Die Bilanz nach der College Woche 3 sieht für Clemson durchwachsen aus. Während die Niederlage gegen LSU in der Woche 1 noch vertretbar war, sollte die 24:21 Niederlage am letzten Samstag gegen Georgia Tech eher bemerkenswert gewesen sein. Nicht nur wegen des Geschehens auf dem Spielfeld, sondern auch wegen der Bedeutung des Gesamtbildes.
Ein 1:2-Start, der erste für Clemson seit 2014, bedeutet zwangsläufig, dass der Ansatz von Head Coach Dabo Swinney in der modernen Ära des College Footballs zu hinterfragen ist, ob sein Weg noch erfolgreich sein kann. Vor einem Jahr war es ein beliebtes Gesprächsthema, nachdem Georgia die Tigers zum Saisonauftakt mit 34:3 abgefertigt hatte, da viele Experten Swinneys seine Weigerung, Transferspieler zu verpflichten, als veraltet ansahen.Doch dann gewannen die Tigers die ACC und schafften es in die College Football Playoffs. Nachdem Clemson gegen Texas größtenteils souverän wirkte, wurde es 2025 zu einem Titelkandidaten. Swinney sagte schließlich vor der Saison 2025, er glaube, dass das diesjährige Team 16:0 spielen könne. Auch auf dem Papier machte seine Aussage durchaus Sinn. Clemson holte Quarterback Cade Klubnik zurück, den manche als potenziellen ersten NFL-Draftpick sahen, sowie zwei Defensive Linemen, Peter Woods und T.J. Parker, die unter den Top 10 landen können. Hinzu kamen der neue, bei Penn State extrem erfolgreiche, Defensive Coordinator Tom Allen und die vielen zurückkehrenden Spieler. Es war also ein Leichtes, sich einzureden, dass dieses Team ein echter Titelanwärter wäre.
Aber etwas fehlt diesem diesjährigen Clemson Team und es ist nicht nur das Laufspiel. Drei Saisonspiele nach Saisonbeginn ist ein Titelanwärter so gut wie aus den Playoffs ausgeschieden. Es ist nicht unmöglich, dass Clemson wieder ins Rennen geht, aber nichts, was wir bisher in dieser Saison gesehen haben, deutet darauf hin, dass dies auch nur im Entferntesten wahrscheinlich ist. Clemson wirkt 2025 mittelmäßig und kommt nicht annähernd an das Team heran, von dem viele dachten, es könnte die ACC dominieren. Die Auftaktniederlage gegen LSU war schmerzhaft, aber verständlich. Es ist ein Heimspiel, das Clemson hätte gewinnen sollen, und es gab viele Bedenken, aber eine Niederlage gegen einen Top 10 Gegner ist kein Grund zur Panik. Der 0:16 Rückstand gegen ein scheinbar nicht so starkes Troy Team war das erste sichtbare Zeichen, dass etwas nicht stimmt. Clemson fand zwar einen Weg, das Spiel mit 27:16 zu gewinnen, aber so knapp hätte es nie sein dürfen, vor allem nicht zu Hause und nach der Niederlage gegen LSU. Troy hat diese Woche übrigens 7:28 gegen Memphis verloren. Nach Clemsons knapper Niederlage gegen Troy flossen die Wettgelder auf Georgia Tech. Die Quote sank weiter. Es machte Sinn, aber dann erinnerte man sich daran, dass Swinney seit 2014 nicht mehr gegen die Yellow Jackets verloren hatte. Clemson würde die Siegesserie sicherlich fortsetzen und wieder in die Erfolgsspur finden. Es kam anders. Stattdessen liegt Clemsons Saison 2025 bereits in Trümmern und Swinney steht wieder im Rampenlicht.
"Ich habe genug Lob und Kritik für drei Leben bekommen", sagte Swinney nach dem Spiel. "Mir geht es gut. Aber es tut mir für unser Team und unsere Fans leid. Das sind tolle Jungs. Sie kümmern sich. Es ist nicht der Start, den wir uns gewünscht hatten, aber wir müssen einen Weg nach vorne finden."
Ist Swinney in der Lage, in den Spiegel zu schauen und wesentliche Änderungen an seinem Programm vorzunehmen? Hier werden die verärgerten Clemson Fans sagen, dass Swinney das bereits getan hat. Er hat den schlechten Offensive Coordinator gefeuert und Garrett Riley geholt. Er hat den schlechten Defensive Coordinator gefeuert und den angesehenen Tom Allen geholt. Vielleicht liegt es einfach daran, dass Clemson unter dem zweimaligen Meistertrainer in einer Sackgasse feststeckt, in der es heißt: "Wir sind nicht schlecht, aber nicht mehr so gut wie früher." Es lässt sich nicht leugnen, das Swinney viel für das Programm geleistet hat und die Höhepunkte der Titelgewinne gegen Alabama in den 2010er Jahren werden nicht so schnell vergessen sein. Und mit einer Abfindung von über 60 Millionen Dollar wird er auch so schnell nicht gekündigt. Egal, wie frustriert die Fangemeinde im Moment ist, Swinney wird mehr Zeit bekommen, um die Dinge zu klären.
Die Frage ist, ob Swinney sich ausreichend weiterentwickeln kann, um mit den Veränderungen im Spiel Schritt zu halten. Dabos glorreiche Tage sind vorbei, und er muss mutige Schritte unternehmen, um sie zurückzuerobern, bevor Clemsons AD Graham Neff eines Tages gezwungen ist, selbst einen mutigen Schritt zu unternehmen. Er hat versucht, bei der Personaleinstellung aggressiver vorzugehen, mit bisher mäßigem Erfolg bei Allen und Riley. Mit Will Heldt von Purdue, der das Team mit zwei Sacks anführt, konnte er endlich einen wichtigen Spieler aus dem Transferfenster schnappen. Heldt war genau das, was Clemson brauchte – sie brauchen nur mehr Spieler wie ihn.
Die Frage lautet nun, ob Clemson beim nächsten Transferfenster aggressiver auftreten kann? Das würde allem widersprechen, wofür Swinney bisher beim Aufbau seines Programms plädiert hat, aber nach einer enttäuschenden Saison und dem erwarteten Abfluss talentierter Spieler in die NFL, muss er dafür offener sein. Die spannendste Geschichte der kommenden Offseason könnte sein, ob Swinney nach Klubniks Abgang einen bewährten Transfer-QB verpflichtet, wobei Fragen zu seinem langjährigen Ersatzspieler Christopher Vizzina aufkommen. Es steht viel auf dem Spiel. Die ausgezeichneten Sophomore Wide Receiver Bryant Wesco Jr. und T.J. Moore werden in ihren Vertragsjahren den Ball unbedingt noch oft fangen wollen.
Das Team, gegen das Swinney in Woche 1 verlor, ist das perfekte Beispiel dafür, wie viel Unterschied ein aggressives, aber zielgerichtetes Vorgehen im Transfer Portal leisten kann. LSUs Verteidigung zwang Floridas Quarterback DJ Lagway gerade zu fünf Interceptions und ist zum Aushängeschild des Teams geworden. Swinney könnte einige neue Defender gebrauchen, aber es ist absolut nicht sein Naturell, mehrere Transfer Spieler zu verpflichten. Oder anders formuliert: "Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten."
Schlüter - 15.09.2025

Head Coach Dabo Swinney (Clemson Tigers) (© Getty Images)
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