Die Indianapolis Colts gingen als Favorit in das erste NFL-Spiel im Berliner Olympiastadion. Als Spitzenreiter der AFC South schien die Ausgangslage klar, doch die Atlanta Falcons machten es ihnen über weite Strecken schwer. In den ersten drei Quartern nutzten die Falcons die Fehler der Colts aus und setzten mit einer disziplinierten Defense Akzente.
Erst im letzten Viertel fanden die Colts ihren Rhythmus wieder, drehten das Spiel und kämpften sich zum 25:25-Ausgleich in die Overtime. Dort war es schließlich Running Back Jonathan Taylor, der mit einem spektakulären Lauf den Sieg sicherte.
Head Coach Shane Steichen zeigte sich nach dem Spiel beeindruckt von der Leistung seiner Mannschaft: "Ein phänomenales Spiel. Die Offensive Line hat großartige Arbeit geleistet, und die Spieler haben bis zum Schluss alles gegeben. Es war einfach eine tolle Erfahrung, hier zu spielen."
Die Worte des Trainers waren berechtigt: Die Offensive Line ermöglichte Jonathan Taylor 244 Rushing Yards – ein neuer Franchise-Rekord. Besonders der letzte Touchdown demonstrierte Taylors außergewöhnliche Technik und Kraft. Mit einem explosiven Cut öffnete er sich das Laufloch und sprintete unaufhaltsam in die Endzone - Jackpot!
Nach dem Spiel sagte Taylor: "Für solche Momente lebst du. Du weißt nie, wann sie kommen, aber wenn sie da sind, erinnerst du dich nicht nur an den Lauf selbst, sondern auch an deine Mitspieler und daran, wie sie dich danach umarmen. Genau das werde ich mit Berlin verbinden."
Zu seinem Rekordlauf fügte er hinzu: "Es ist wirklich eine einzigartige Erfahrung. Das hier ist ein geschichtsträchtiger Ort, und wenn man an all die großartigen Sportler denkt, die hier Erfolge gefeiert haben, ist es etwas Besonderes, Teil dieser Geschichte zu sein. Ich bin einfach dankbar, hier ein kleines Stück Football-Geschichte geschrieben zu haben. Ich hoffe, die Berliner hatten Freude an diesem NFL-Spiel hier und konnten spüren, wie sehr wir diesen Sport lieben."
Bisheriger Rekordhalter war Colts-Legende Edgerrin James, zu dem Taylor respektvoll sagte:"Es geht nicht nur um Edge. Natürlich hielt er den Rekord, aber man denkt auch an all die großartigen Spieler, die vorher Teil dieser Organisation waren. Unter diesen Namen genannt zu werden, bedeutet mir viel. Ich weiß, dass man solche Erfolge nur durch das Team erreicht – durch die Jungs außen, die Tight Ends, die Offensive Line. Sie alle bringen dich in diese Position. Ich bin meinen Teamkollegen unglaublich dankbar."
Quarterback Daniel Jones hatte im Spiel einiges einzustecken – inklusive einer blutigen Lippe. Er wurde in der Vergangenheit oft für seine Inkonstanz kritisiert, zeigte sich nach der Partie aber kritisch und kämpferisch:
"Wir haben ein gutes Football-Team – und einen herausragenden Running Back, das steht fest. Aber wir haben uns heute in entscheidenden Momenten selbst im Weg gestanden. Das darf nicht passieren, und das liegt auch an mir. Ich muss besser auf den Ball aufpassen und in wichtigen Situationen, vor allem in der Red Zone, konsequenter sein. Trotzdem haben wir Wege gefunden, das Spiel zu gewinnen. Das zeigt, wie viel mentale Stärke und Kampfgeist in diesem Team steckt."
Tackle Bernhard Raimann genoss das Spiel besonders, denn nach Frankfurt 2023 war es bereits sein zweiter Auftritt vor deutschem Publikum:"Es ist ein unglaubliches Gefühl. Die Atmosphäre war wieder unfassbar. Frankfurt vor zwei Jahren war schon verrückt, aber jetzt hier im Olympiastadion zu spielen – in diesem geschichtsträchtigen Stadion – ist einfach etwas ganz Besonderes. Ich habe gerade alle Emotionen auf einmal, ich kann es kaum in Worte fassen."
Neuzugang Sauce Gardner sprach nach dem Sieg über seine persönlichen Ups and Downs im Spiel:"Auf jeden Fall – bei der Two-Point-Conversion bin ich ausgerutscht, und sie wurde gegen mich verwandelt. Das hat mich echt geärgert. Als unser Kicker dann das Field Goal zum Ausgleich gemacht hat – ich bin noch dabei, mir alle Namen zu merken – wusste ich, das war eigentlich mein Fehler. Ich habe mir geschworen, nicht mehr auszurutschen. Danach war unsere Coverage richtig stark, und wir haben den Ball für unsere Offense zurückgeholt. Es war mein erstes Spiel in Berlin, und die Fans waren unglaublich – das werde ich nie vergessen."
Auf die Frage, wie sich das Team im Vergleich zur vergangenen Saison entwickelt habe, sprach Teamkollegen Kenny Moore:"Wie gesagt, es läuft sehr gut. Die Energie im Team ist hoch. Wir wollen einfach konzentriert weiterarbeiten und nichts als selbstverständlich ansehen. Wir haben noch nicht alles gewonnen. Jede Woche ist hart, und je länger die Saison dauert, desto größer wird das Ziel, das andere auf uns anlegen. Jetzt gehts gegen Kansas City – da dürfen wir nicht glauben, dass uns irgendetwas zusteht. Wir müssen mit klarem Kopf und harter Arbeit weitermachen."
Das nächste Duell gegen die Kansas City Chiefs dürfte also ein echter Härtetest werden – die Chiefs befinden sich langsam wieder in Topform.
Nadia Quast - 10.11.2025

Jonathan Taylor freut sich über seinen Erfolg (© Nadia Quast)
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