Die Baltimore Ravens bejubelten nach vier Niederlagen in Serie ihren zweiten Saisonsieg. Beim 30:16 gegen die Chicago Bears brillierten Tyler Huntley und Derrick Henry. Huntley warf bei 22 Versuchen 17 vollständige Pässe (77,3 Prozent) für 186 Yards und einen Touchdown ohne Fehlwurf, erlief zusätzlich 53 Yards. Bei 21 Läufen kam Derrick Henry zu zwei Touchdowns und half den Ravens, immer wieder kontinuierlich übers Feld zu kommen. Drei Mal standen die Baltimore Ravens so in Goal-to-Go-Situationen, und jedes Mal verwertete der Angriff die Großchancen auch zu Scores.
Huntley statt Lamar Jackson - auch nach der spielfreien Woche der Ravens kam weiter der Ersatzmann für den Superstar zum Einsatz. Jacksons Verletzung entpuppt sich als langwieriger als ursprünglich angenommen. Dazu gab es einige Verstimmung auf Seiten Chicagos. Laut Injury Report der Ravens hatte Jackson am Freitag vor dem Spiel vollständig am Training teilgenommen, sein Einsatz für die kommende Partie wurde als möglich klassifiziert. Die NFL schreibt ziemlich genau vor, was die Bedeutungen der einzelnen Kategorien sind. Also auch, dass "full participation" und "questionable" eben heißt, dass der Gegner sich darauf einstellen sollte, dass der Spieler in der kommenden Partie eingesetzt werden wird.
Am Samstag kam die Kehrtwende. Nun wurde nicht nur Jacksons Einsatz gegen Chicago ausgeschlossen, sondern nachträglich auch die Einstufung vom Freitag zur Trainingsteilnahme korrigiert. Jackson hätte da doch nur eingeschränkt am Training teilgenommen. Die Liga wollte sich dieses Vorgehen in den kommenden Tagen von den Ravens noch einmal genauer erklären lassen. Head Coach John Harbaugh ließ schon einmal verlauten, dass er sich erstens so genau mit den Definitionen nicht auskenne, es zweitens aber ganz bestimmt kein Nachteil für die Bears gewesen sei, weil die Injury Reports eigentlich gar nicht wichtig wären, und drittens, dass am Freitag halt der Fehler gemacht und am Samstag korrigiert worden sei.
Die Ravens erklärten das Verwirrspiel damit, dass Jackson zwar vollständig am Training teilgenommen habe und deswegen ursprünglich so gelistet worden war. Falsch wäre dies deswegen gewesen, weil er nicht als Quarterback der Starting Offense mittrainiert hätte, was für ihn die normale Aufgabe ist - also war es eben doch kein für ihn richtiges Training. Mindestens in einem muss man Harbaugh recht geben: So richtig geschadet scheint es den Bears nicht zu haben. Denn die schickten die Offense der Ravens auch mit Tyler Huntley in der ersten Serie ohne First Down vom Feld und sicherten sich so erst einmal mit zwei Field Goals die Führung. Nach dem ersten Touchdown durch Derrick Henry kam Baltimores Offense zwar besser in Fahrt, wurde aber bis zum dritten Viertel auf drei Field Goals beschränkt.
Die Entscheidung fiel also erst, als alle längst wussten, dass Jackson nicht spielen würde. Und sie wurde auch von der Defense der Ravens eingeleitet. D’Andre Swift hatte Chicago mit dem ersten Bears-Touchdown gerade auf 13:16 herangebracht, die Bears-Defense Huntley und Co. zum Punt gezwungen. Doch warf Caleb Williams in der eigenen Red Zone eine Interception, der einzige Ballverlust der gesamten Partie. Nate Wiggins brachte sein Team an Chicagos 9-Yard-Linie in Ballbesitz. Charlie Kolar fing den kurzen Touchdown-Pass zum 23:13 über zehn Yards über die linke Seite im zweiten Down.
Acht Minuten blieben noch zu spielen, Chicago schaffte noch ein Field Goal. Die Hoffnung, die Ravens noch einmal rechtzeitig stoppen zu können, war angesichts eines Derrick Henry und eines Keaton Mitchell in der Laufattacke auf der Gegenseite auch ohne Lamar Jackson da nur noch gering. Ein wichtiger dritter Versuch wurde nicht gestoppt - DeAndre Hopkins holte das First Down. Zwei Minuten vor dem Ende lief Henry zu seinem zweiten Touchdown.
Die Bears kamen anschließend bis zur 1-Yard-Linie, scheiterten dort aber im vierten Versuch. Also gab es weder Onside Kick noch echte Victory Formation, weil Huntley hinter sich keinen Platz vor der Endzone hatte - aber mit einem Vorwärts-Yard war Baltimores Sieg doch unter Dach und Fach. Mit Pittsburghs und Cincinnatis Niederlagen führt der zu ein wenig Entspannung der Lage in Baltimore. Und in irgendeiner Form wird Jackson diese Woche dann wohl trainieren und für die nun anstehenden drei Auswärtspartien einsatzbereit sein.
Daniel Weber - 27.10.2025

Lamar Jackson feierte den Sieg von der Seitenlinie aus. (© Getty Images)
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