Verwundert rieb man sich die Augen als sich die Vienna Vikings kurz vor dem Halbfinale von Quarterback Aaron Ellis trennten und diesen kurzfristig durch Russell Minor-Shaw ersetzten. Doch drei Wochen später muss man feststellen, dies war eine Maßnahme mit durchschlagenden Erfolg. Zuerst führte der US-Amerikaner nach nur wenigen Tagen Vorbereitung sein neues Team zu einem nicht unbedingt zu erwartenden 22:10-Halbfinalsieg bei den Graz Giants und nun sicherte er den Wienern auch den Sieg im Austrian Bowl XL.
Minor-Shaw ("Es ist einer meiner ersten Titel und er fühlt sich großartig an. Aber ich habe noch sehr viel Energie, um jetzt ordentlich zu feiern") brachte dabei nicht nur 18 von 29 Pässen an den Mann und erzielte drei Touchdowns per Pass, sondern erlief auch zwei Minuten vor Schluss den spielentscheidenden Touchdown über 36 Yards selber. Das dem Spielmacher auch drei Interceptions unterliefen war dabei natürlich eigentlich zuviel, sollte aber letztlich weniger Auswirkungen haben als die erfolgreichen Aktionen, denn seinem Touchdown-Lauf zum 27:17 konnten die Danube Dragons in den verbleibenden Sekunden nichts mehr entgegensetzen.
Dabei hatte der Meister von 2022 und 2023 vor 4334 Zuschauern in der NV Arena St. Pölten bereits mit 14:0 geführt. Doch dann kamen die Vikings zurück und revanchierten sich für die Finalniederlagen gegen den Lokalrivalen in den beiden genannten Jahren und holte sich nach 2017 den lang ersehnten nächsten Austrian Bowl Titel.
Zahlreiche Undiszipliniertheiten prägten eine aufgeladene Anfangsphase, in der sich die Dragons zunächst als dominierende Mannschaft erwiesen. Folgerichtig trug Lukas Schramm den Ball aus kurzer Distanz zur Führung in die Endzone, in den Schlusssekunden des ersten Viertels erhöhte Devin Childress mit dem zweiten Touchdown bereits auf 14:0 für den Sieger der Regular Season. Doch danach verloren die Dragons etwas den Faden und die Vikings kamen besser ins das Spiel. Der Rekordmeister kam aber trotzdem erst kurz vor der Pause in Scoring Position, doch prompt halbierte Fabian Eder den Rückstand auf 7:14.
Eder war dann im dritten Quarter auch Hauptdarsteller der kuriosesten Szene des Spiels: Auf dem Weg in die Endzone von Elias Ferchl vermeintlich niedergerissen, rollte er ohne Bodenberührung über den Defensive Back der Dragons drüber und setzte seinen Lauf zum Touchdown fort. Den Extrapunkt setzte Kevin Voznyak zum 14:14- Ausgleich zwischen die Stangen.
Zwar gingen die Dragons dank eines Field Goals von Thorsten Tannert Mitte des dritten Viertels aus 35 Yards mit 17:14 abermals in Front, doch Eder mit seinem dritten Touchdown des Abends und Voznyak drehten die Partie noch im selber Spielabschnitt wieder um. Schließlich sorgte Quarterback Minor-Shaw nach dem letzten Seitenwechsel mit einem 36-Yard-Rush höchstselbst für die endgültige Entscheidung.
Die Vikings setzten sich in ihrer 31. Austrian Bowl damit zum 16. Mal die Krone auf, zuletzt hatten sie vier Titelmatches in Folge verloren. Die Dragons mussten ihrerseits im sechs Finalspiel die dritte Niederlage einstecken, bei den ersten zwei firmierten sie noch unter Klosterneuburg Mercenaries.
Benjamin Sobotka, Head Coach AFC Vienna Vikings: "Das ganze Spiel ist eine Geschichte aus den letzten drei Jahren. Wir haben uns zurückgekämpft und als wir dann in Führung gegangen sind, haben wir Vikings-Football gespielt – in der Offense, in der Defense und auch in den Special Teams. Wir haben in der Halbzeit gesagt, ein Baum fällt nicht auf den ersten Schlag. Wir müssen immer weiter auf diesen Stamm draufhauen. Bleiben wir ruhig und spielen unseren Football. Man wird erst morgen realisieren, was wir da geschafft haben."
Florian Pos, Head Coach und Offensive Coordinator Danube Dragons:"Im Endeffekt ist es wurscht, wieviel es ausgegangen ist, verloren ist verloren. Im Finale gibts einen Gewinner und einen Verlierer. Es sei dem Benji und der ganzen Vikings-Organisation gegönnt. Sie versuchen es schon lange und haben es jetzt geschafft. Wir werden sicher nächstes Jahr stärker zurückkommen. Jetzt gehts mal in der Off-Season, ein, zwei Wochen in den Urlaub und dann geht die neue Saison schon wieder los."
Wittig - 27.07.2025

Mit zunehmender Spieldauer bekamen die Vienna Vikings #19 WR Devin Childress (Danube Dragons) immer besser in den Griff. (© VV/Luca Tesche)
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