr respektierter NFL Coach und er gilt als Grund, warum QB Sam Darnold und die Offensive der Seahawks zu den besseren in der NFL gehören. Ihm eine Chance zu geben zu zeigen, was er mit Dart, WR Malik Nabers und RB Cam Skattebo machen kann, könnte daher reizvoll sein, auch wenn er als Head Coach keine Erfahrung hat. Doch genau dieses Pedigree hatte auch der gerade entlassene Daboll, weshalb sich die Giants dies gut überlegen müssen.
Schüler - 11.11.2025

Brian Daboll ist nicht mehr Head Coach der New York Giants (© Getty Images)
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